Stand: 25.10.2016 17:33 Uhr

Lichttherapie gegen Winterdepression

Mit der Zeitumstellung im Herbst wird es schon ab etwa fünf Uhr nachmittags dunkel. Der Lichtmangel schlägt vielen Menschen aufs Gemüt: Sie leiden unter Antriebslosigkeit, erhöhtem Schlafbedürfnis und Heißhunger bis hin zu einer Depression. Eine Lichttherapie und Bewegung im Freien können helfen.

Sonnenstrahlen dringen durch eine Wolke

Lichttherapie gegen Winterdepression

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Dunkelheit kann krank machen: Im Herbst und Winter leiden viele Menschen an Infektionen und Müdigkeit. Eine Lichttherapie und Bewegung im Freien können helfen.

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Krank durch Dunkelheit

Durch den Beginn der dunklen Jahreszeit geraten die Zellen des Körpers aus dem Takt. Sogar in feinen Zellstrukturen lassen sich Veränderungen nachweisen - ein Hinweis für Wissenschaftler, dass zwischen Dunkelheit und der Anfälligkeit für Infektionen ein Zusammenhang bestehen kann. Lichtmangel löst mehrere ungünstige Prozesse im Körper aus:

  • Es fehlt an Botenstoffen wie dem Glückshormon Serotonin.
  • Das Schlafhormon Melatonin wird vermehrt ausgeschüttet.
  • Ein Mangel an Vitamin D kann entstehen. (Ein Vitamin D-Präparat aus der Apotheke unterstützt das Immunsystem und wirkt dem Risiko eines schleichenden Stabilitätsverlustes der Knochen entgegen.)

Lichttherapie hilft bei Winterdepressionen

Gegen Winterdepressionen kann eine Lichttherapie helfen. Dabei nehmen die Augen Licht mit möglichst hohem Blauanteil auf - entweder bei einem Spaziergang oder mit einer Tageslichtlampe:

  • Professionelle Lichttherapiegeräte verwenden ein Tageslichtspektrum mit einer Stärke von mindestens 10.000 Lux und kosten 100 bis 200 Euro.
  • Bei einem Spaziergang an der frischen Luft beträgt die Lichtstärke selbst an trüben Wintertagen 2.500 Lux und liegt damit über den 500 bis 600 Lux in Innenräumen.

Lichttherapie richtig anwenden

Vor der Anschaffung einer Tageslichtlampe sollte man sich vom Augenarzt beraten lassen, denn bei einigen Augenerkrankungen ist Vorsicht geboten. In der Regel wird eine Behandlung am Morgen empfohlen. Die Anwendung sollte über eine Stunde erfolgen. Dazu setzt man sich mit offenen Augen und nicht weiter als einen Meter von der Lichtquelle entfernt vor die Lampe. Während der Therapie kann man arbeiten, lesen oder essen. Erste Verbesserungen der Symptome sind bereits wenige Tage nach Therapiebeginn spürbar. Erfahrungsgemäß hellt die Stimmung innerhalb von zwei Wochen auf. Die Wirksamkeit der Lichttherapie ist wissenschaftlich belegt.

Ursachen für die Winterdepression

Der menschliche Körper folgt einem biologischen Rhythmus. Vor allem der Schlaf-Wach-Rhythmus wird dabei über den Lichteinfall im Auge reguliert. Wenn weniger Licht ins Auge fällt, schüttet die Zirbeldrüse das schlaffördernde Hormon Melatonin aus. Da die Lichtintensität im Winter insgesamt geringer ist, wird nicht nur nachts, sondern auch tagsüber mehr Melatonin ausgeschüttet.

Bei Menschen mit einer Winterdepression sind zudem die Sehzellen im Auge weniger lichtempfänglich als bei anderen Menschen. Sehr wahrscheinlich ist auch das Glückshormon Serotonin an der Entstehung der Winterdepression beteiligt. Es wird für die Produktion von Melatonin benötigt. Die Folge: Der Serotonin-Spiegel im Blutspiegel sinkt. Auch das hat Einfluss auf die Stimmung. Diesen Mangel versucht das Gehirn durch eine gesteigerte Lust auf Süßes auszugleichen. Zucker und Nahrungsmittel wie Schokolade liefern den Gehirnzellen wieder mehr Serotonin.

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Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag
Henrik Oster, Gruppenleiter Chronophysiologie
Arbeitsgruppe Chronophysiologie
Universität zu Lübeck
Ratzeburger Allee 160, 23562 Lübeck
Tel. (0451) 3101 7836, Fax. (0451) 3101 7845
E-Mail: henrik.oster@uni-luebeck.de
Internet: www.chronophysiologie.uni-luebeck.de

Weitere Informationen
Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz
Info Gesundheit e.V.
Heilsbachstr. 32, 53123 Bonn
Tel. (0228) 9379950, Fax. (0228) 3679390
E-Mail: info@bgv-info-gesundheit.de
Internet: www.bgv-depression.de

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Visite | 25.10.2016 | 20:15 Uhr