Stand: 14.08.2017 17:21 Uhr

Kneipp: Kaltes Wasser schützt vor Infekten

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Kneipp-Güsse machen den Körper fit gegen Infekte.

Einen kalten Wasserstrahl gleichmäßig über das Gesicht laufen lassen, beginnend von rechts über die Stirn nach links, und das mehrfach wiederholen: Der Bäderarzt und Pfarrer Sebastian Kneipp hat die Wassertherapie zur Stärkung des Immunsystems erfunden. Wissenschaftler der Universität Jena haben die Wirksamkeit in Studien eindeutig belegt: Die kalten Güsse nach Kneipp sind ein intensiver Reiz für den Körper und stärken so die Abwehrkräfte. Zur Abhärtung genügt es sogar, die Güsse an einzelnen Körperstellen durchzuführen.

Gesichtsdusche.

Kneipp: Kaltes Wasser schützt vor Infekten

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Pfarrer Kneipp hat die Wassertherapie zur Stärkung des Immunsystems erfunden. Studien zufolge genügt es schon, die Güsse an einzelnen Körperstellen durchzuführen.

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Immunglobulin A schützt vor Infekten

Mediziner der Essener Abteilung für Naturheilkunde haben bei zwei Probanden die Wassergüsse im Gesicht angewendet und deren Immunglobulin vom Typ A (IgA-Status) untersucht. Diese Abwehrkörper kommen im Speichel sowie in der Schleimhaut von Mund, Nase und Rachen vor. Dort sollen sie Eindringlinge abwehren - wie etwa die Erreger von Schnupfen, Husten und grippalen Infekten. Über Nase und Rachen gelangen die krank machenden Viren in unseren Körper und nisten sich in der Schleimhaut ein.

Die Schleimhautzellen schützen sich, indem sie sich wie Dachziegel übereinanderlegen. Die Schleimhaut enthält die Abwehrkörper IgA. Diese heften sich an die Viren und verhindern das Andocken an die Schleimhaut. Die Abwehrkörper locken zudem körpereigene Fresszellen an, die die Viren vernichten. Das funktioniert jedoch nur, wenn genügend Abwehrzellen vorhanden sind.

Wirksamkeit in Studie belegt

Die Probanden mussten Stirn und Wangen mit einem dicken, kalten Wasserstrahl langsam umspülen - nach der alten Kneipp-Regel dreimal hintereinander. Nach einer Woche mit Kneipp'schen Gesichtsgüssen morgens und abends sowie einer zusätzlichen Stimulation der Zungendurchblutung mit einer Zahnbürste wurde der IgA-Status der Probanden wieder gemessen. Das Ergebnis: Die IgA-Werte bei beiden Probanden sind gestiegen, sie hatten ganze 25 Prozent mehr Immunglobulin als ohne regelmäßigen Gesichtsguss.

Vorteil der Gesichtsgüsse: Da gegen virale Erreger keine Medikamente zu Verfügung stehen, ist eine starke Körperabwehr wichtig, um Infektionen im Nasen- und Rachenraum zu verhindern.

Starke Durchblutung verbessert die Abwehr

Was die Kneipp-Güssen so effektiv macht, ist ihre durchblutungssteigernde Wirkung, vermuten die Experten: Zuerst ziehen sich die Blutgefäße vom kalten Wasser zusammen, dann erweitern sie sich stark - viel mehr Blut strömt hindurch. Je besser Nase, Rachen und Mundschleimhaut durchblutet sind, desto mehr IgA- und Fresszellen werden dort gebildet.

Regelmäßige Güsse, aber nicht auskühlen

Damit die kalten Güsse wirken, müssen sie regelmäßig durchgeführt werden - mindestens dreimal pro Woche. Neben den Gesichtsgüssen kann man auch die klassischen Kneipp-Anwendungen selbst durchführen - zum Beispiel in einer Kneipp'schen Wassertretanlage. Die kalten Reize in Beinen oder an den Unterarmen fördern die Abwehrkräfte. Nur auskühlen sollte man dabei nicht, das würde den Organismus wieder schwächen. Drei bis maximal fünf Minuten pro Anwendung reichen.

Weitere Informationen

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Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Thomas Rampp
Leiter des Instituts für Naturheilkunde und Traditionelle Chinesische Medizin
Oberarzt Abteilung Naturheilkunde und Integrative Medizin
Kliniken Essen-Mitte
Knappschafts-Krankenhaus
Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Duisburg-Essen
Am Deimelsberg 34a, 45276 Essen
Internet: http://kliniken-essen-mitte.de

Prof. Dr. Dr. Claus Kroegel
Leiter des Fachbereichs Pneumologie & Allergologie/Immunologie
Klinik für Innere Medizin I
Universitätsklinikum Jena
Am Klinikum 1, 07747 Jena 
Tel. (03641) 932 41 31, Fax (03641) 932 41 32
Internet: www.kim1.uniklinikum-jena.de

Prof. Dr. Ulrich C. Smolenski
Direktor Institut für Physiotherapie
Universitätsklinikum Jena
Am Klinikum 1, 07747 Jena 
Tel. (03641) 932 52-01, Fax (03641) 932 52-02
Internet: www.physiotherapie.uniklinikum-jena.de

Drehort im Beitrag:
Kneipp-Verein Bad Bramstedt, Kaltenkirchen und Umgebung e. V.
Postfach 1305, 24561 Kaltenkirchen
Internet: www.kneippverein-bb.de
 
Weitere Informationen:
Kneipp-Bund e. V.
Adolf-Scholz-Allee 6-8, 86825 Bad Wörishofen
Internet: www.kneippbund.de

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Visite | 15.08.2017 | 20:15 Uhr

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