Stand: 29.03.2016 16:23 Uhr

Kinderkrankenpflege: Sorgen wegen Ausbildungsreform

Die Pläne der Bundesregierung, die Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger, Krankenpfleger und Altenpfleger zusammenzulegen, sorgen für Aufregung in der Pflegebranche. Die sogenannte generalisierte Ausbildung mit einheitlichem Berufsabschluss soll den Pflegeschülern mehr Perspektiven eröffnen und den Beruf attraktiver machen. Doch vor allem Kinderkrankenpfleger und Kinderkrankenschwestern sehen das Vorhaben kritisch.

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Kinderkrankenschwester Janine bei der Arbeit. Hier misst sie gerade beim zehnjährigen Jakob den Blutdruck.

"Zoe, wir müssen gleich einmal inhalieren." Die Kinderkrankenschwester Janine beugt sich zur zwei Jahre alten Zoe herunter. Vorsichtig drückt sie ihrer kleinen Patientin das Mundstück eines Inhalationsgerätes über den Mund und die Nase. "Das hast Du gut gemacht", hat sie danach ein Lob für Zoe parat. Janine arbeitet seit vier Jahren im Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg-Rahlstedt und identifiziert sich stark mit ihrem Beruf: "Ich hatte immer einen guten Draht zu Kindern. Mir macht das total viel Spaß, die Kinder geben einem auch total viel zurück."

"Pflegefachfrau" statt Kinderkrankenschwester

Die klassische Kinderkrankenschwester soll es künftig nicht mehr geben. Der Einstieg in den Beruf soll sich ändern. Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht vor, die Ausbildung der Kinderkrankenpflege zusammenzulegen mit der Ausbildung der Alten- und Krankenpfleger. Künftig soll es dann nur noch den Abschluss "Pflegefachfrau" oder "Pflegefachmann" geben.

Gröhe betont inhaltliche Überschneidungen

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Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hält die Reform der Pflegeausbildung für alternativlos.

Viele inhaltliche Gemeinsamkeiten zwischen Alten- und Krankenpflege legten diesen Schritt nahe, argumentierte jüngst Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) im Bundestag: "Da ist die Situation in unseren Krankenhäusern mit einer zunehmenden Zahl an demenziell Erkrankten. (...) Das erfordert auch altenpflegerisches Know-how. Da ist die Situation in den Pflegeeinrichtungen mit immer mehr mehrfach und chronisch Erkrankten. Das verlangt in der Altenpflege auch mehr und mehr auch krankenpflegerisches Know-how."

Schreckt Reform mögliche Bewerber ab?

Wer die  Ausbildung abschließt, soll - so das Ziel - künftig bessere Jobperspektiven haben, weil er zwischen den Pflegeberufen wechseln kann. Markus Balters, Pflegedirektor am Hamburger Wilhelmstift-Kinderkrankenhaus, glaubt aber nicht daran, dass Kinderkrankenpfleger an dieser Flexibilität überhaupt interessiert sind. Im Gegensatz zu anderen Pflegeberufen gebe es in der Kinderkrankenpflege auch keinen Mangel an Bewerbern: "Wir haben die Bewerber, die ausdrücklich mit dem Wunsch kommen: Ich möchte mit Kindern arbeiten. Und wenn das praktisch durch eine Ausbildungsreform verbaut wird, wenn man erst in einem Ausbildungsgang alles Mögliche lernt, dann, fürchte ich, schreckt das ab."

Fachleute fürchten Verlust spezifischer Kenntnisse

Bett auf einem Krankenhausflur © dpa / Picture Alliance

Kinderkrankenschwestern befürchten Nachteile

NDR Info

Die Bundesregierung plant, die Ausbildungen zum Kinderkrankenpfleger, Krankenpfleger und Altenpfleger zusammenzulegen. Kinderkrankenschwestern machen sich deshalb große Sorgen.

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Eine weitere Sorge lautet, dass die geplante generalisierte Ausbildung zu oberflächlich gerät. Während auf Gemeinsamkeiten bei Kranken- und Altenpflege verwiesen wird, könnten spezifische Inhalte der Kinderkrankenpflege verloren gehen, etwa der Umgang mit den Eltern und Kindern oder die Kenntnis der Entwicklungsstufen. "Wichtig ist, dass die Kinderkrankenschwester, der Kinderkrankenpfleger weiß, wie behandele ich ein Frühchen, wie behandele ich einen Achtjährigen. Das wird auf der Strecke bleiben, dadurch dass ich viele andere Teilbereiche kennenlernen muss", sagt Pflegedirektor Balters.

Werden aufwendige Nachschulungen nötig?

Zwar sollen Pflegeschüler innerhalb der dreijährigen Ausbildung einen Schwerpunkt bilden können, aber das reiche nicht aus, sagt Balters. Er befürchtet, dass Berufsanfänger in Zukunft lange und aufwendig nachgeschult werden müssen. Oder sie entscheiden sich ganz gegen die Ausbildung, hält Schwester Janine für möglich: "Ich glaube, ich hätte die Ausbildung in der Erwachsenenpflege oder auch in der Kombi nicht angefangen. Dann hätte ich versucht, was auszuwählen, wo ich halt mehr mit Kindern machen kann."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 30.03.2016 | 06:20 Uhr