Stand: 14.06.2016 11:44 Uhr

Natriummangel kann zu Verwirrtheit führen

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Befindet sich zu wenig Salz im Blut, versucht das Gehirn diesen Mangel auszugleichen.

Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, später gepaart mit unsicherem, taumeligen Gang, Gedächtnisstörungen und Verwirrtheit: Gar nicht so selten wird bei diesen Symptomen eine beginnende Alzheimer-Demenz diagnostiziert - obwohl womöglich etwas ganz anderes dahintersteckt: Etwa jedem 20. älteren Hausarztpatienten fehlt nur etwas Natrium.

Animation des Nervensystems

Erinnerungslücken durch Natriummangel

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Wenn ältere Menschen vergesslich werden, fürchten Angehörige und Ärzte oft eine Demenzerkrankung als Ursache. Manchmal ist die Verwirrtheit aber auch Ausdruck von Natriummangel.

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Natriummangel wird durch Blutuntersuchung festgestellt

Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss geben, ob ein Patient unter einem Natriummangel leidet. Befindet sich nämlich zu wenig Natrium im Blut, versucht das Gehirn diesen Mangel auszugleichen. Die Gehirnzellen beginnen Wasser aus dem Blut zu saugen, um den Natriumgehalt anzuheben. Die Gehirnzellen schwellen an und der Hirndruck steigt. Die Folgen reichen von einem rapiden Verlust der geistigen Fähigkeiten bis hin zu Schwindel und Unsicherheiten beim Gehen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen - vor allem ältere dünne Frauen. Menschen über 70 reagieren empfindlicher auf Schwankungen im Natriumspiegel als jüngere. Schon ein leichter Natriummangel wirkt bei ihnen wie zu viel Alkohol - so, als wären die Patienten beschwipst. Das steigert die Gefahr von Stürzen.

Medikamente häufig die Ursache

Montage aus Erste-Hilfe-Koffer und Radio © fotolia.com Fotograf: frank peters, Artem Shcherbakov

Natriummangel macht vergesslich

NDR Info - Radio-Visite -

Schwindel und Vergesslichkeit: Da denken viele gleich an eine beginnende Demenz. Es kann aber auch an Mangel an Blutsalzen dahinterstecken.

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Natrium kann durch Infekte verloren gehen: Bei Fieber, Erbrechen und Durchfall verliert der Körper Wasser und Salze. Die häufigste Ursache für Natriummangel sind aber Medikamente wie entwässernde Tabletten, Blutdrucksenker, Antidepressiva, Antiepileptika sowie manche Schmerz- und Rheumamittel (NSAR). Oft tritt Besserung ein, wenn die Dosis verringert oder ein anderes Präparat gegeben wird. Ist der Natriummangel behoben, geht es den Patienten häufig rasch besser - die geistigen Aussetzer, Konzentrationsmangel und andere Symptome bilden sich zurück. Außerdem lässt sich per Infusion mit Flüssigkeit und Salzen oder Harnstoffpulver die Ausscheidung von natriumfreien Wasser erhöhen.

Natriumspiegel ab 70 regelmäßig kontrollieren lassen

Kochsalztabletten helfen nicht gegen Natriummangel, denn sie beheben den relativen Natriumgehalt nicht. Um das Ungleichgewicht im Wasserhaushalt auszugleichen, müssen Natrium und Wasser ergänzt werden. Um einem Natriummangel vorzubeugen, sollten Ältere die Trinkmenge mit dem Hausarzt besprechen, damit das Natrium im Blut nicht zu stark verdünnt wird. Experten raten älteren Menschen zu einer eiweißreichen Ernährung für die Muskulatur sowie regelmäßiger Bewegung für die Koordination und Sturzprophylaxe, zum Beispiel durch Tanzen. Für die geistige Beweglichkeit ist Gesellschaft wichtig. Regelmäßige Kontrollen sind ab 70 Jahren ratsam: Experten empfehlen den Natriumspiegel einmal im Quartal mithilfe einer Blutuntersuchung bestimmen zu lassen.

Videos
04:44 min

Interview zum Thema Natriummangel

16.02.2016 20:15 Uhr
Visite

Wie verbreitet ist Natriummangel? Bei welchen Symptomen sollte man hellhörig werden? Dr. Olaf Krause im Interview mit Moderatorin Vera Cordes. Video (04:44 min)

Interviewpartner im Beitrag:

Im Studio:
Dr. Olaf Krause
Oberarzt
Institut für Allgemeinmedizin
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
E-Mail: krause.olaf@mh-hannover.de
Internet:www.mh-hannover.de/29651.html

Im Beitrag:
Prof. Dr. med. habil. Joachim Beige
Chefarzt der Abteilung Nephrologie der Klinik für Infektiologie, Tropenmedizin, Nephrologie und Rheumatologie
Klinikum St. Georg gGmbH
Delitzscher Straße 141
04129 Leipzig
E-Mail: uk@sanktgeorg.de
Tel. (0341) 909 26 13
Internet: www.sanktgeorg.de

Dr. Tobias Weiß
Internist, Kardiologe
Am Tiergarten 4
30559 Hannover
Tel. (0511) 51 06 19 19
Fax (0511) 51 06 19 18
Internet: www.praxis-am-tiergarten.de

Prof. Klaus Hager
Chefarzt
Diakoniekrankenhaus Henriettenstiftung gGmbH
Zentrum für Medizin im Alter
Schwemannstraße 19
30559 Hannover
Tel. (0511) 289 32 22
Fax (0511) 289 30 04
Internet: www.henriettenstiftung.de

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Visite | 16.02.2016 | 20:15 Uhr