Stand: 10.08.2015 16:30 Uhr  | Archiv

Machen Klimaanlagen krank?

von Annette Schmaltz

Für die einen ist ihr kühler Hauch ein Segen, die anderen würden am liebsten jeden Lüftungsschacht zustopfen: An Klimaanlagen scheiden sich die Geister. Entkommen kann ihnen längst niemand mehr. Rund 40.000 Quadratmeter Bürofläche in Deutschland sind klimatisiert, fast 90 Prozent aller in Deutschland zugelassenen Autos ebenfalls. Krankenhäuser, Einkaufszentren und Flugzeuge sind komplett künstlich belüftet.

Dicke Luft im Büro

Selbst wenn Studien zeigen, dass die klimatisierte Luft aus einer gut gewarteten Anlage messbar frischer und schadstoffärmer ist, klagen viele Menschen über die Zwangsklimatisierung. Der Krankenstand in klimatisierten Büros ist laut einer Studie des International Journal of Epidemiology (2004) sogar 40 Prozent höher als in naturbelassener Luft. Daran ist allerdings nicht ausschließlich die Klimaanlage schuld. Auch sprichwörtlich "dicke Luft", das heißt ein schlechtes Arbeitsklima, kann krankmachen. Diffuse Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schleimhautreizungen werden unter dem Oberbegriff "Sick-Building-Syndrom" zusammengefasst.

Risiko Klimaanlage

Falsch eingestellte Klimaanlagen sind aber tatsächlich auch ein gesundheitliches Risiko. Zum einen ist die kalte Luft trockener, weil sie weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann als warme Luft. Deshalb trocknen die Schleimhäute leichter aus und werden zum Einfallstor für Viren und Bakterien. Zum andern belastet ein zu großer Temperaturunterschied den Kreislauf. Bei 18 bis 23 Grad und 35 bis 65 Prozent Luftfeuchtigkeit fühlen sich Menschen besonders wohl. Um die Gesundheit zu schonen, sollte der Unterschied zur Außentemperatur maximal sechs bis acht Grad betragen.

Klimaanlage als Keimschleuder

Das Umweltbundesamt schätzt, dass jede zweite Klimaanlage in Deutschland aus Kostengründen nicht ausreichend gewartet wird. So werden die Anlagen zu echten Keimschleudern. Im Innern ist es ständig feucht, weil sich im Zusammenspiel von Wärme und Kälte Kondenswasser bildet. Über die Außenluftansaugung wird außerdem allerhand Staub, Schmutz, Pollen und Schimmelporen in die Anlage gesaugt. So entsteht ein idealer Nährboden für Keime. Allergien, Atemnot, Asthma und schwere Infektionen können die Folgen sein. Zum Jahreswechsel 2009/2010 starben in Neu-Ulm fünf Menschen durch eine mit Legionellen verseuchte Abluftwolke aus einer unzureichend gewarteten Klimaanlage.

Regelmäßige Wartung ist entscheidend

Auf der anderen Seite sorgen Klimaanlagen gerade bei Sommerhitze für einen kühlen Kopf und eine messbar bessere Konzentration. Wer darauf achtet, sie nicht zu kalt einzustellen und zum Beispiel im Auto mindestens alle zwei Jahre von einem Fachmann reinigen und den Filter austauschen zu lassen, der muss auch nicht um seine Gesundheit fürchten. In  Reisebussen oder Flugzeugen, in denen man der Klimatisierung nicht entkommen kann, droht Erkältung. Da hilft leider nur eins: warme Socken mitnehmen.

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