Stand: 26.12.2014 10:29 Uhr  | Archiv

Mit Cannabinoiden Krebszellen Contra geben

Bild vergrößern
Tetrahydrocannabinol (THC), hat vielfältige Wirkungen.

Pharmakologen der Universität Rostock sagen mit Cannabis Krebszellen den Kampf an. Den Experten ist es gelungen, die Krebszellen zerstörende Wirkung von Inhaltsstoffen der Hanfpflanze in einer Zellkultur zeigen. Darüber berichteten die Forscher jüngst in der Fachzeitschrift "Biochemical Pharmacology". Demnach können sogenannte Cannabinoide die Zerstörung der Tumorzellen anregen, indem sie ein Protein namens ICAM-1 auf der Oberfläche von Krebszellen bilden.

"Blow the cell" statt "Blow your mind"

Nach Angaben von Burkhard Hinz, Direktor des Instituts für Toxikologie und Pharmakologie an der Uniklinik Rostock, ermöglicht ICAM-1 wiederum die Bindung von Killerzellen des Immunsystems. Diese würden die Krebszellen schließlich zum Platzen bringen. Zudem hemmten Cannabinoide über ICAM-1 und einen nachgeschalteten Signalweg die Fähigkeit von Zellen zur Bildung von Blutgefäßen, die das Tumorwachstum begünstigen. Es handle sich jedoch lediglich um Ergebnisse der Grundlagenforschung, betonte Hinz: "Wir sind noch weit davon entfernt, das in die klinische Therapie umzusetzen." Die Befunde seien jedoch ein weiteres Indiz dafür, dass Cannabinoide vielfältige potenziell therapeutisch nutzbare Wirkungen vermittelten.

Den therapeutischen Segnungen des Rauschmittels auf der Spur

Die Rostocker Wissenschaftler sind beileibe nicht die einzigen, die sich für die therapeutische Wirkung des Rauschmittels interessieren. Mit dem Thema befassen sich etliche Arbeitsgruppen rund um den Globus. So wird Tetrahydrocannabinol (THC), ein Wirkstoff der Hanfpflanze, schon seit längerem klinisch zur Milderung von Erbrechen und Übelkeit im Rahmen einer Zytostaktika-Therapie eingesetzt. Cannabidiol, ein anderer Cannabis-Inhaltsstoff, der die Psyche im Gegensatz zu Tetrahydrocannabinol nicht beeinträchtigt, ist für die Behandlung spastischer Symptome bei Patienten mit Multipler Sklerose zugelassen.

Metastasen bremsen

Schon seit rund 20 Jahren weiß man zudem, dass auch menschliche Zellen selbst Cannabinoide bilden können. "Ihnen wird unter anderem eine schmerzhemmende und appetitsteuernde Wirkung zugesprochen", sagte Hinz. Er und seine Mitstreiter konnten schon vor Jahren nachweisen, dass Cannabinoide die Auswanderung von Tumorzellen in umliegendes Gewebe bremsen. Durch die Auswanderung der Zellen können Metastasen entstehen.

Weitere Informationen

So kann Cannabis als Medizin helfen

Tausende Schmerzpatienten in Deutschland nutzen Cannabis - nicht als Droge, sondern als Medizin. Allerdings übernehmen die Krankenkassen die Kosten fast nie. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.12.2014 | 10:00 Uhr