Sendedatum: 29.04.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Gefahr fürs Augenlicht: Arteriitis temporalis

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Der Auslöser der Arteriitis temporalis ist bis heute nicht bekannt.

Quälende Kiefer- oder Kopfschmerzen können viele Ursachen haben. Dass auch rheumatische Erkrankungen dazu gehören, wird oft übersehen. Dabei kommt es gerade hier auf eine sehr schnelle Diagnose und Behandlung an, denn die Arteriitis temporalis, eine rheumatische Entzündung der Schläfenarterie, kann unbehandelt in kürzester Zeit zu einer Erblindung oder zum Schlaganfall führen.

Häufigste Gefäßentzündung bei älteren Menschen

Die auch als Riesenzell-Arteriitis oder Morbus Horton bezeichnete Krankheit gehört zu den rheumatischen Gefäßentzündungen (Vaskulitiden), tritt vor allem bei Frauen über 50 auf und ist die häufigste Gefäßentzündung bei älteren Menschen. Ursache ist eine Fehlfunktion des körpereigenen Immunsystems, das die Innenwände der Blutgefäße als fremd erkennt und angreift. In der Folge kommt es zu einer ebenso schmerzhaften wie gefährlichen chronischen Entzündung, Schwellung und Verengung der betroffenen Ader. Der Auslöser der Erkrankung ist bis heute nicht erkannt. Als Risikofaktoren gelten das Alter und Rauchen.

Die Veränderungen finden sich vorwiegend an den Schlagadern, die den Kopf und das Gesicht mit Blut versorgen. Aber auch die Hauptschlagader (Aorta) kann betroffen sein. Ist die Schläfenarterie betroffen, die unter anderem auch den Sehnerven mit Blut versorgt, leidet der Patient zu Beginn meist unter einseitigen Kopf- und Gesichtsschmerzen, die bis hinter die Ohren ausstrahlen. Auch Kaubeschwerden treten auf. Sie sind ein typisches Symptom, das durch eine Mangeldurchblutung entsteht. Dazu kommen häufig Müdigkeit und Muskelschmerzen.

Krankheit gut behandelbar

Wird die Krankheit rechtzeitig erkannt, ist sie gut behandelbar. Neben den Symptomen geben Labortests dem Arzt erste Hinweise auf die Erkrankung. Sind die Entzündungswerte deutlich erhöht, folgt eine Duplex-Sonographie - eine spezielle Ultraschalluntersuchung der verdächtigen Gefäße. Besteht ein hinreichender Verdacht, verabreicht der Arzt sofort hochdosierte Kortisonpräparate, um die Entzündung einzudämmen und die Gefäßwand zum Abschwellen zu bringen. Schlägt die Kortisontherapie an, lassen ganz allmählich auch die Beschwerden nach.

Nach einigen Wochen kann die Kortisondosis langsam verringert werden. Die zusätzliche Medikamentengabe mit dem Wirkstoff Methodextrat soll verhindern, dass das Immunsystem erneut das eigene Gewebe angreift. Damit die Erkrankung nicht wieder auftritt, müssen die Betroffenen regelmäßig zur ärztlichen Kontrolle.

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Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Birgit Gräfin von Schwerin
Fachärztin für Augenheilkunde, Naturheilverfahren
Große Bergstraße 219
22767 Hamburg
Tel. (040) 38 61 92 60

Dr. Keihan Ahmadi-Simab
Ärztlicher Direktor
Klinikum Stephansplatz
Stephansplatz 3
20354 Hamburg
Tel. (040) 32 08 83 10
Fax: (040) 320 88 31 30
E-Mail: info(at)klinikum-stephansplatz.de

Dr. Angela von Elling, Fachärztin für Innere Medizin, Rheumatologie und Nephrologie
Klinikum Stephansplatz
Stephansplatz 3
20354 Hamburg
Tel. (040) 32 08 83 10
Fax: (040) 320 88 31 30
E-Mail: elling(at)ks-hamburg.de

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