Stand: 22.09.2015 14:12 Uhr

Leistenbruch: Operation immer nötig

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Lebensgefährlich kann ein Leistenbruch werden, wenn der Darm in der Bruchlücke eingeklemmt wird.

Leistenbruch-Operationen gehören zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen in Deutschland. Männer sind wesentlich häufiger betroffen als Frauen: Etwa 80 Prozent der Brüche treten bei Männern auf. Bei einem Leistenbruch, auch Leistenhernie oder Inguinalhernie genannt, kommt es zu einer sackartigen Ausstülpung des Bauchfells im Bereich des Leistenkanals und dem Durchtritt von Eingeweiden durch die Lücke in der Bauchdecke.

Ein simuliertes Bild eines Leistenbruchs.

Leistenbruch: Wie man am besten behandelt

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Vor allem Männer erleiden einen Leistenbruch. Er kann gefährlich sein und lässt sich nur durch eine Operation erfolgreich behandeln. In der Regel wird dabei ein Netz eingesetzt.

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Wie kommt es zu einem Leistenbruch?

Prinzipiell werden angeborene Leistenbrüche von erworbenen Leistenbrüchen unterschieden. Bei einem angeborenen Leistenbruch besteht die Schwachstelle durch einen unvollständigen inneren Verschluss der Bauchwand während der Fötus-Entwicklung. Erworbene Brüche entstehen meist erst im höheren Alter. Verschiedene Ursachen können dann verantwortlich sein: Vorangegangene Bauchoperation können zu Vernarbungen führen und die Bauchdecke schwächen. Auch eine angeborene Bindegewebsschwäche kann zu einer Schwachstelle führen. Schwangerschaften oder Übergewicht können das Auftreten eines Leistenbruchs ebenfalls begünstigen. Plötzliche Druckerhöhungen im Bauchraum, zum Beispiel durch Husten, Niesen, Pressen, Erbrechen oder Heben schwerer Lasten können schließlich dazu führen, dass ein Bruch entsteht.

Gefahr für den Darm

Ein Leistenbruch macht sich typischerweise durch eine sichtbare und gut zu tastende Vorwölbung beziehungsweise Schwellung im Bereich der Leiste bemerkbar. Zudem können auch ein Druckgefühl und leichte, ziehende Schmerzen in der Leistenregion auftreten. Bei Männern können sie bis in den Hodensack, bei Frauen bis in die Schamlippen ausstrahlen. In vielen Fällen haben Betroffene aber auch gar keine Beschwerden. Lebensgefährlich kann ein Leistenbruch werden, wenn der Darm in die Bruchlücke rutscht und dort eingeklemmt wird.

Wie wird behandelt?

Da sich ein Leistenbruch nicht von selbst zurückbildet, sollte er stets operativ behandelt werden. Dabei wird der Bruchinhalt in den Bauchraum zurückverlagert, die Bruchpforte in der Bauchdecke verschlossen und das Gewebe stabilisiert. Bei Erwachsenen sollten Leistenbrüche immer mit einem Kunststoffnetz stabilisiert werden, da das Wiederholungsrisiko bei einem reinen Nahtverschluss zu hoch ist. Eine Ausnahme stellen sehr junge Patienten mit kleinen Brüchen und gutem Bindegewebe dar. Bei ihnen kann auf eine Netzimplantation oft verzichtet werden.

Videos
04:33 min

Leistenbruch - Experteninterview

22.09.2015 20:15 Uhr
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Ist das Gewebe nach einer Operation wieder voll belastbar? Dr. Wolfgang Reinpold im Interview mit Moderatorin Vera Cordes. Video (04:33 min)

Bei der Operation handelt es sich um einen Routineeingriff und er wird heute meist minimalinvasiv mit einem Endoskop durchgeführt. Es gilt aber immer abzuklären, ob unter bestimmten Bedingungen - wenn der Patient zum Beispiel Blutverdünner nimmt - eine offene Operation nicht günstiger ist. Dabei legt der Chirurg den Leistenbruch durch einen Schnitt in der Leistenregion frei, öffnet den Bruchsack und schiebt den Inhalt zurück an seinen Platz in der Bauchhöhle.

Beim minimalinvasiven Eingriff schiebt der Chirurg über drei kleine Schnitte seine Instrumente und eine Kamera unter die Bauchdecke. Um dem Operateur eine Übersicht im Bauchraum zu ermöglichen, muss der Bauch mit Kohlenstoffdioxid gefüllt und aufgebläht werden. Mit seinen Instrumenten zieht der Operateur den Darm und die anderen Bruchinhalte zurück an ihren Platz und verschließt die Bruchlücke. Die Vorteile des Verfahrens liegen in einem geringen postoperativen Schmerz und einer schnelleren körperlichen Belastbarkeit.

Interviewpartner

Im Beitrag und Studio:
Dr. Wolfgang Reinpold
Chefarzt Chirurgie und Hernienzentrum
Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand
Groß-Sand 3
21107 Hamburg
Tel. (040) 75 20 52 25
Fax: (040) 75 20 53 57
E-Mail: w.reinpold@gross-sand.de
Internet: www.krankenhaus-gross-sand.de

Im Beitrag:
Dr. Cigdem Berger
Chirurgin
Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand
Abt. für Chirurgie und Hernienzentrum
Groß-Sand 3
21107 Hamburg
Internet: www.krankenhaus-gross-sand.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 22.09.2015 | 20:15 Uhr