Stand: 14.03.2017 13:39 Uhr

Magenkeim: Atemtest statt Spiegelung?

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Beim Verdacht auf Helicobacter ist eine Magenspiegelung in der Regel nicht mehr nötig.

Weltweit ist die Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori neben Karies eine der häufigsten chronischen Infektionen. In Deutschland sind etwa 33 Millionen Menschen mit Helicobacter pylori infiziert. In Entwicklungsländern mit niedrigeren hygienischen Standards liegen die Infektionsraten deutlich höher. Standard für die Diagnose ist bisher eine Magenspiegelung mit Entnahme einer Gewebeprobe aus der Magenschleimhaut. Doch ein einfacher Atemtest kann das Bakterium ebenso zuverlässig nachweisen.

Pust-Test.

Magenkeim: Atemtest statt Spiegelung?

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Für die Diagnose des Magenkeims Helicobacter war bisher eine Magenspiegelung nötig. Doch ein einfacher Atemtest kann das Bakterium ebenso zuverlässig nachweisen.

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Infektion mit Helicobacter pylori

Die Übertragung des Helicobacter erfolgt von Mensch zu Mensch. In den meisten Fällen wird die Infektion schon im Kindesalter innerhalb der Familie erworben. Etwa fünf Prozent der Kinder und 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind mit dem Bakterium infiziert. Das Bakterium besiedelt den Magen. Mithilfe spezieller Haftstrukturen heften sich die Bakterien an die Zellen der Magenschleimhaut. Um sich vor Magensäure zu schützen, können die Keime mit einem bestimmten Enzyms den pH-Wert in ihrer unmittelbaren Umgebung anheben. In den meisten Fällen verläuft die Infektion ohne Beschwerden. Nur bei etwa einem Fünftel der Betroffenen führt sie zu einer Erkrankung:

  • Entzündung der Magenschleimhaut: Diese kann die Folge von schädigenden Stoffen sein, die das Bakterium produziert. Eine Magenschleimhautentzündung äußert sich durch Schmerzen oder Druck im Oberbauch, die während oder nach einer Mahlzeit kurzzeitig nachlassen sowie ein ständiges Völlegefühl, Appetitlosigkeit oder Übelkeit.
  • Geschwüre im Magen oder Zwölffingerdarm: Etwa drei Viertel alle Magengeschwüre (Ulcus ventriculi) und nahezu alle Zwölffingerdarmgeschwüre (Ulcus duodeni) sind auf eine Infektion mit dem Helicobacter pylori zurückzuführen.
  • Magenkrebs: Die Besiedlung mit dem Helicobacter pylori ist ein Risikofaktor für die Entstehung dieser Krebsart.

Menschen, die den Keim in sich tragen, haben offenbar ein geringeres Risiko, an Asthma, Reflux oder Speiseröhrenkrebs zu erkranken.

Magenspiegelung und Atemtest

Die Magenspiegelung ist der Goldstandard für die Diagnose. Doch auch ein Atemtest kann das Bakterium ebenso zuverlässig nachweisen. Manche Experten empfehlen ihn deshalb als Vorsorgeuntersuchung für jüngere Menschen ohne Beschwerden, in deren Familie aber bereits Magenkrebs aufgetreten ist.

  • Beim Atemtest wird Harnstoff mit dem Kohlenstoff-Isotop 13C markiert und in Fruchtsaft aufgelöst und getrunken. Vorher und 30 Minuten danach wird der Kohlendioxidgehalt der Ausatemluft gemessen. Harnstoff kann im Magen nur verdaut werden, wenn dieser mit Helicobacter pylori besiedelt ist. Das Ergebnis der Analyse liegt nach wenigen Tagen vor. Als Vorsorgeuntersuchung wird der Atemtest nicht von den Kassen bezahlt. Die Kosten von circa 15 bis 20 Euro müssen selbst getragen werden.
  • Bei der Magenspiegelung hat der Untersucher die Möglichkeit, krankhafte Veränderungen direkt zu beurteilen. Mit einem sogenannten Urease-Schnelltest kann über den Nachweis des Enzyms Urease indirekt auf das Vorliegen des Bakteriums geschlossen werden. Außerdem lassen sich die Bakterien durch die mikroskopische Untersuchung einer Gewebeprobe oder die kulturelle Anzüchtung im Labor nachweisen.

Helicobacter pylori behandeln

Ob ein nachgewiesener Helicobacter pylori mit einer sogenannten Eradikationstherapie behandelt werden muss, hängt nach den Empfehlungen der ärztlichen Fachgesellschaften von mehreren Faktoren ab:

  • Die Therapie ist optional bei Betroffenen mit Oberbauchbeschwerden wie vermehrtem Aufstoßen, Völlegefühl, Sodbrennen oder Übelkeit sowie bei einer asymptomatischen Magenschleimhautentzündung und zur Magenkrebs-Prrophylaxe bei Risikopatienten.
  • Bei Betroffenen mit Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren ist eine Eradikationstherapie unumgänglich.

So läuft die Eradikationstherapie ab

Die Eradikationstherapie zur Behandlung des Helicobacter pylori besteht aus der Kombination eines Magensäureblockers (Protonenpumpenhemmer) und zweier Antibiotika. Der erste Therapieversuch erfolgt empirisch, das heißt, aus der Erfahrung heraus und ohne vorherige Bestimmung der Empfindlichkeit des Keims gegenüber bestimmten Antibiotika. In der Regel handelt es sich um eine siebentägige Kombinationstherapie ("Triple-Therapie") aus dem Säureblocker Pantoprazol und den Antibiotika Clarithromycin, Metronidazol oder Amoxicillin.

Weitere Informationen

"Helicobacter wird im Kleinkindalter übertragen"

Wie wird Helicobacter pylori behandelt? Kann der Keim nach einer erfolgreichen Behandlung wieder auftreten? Diese und weitere Fragen hat Dr. Ulrich Rosien im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. med. habil. Dr. h.c. Peter Malfertheiner
emeritierter Direktor der Universitätsklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie
Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Prof. Dr. Wolfgang Fischbach
Chefarzt der Medizinischen Klinik II, Gastroenterologie, Onkologie
Klinikum Aschaffenburg-Alzenau
Schloßhof 1, 63755 Alzenau- Wasserlos
Tel. (06021) 32 3011
Internet: https://www.klinikum-ab-alz.de
E-Mail: med2-aschaffenburg@t-online.de

Dr. Andreas Klose, Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie - Proktologie
Gastropraxis Jever
Prinzenallee 10, 26441 Jever
Tel.  (04461) 73377, Fax. (04461) 73429
Internet: www.gastro-praxis.de

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Visite | 14.03.2017 | 20:15 Uhr

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