Stand: 19.01.2015 09:25 Uhr

Kreuzschmerzen: Wenn es das ISG-Syndrom ist

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Langes Sitzen verstärkt die Beschwerden beim ISG-Syndrom.

Etwa jeder dritte Deutsche leidet an Rückenschmerzen. Dabei sind Schmerzen im Bereich des unteren Rückens besonders häufig. In vielen Fällen gehen die Schmerzen dann vom Iliosakralgelenk (ISG) aus. Das Iliosakralgelenk verbindet die Beckenschaufeln (Os ilium) mit dem unteren Teil der Wirbelsäule, dem Kreuzbein (Os sacrum).

Das Kreuz-Darmbein-Gelenk, wie das Iliosakralgelenk auch genannt wird, stellt die Verbindung zwischen den beiden Beinachsen und der Wirbelsäule her und hat damit in erster Linie eine stabilisierende Funktion. Daher kann sich das Gelenk auch nur wenig bewegen. Eine aktive Bewegung des Iliosakralgelenks ist nicht möglich. Das Gelenk wird durch den knöchernen Beckenring sowie zahlreiche Bandstrukturen stabilisiert.

Klassische Fehlbelastung: Tritt ins Leere

Fehlbelastungen und Fehlstellungen der Beine und der Wirbelsäule können zu Blockaden im Iliosakralgelenk führen. Typische Ursachen des ISG-Syndroms sind Verheben oder der klassische Tritt ins Leere beim Übersehen einer Treppenstufe. Die Folgen sind eine erhöhte Belastung der Bänder, die zu einer Bewegungseinschränkung (Blockade) des Gelenkes führt, und Verspannungen der stabilisierenden Muskulatur. Dies wirkt sich meist durch einseitige Rückenschmerzen aus. Während Bewegung und Wärmeanwendungen die Beschwerden lindern, werden sie durch langes Sitzen verstärkt. In vielen Fällen strahlen die Schmerzen in die Leiste oder das Gesäß aus.

Die Diagnose einer ISG-Blockade lässt sich anhand einer sorgfältigen Befragung der Betroffenen hinsichtlich der Beschwerden und auslösender Ereignisse sowie einer gründlichen körperlichen Untersuchung stellen. Neben sichtbaren Veränderungen im Haltungsmuster, wie zum Beispiel eine asymmetrische Beckenstellung, gibt es Funktionstests, mit denen die Beweglichkeit des Gelenkes untersucht werden kann.

Wann hilft die manuelle Therapie bei Schmerzen im Iliosakralgelenk ?

Mithilfe der manuellen Therapie lassen sich Blockaden lösen. Nach einer Mobilisation einer ISG-Blockade müssen die Betroffenen die stabilisierende Rumpf- und Rückenmuskulatur stärken um einer erneuten Blockade dauerhaft vorzubeugen.  

Insbesondere bei älteren Menschen werden Schmerzen im Iliosakralgelenk oft durch altersbedingte Verschleißerscheinungen (Arthrose) verursacht. Auch dann können manuelle Therapien die Schmerzen lindern. In besonders schlimmen Fällen können die Beschwerden durch das Spritzen eines lokalen Betäubungsmittels sowie Kortison oder Hyaluronsäure - zumindest für eine Weile - vermindert werden.

Weitere Informationen

"Therapie bei ISG-Syndrom muss multimodal sein"

Ist Osteopathie bei Schmerzen des Iliosakralgelenks sinnvoll? Welche Rolle spielt eine Beinlängendifferenz? Diese und weitere Fragen hat Dr. Kai Höfken im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner:

Im Studio:
Dr. Kai Höfken
Facharzt für Orthopädie
Orthopädie Mühlenkamp
Mühlenkamp 33a
22303 Hamburg
Tel. (040) 278 39 90
Fax: (040) 27 83 99 50
E-Mail: info@orthopaedie-hamburg.de
Internet: www.orthopaedie-hamburg.de

Im Beitrag:
Dr. Christoph J. Bäumer
Facharzt für Orthopädie und Spezielle Schmerztherapie, Akupunktur
Osteologie, Sportmedizin, Chirotherapie, Physikalische Therapie
Centrum für Orthopädie und Schmerztherapie Blankenese
Dockenhudener Straße 27, 22587 Hamburg
Tel. (040) 866 93 10
Fax: (040) 86 69 31 11
Internet: www.orthopaede-hamburg.de

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Visite | 20.01.2015 | 20:15 Uhr

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