Stand: 28.09.2015 10:23 Uhr  | Archiv

Gute Erfolge bei minimalinvasiver Darmkrebs-OP

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Im Frühstadium ist Darmkrebs fast immer heilbar, er wird aber meist erst spät erkannt. Dann ist eine Heilung nur mit Operation möglich.

Darmkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung. Rund 27.000 Betroffene pro Jahr sterben allein in Deutschland an einem bösartigen Darmtumor. Dabei ist Darmkrebs im Frühstadium fast immer heilbar, doch weil er keine Schmerzen und kaum andere Symptome verursacht, wird er oft erst spät erkannt und die Sterberate ist hoch. Vorsorge ist wichtig, denn erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium der Krankheit treten Beschwerden wie Verstopfungen, Darmkrämpfe sowie Blut oder Schleim im Stuhl auf. Ohne Operation ist dann keine Heilung möglich.

Besonders eine Darmkrebs-Operation nahe am Darmausgang ist heikel: Einerseits müssen die Chirurgen den Tumor vollständig entfernen, gleichzeitig sollen sie wichtige Strukturen schonen, damit Schließmuskel, Blasen- und Sexualfunktion erhalten bleiben. Doch anstelle einer großen, offenen OP, nach der man wochenlang braucht, um wieder auf die Beine zu kommen, lässt sich der Eingriff - selbst im Enddarm - auch minimalinvasiv (laparoskopisch) durchführen.

Patienten nach minimalinvasivem Eingriff schneller wieder fit

Bei diesem auch als Schlüsselloch-Chirurgie bezeichneten Verfahren wird durch kleine Schnitte und dünne Röhren operiert - ohne große Narben. Bislang war diese Methode bei Enddarm-Krebs noch umstritten. Jetzt belegt eine große Studie: Die Krebsentfernung mit minimalinvasiver Operationtechnik gelingt mindestens genauso vollständig und sicher wie mit einer großen, offenen Operation. Der Chirurg muss allerdings über viel Erfahrung verfügen, denn der minimalinvasive Eingriff ist schwieriger und dauert etwas länger, weil die Ärzte mit langen, winzigen Instrumenten und einer Minikamera durch die kleinen Öffnungen arbeiten. Aber die Patienten sind nach dem Eingriff schneller wieder fit, weil keine große Wunde verheilen muss - und sie haben weniger Schmerzen.

Ob ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter) gelegt werden muss, hängt von der Lage des Tumors ab. Sitzt der Krebs nah am Schließmuskel, ist oft ein künstlicher Darmausgang nötig, damit der Enddarm in Ruhe verheilen kann. Dazu ziehen die Chirurgen eine Dünndarmschlinge durch einen kleinen Bauchschnitt nach außen, öffnen sie und vernähen die Ränder mit der Haut. Über diesen künstlichen Ausgang entleert sich von nun an der Darminhalt in einen aufgeklebten Beutel, der sich leicht hygienisch wechseln lässt.

Für die Patienten ist das anfangs zwar belastend, sie gewöhnen sich aber in der Regel schnell daran und können dann wieder aktiv am Leben teilnehmen. In vielen Fällen kann der Darmausgang nach der Heilungsphase auch zurückverlegt werden, so dass die Stuhlentleerung wieder auf natürlichem Wege möglich ist. Im Gegensatz zu früher, als jeder zweite Anus praeter dauerhaft verblieb, ist das heute nur noch bei 15 Prozent der Patienten der Fall.

Vorsorge wichtig

Im Laufe der vergangenen 20 Jahre haben medikamentöse Therapien, Bestrahlungen und Operationen die Heilungschancen bei Darmkrebs zwar massiv verbessert und viel mehr Menschen überleben die Erkrankung - doch Vorsorge ist besser. Bei einer Darmspiegelung lassen sich Polypen erkennen, aus denen Darmkrebs entstehen kann - und in den meisten Fällen noch während der Spiegelung per Endoskop entfernen.

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Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Christian Müller
Chefarzt Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie
Katholisches Marienkrankenhaus
Alfredstraße 9
22087 Hamburg
Tel. (040) 25 46 14 02
Fax (040) 25 46 14 05
Internet: www.marienkrankenhaus.org/chirurgie

Im Beitrag:
Prof. Dr. Benno Stinner
Leiter Darmzentrum Elbe-Weser
Elbe-Klinikum Stade
Bremervörder Straße 111
21682 Stade
Tel. (04141) 97 12 22
Fax (04141) 97 12 02
Internet: www.darmzentrum-elbe-weser.de

Dr. Tobias Loerbroks
Anästhesist
Abteilung Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und  Schmerztherapie
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1
22763 Hamburg
Tel. (040) 18 18 81 17 81
Internet: www.asklepios.de/hamburg/altona

Prof. Dr. Wolfgang Schwenk
Asklepios Klinik Altona
Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie
Paul-Ehrlich-Straße 1
22763 Hamburg
Internet: www.asklepios.de/hamburg/altona

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Visite | 29.09.2015 | 20:15 Uhr

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