Stand: 13.11.2017 14:52 Uhr

Lockere Kniescheibe richtig behandeln

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Eine Bandage kann die Kniescheibe unterstützen.

Die Kniescheibe (Patella) ist ein flacher, beweglicher Knochen, der wie eine Scheibe auf dem Kniegelenk liegt. Sie schützt das Kniegelenk und verstärkt die Kraft des Oberschenkelmuskels. Wenn wir das Knie bewegen, gleitet die Kniescheibe über dem Oberschenkelknochen in einer Art Rinne (Trochlea) nach oben und unten. Läuft die Kniescheibe nicht rund, drückt sie immer wieder vor allem außen gegen ihre Rinne. Im Extremfall kann sie sogar aus der Rinne herausspringen, es kommt zu einer sogenannten Patellaluxation. Verantwortlich dafür kann eine Verformung der Trochlea oder auch der Kniescheibe an ihrer Unterseite sein, die das reibungslose Gleiten verhindert. Meist bringen aber schlecht arbeitende Muskeln und Sehnen die Kniescheibe aus ihrer Bahn. Eine Patellaluxation kann in jedem Alter auftreten.

Ein Arzt behandelt das Knie einer Patientin.

Lockere Kniescheibe richtig behandeln

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Eine instabile Kniescheibe kann zu Haltungsschäden und Arthrose führen. Oft sind schlecht arbeitende Muskeln und Sehnen die Ursache. Welche Therapie der Patella ist sinnvoll?

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Symptome und Ursachen der Patellaluxation

Für Betroffene fühlt sich eine instabile Kniescheibe "wie Pudding" an. Viele klagen über Schmerzen im vorderen Knie. Die Betroffenen haben ständig Angst, plötzlich wegzusacken. Mitunter rutscht die Kniescheibe seitlich aus der Rinne heraus. Das Problem hat möglicherweise seinen Ursprung in der Kindheit. Bei einem großen Wachstumsschub kann es sein, dass das Knie in der Entwicklung nicht mitkommt.

Häufige Ursachen für einen falschen Zug der Muskeln sind Fehlstellungen wie X-Beine, ein Kniescheibenhochstand oder Bänderschäden. Dabei drückt die Kniescheibe ständig gegen ihre Rinne, in der sie eigentlich sanft gleiten sollte. Ein Verschleißprozess setzt ein, die Knorpelschicht der Rinne wird zerstört und eine Arthrose entsteht.

Eine Patellaluxation im fortgeschrittenen Alter kann auf eine Verrenkung, Entzündung, Muskelerkrankung oder Überlastung durch Leistungssport mit häufigen Drehbewegungen zurückzuführen sein.

Orthopäde stellt Diagnose per Handgriff

Oft ist bereits von außen eine Verformung des Knies erkennbar. Die Kniescheibe erscheint nach außen verschoben, die Betroffenen halten das Knie gebeugt in Schonhaltung. In der Regel ist die Beweglichkeit des Kniegelenks eingeschränkt. Ein Gelenkerguss führt zu Druckempfindlichkeit. Bei Heranwachsenden ist es wichtig, harmlose Probleme in der Wachstumsphase von folgenschweren Instabilitäten abzugrenzen. Durch verschiedene Handgriffe und spezielle Bewegungen des Knies kann der Orthopäde eine Instabilität diagnostizieren. Röntgenaufnahmen oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) können die Diagnose vervollständigen und Schädigungen sichtbar machen. Sind bereits Knorpel oder Knochen in Mitleidenschaft gezogen, kann eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) sinnvoll sein.

Behandlung: Manuelle Therapie, Training und Operation

Ein instabiles, "springendes" Knie muss behandelt werden. Denn auf Dauer zerstört eine Kniescheibe, die ständig an der Seite gegen die Wand der Rinne läuft, das Gelenk.

  • Ein gezieltes Aufbautraining der Muskeln am Knie kann die Kniescheibe in die richtige Bahn ziehen und so den vorzeitigen Verschleiß des Gelenks stoppen.

  • Zusätzlich kann eine manuelle Therapie der Patella und dem Gelenk mehr Platz verschaffen. Das entspannt und lindert die Schmerzen. Insgesamt hat die Kräftigung vor allem das Ziel, eine Schädigung der Knorpelschicht im Knie zu verhindern und so eine Arthrose und möglicherweise einen operativen Eingriff hinauszuzögern.

  • Kommt die Physiotherapie an ihre Grenzen, gibt es verschiedene Ansätze, das Knie durch eine Operation zu stabilisieren. So lassen sich die Muskeln so versetzen, dass die Patella besser zentriert wird, oder der Operateur raspelt die Kniescheiben in eine Form, die besser in der Rinne laufen kann. Ein anderer Ansatz ist die Teilprothese: Dabei werden nur die Kniescheibe und die Rinne durch eine Prothese ersetzt.

Übungen unter Anleitung

Vor allem bei jungen Erkrankten ist die Nachbehandlung wichtig, um chronische Prozesse aufzuhalten. Denn diese können auf Dauer zu anhaltenden Schmerzen führen und das Knie zerstören. Körperliche Bewegung ist der wichtigste Bestandteil der Behandlung, muss aber dem akuten Zustand des Knies angepasst sein. Die ersten Übungseinheiten sollten deshalb von einem Physiotherapeuten begleitet und überwacht werden.

Für die schonende Rückkehr in den Sport eignen sich vor allem Radfahren, Schwimmen und Muskelaufbautraining. Zu Beginn kann es sinnvoll sein, mit einer Kniebandage zu trainieren. Viele Ausdauersportarten sind geeignet, das Knie wieder belastbarer zu machen.

Interviewpartner

Prof. Dr. Henning Windhagen, Direktor
Orthopädische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover
DIAKOVERE Annastift gGmbH
Anna-von-Borries-Straße 1-7, 30625 Hannover
Tel. (0511) 53 54-340, Fax (0511) 53 54-682
Internet: www.diakovere.de

Aida Turpin Weiler, Physiotherapeutin und Gymnastiklehrerin
Die Praxis Herrenhausen, Inh. Stephan Franke
Münterstraße 6, 30419 Hannover
Tel. (0511) 97 93 99 91
Internet: www.diepraxis-hannover.de

Prof. Dr. Oliver Dierk, Sportorthopäde und Chirurg
Orthopädie-Zentrum Hamburg
Poststraße 2-4, 20354 Hamburg
Tel. (040) 35 10 55-0, Fax (040) 35 10 55-77
Internet: orthopaediezentrumhamburg.de

Weitere Informationen:
Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V.
Straße des 17. Juni 106-108, 10623 Berlin
Internet: www.orthinform.de

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