Stand: 02.11.2015 09:38 Uhr

Kalte Füße - nicht immer harmlos

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Viele Frauen, aber auch Männer kennen das: Eisfüße am Abend.

Ständig kalte Füße sind lästig, aber meist harmlos - doch mitunter können ernste Erkrankungen dahinterstecken, zum Beispiel eine Nervenschädigung als Folge einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Treten neben den kalten Füßen Missempfindungen auf, wie das Gefühl, auf Watte zu laufen, kann das ein Hinweis auf Nervenstörungen sein, die die Kälte- und Wärmeregulation in den Füßen beeinträchtigen.

Eine Animation der Durchblutung.

Wann sind kalte Füße alarmierend?

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Viele Frauen, aber auch Männer kennen das: Eisfüße am Abend. Ohne Wollsocken oder Wärmflasche ist Einschlafen unmöglich. Aber woher kommt es, wenn die Füße ständig frieren?

Nerven steuern Blutfluss

Die Nerven steuern den Blutfluss und je weniger Blut in den Füßen ankommt, desto kälter werden diese und desto schlechter werden sie mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Schon kleine Wunden können dann zu einem großen Problem werden, zumal die Betroffenen diese wegen ihrer Nervenschädigung oft lange nicht bemerken und die Wundheilung durch die Mangelversorgung beeinträchtigt ist. Diabetiker müssen deshalb auf eine gute Einstellung ihrer Blutzuckerwerte achten und regelmäßig ihre Beine untersuchen lassen.

Mit der Großzehendruckmessung erkennen Gefäßspezialisten, wie viel Blut noch in die Füße gelangt. Gerade bei Diabetikern ist das sehr wichtig. Hat ein Patient Probleme mit den kleinsten Arterien, steht die optimale Einstellung des Diabetes im Vordergrund. Bei Gefäßverengungen oder -verschluss in größeren Arterien ist zusätzlich ein Kathetereingriff oder eine Operation möglich, um den Blutfluss wiederherzustellen.

Schaufensterkrankheit kann Ursache sein

Das gilt auch für die sogenannte Schaufensterkrankheit, die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Typisch sind dafür neben kalten Füßen belastungsabhängige Schmerzen, die immer nach einer bestimmten, immer kürzer werdenden Gehstrecke auftreten und beim Stehenbleiben langsam wieder nachlassen, wobei meist ein Bein stärker betroffen ist als das andere. Ursache ist eine zunehmende Verkalkung der Beingefäße, die zu einer Minderdurchblutung und schlimmstenfalls zu einer Amputation des betroffenen Beins führt. Besonders häufig sind starke Raucher betroffen, deshalb spricht man im Volksmund auch von einem Raucherbein. Bei einer speziellen Ultraschall-Untersuchung, dem Farbdoppler, können die Ärzte den Blutfluss in den Gefäßen sehen, hören und messen und so die Durchblutungsstörung optimal einschätzen.

Ist eine Beinarterie stark verengt oder verschlossen, reichen Medikamente zur Blutverdünnung nicht mehr aus. Sie muss per Ballon-Katheter aufgedehnt werden, damit das But wieder fließen kann. Damit sich die Arterie nicht gleich wieder zusetzt, setzen die Ärzte dabei oft eine Gefäßstütze (Stent) ein.

Mit Hausmitteln gegen kalte Füße

Finden die Ärzte keine Ursache für die kalten Füße, handelt es sich meist um eine harmlose funktionelle Störung, zum Beispiel niedrigen Blutdruck, eine hormonelle Umstellung oder kälteinduzierte Gefäßspasmen (primäres Raynaud-Syndrom). Das ist überwiegend bei Frauen der Fall, die deutlich häufiger an kalten Füßen leiden als Männer. In diesen Fällen helfen Hausmittel, die Füße warmzuhalten: dicke Hausschuhe und Socken, Decken, Körnerkissen, Wärmflaschen oder Heizdecken.

Was Diabetiker beachten müssen

Diabetiker und Patienten mit Taubheitsgefühlen sollten mit solchen Wärmequellen allerdings vorsichtig sein, denn sie haben kein intaktes Hitze- beziehungsweise Kälteempfinden mehr und können sich leicht verbrennen. Sie sollten besser auf sanfte Mittel zur Erwärmung der Füße zurückgreifen.

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Kalte Füße: Experteninterview

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Kann man selber feststellen, ob etwas Ernstes hinter den chronisch kalten Füssen steckt? Prof. Sigrid Nikol im Interview mit Moderatorin Vera Cordes. Video (06:11 min)

Dazu gehören zum Beispiel durchblutungsfördernde Wärmecremes mit den Wirkstoffen Capsaicin, Nonivamid, Nicoboxil, Methylnicotinat, Benzylnicotinat oder Methylsalicylat. Auch ätherische Öle aus Ackerminze, Angelikawurzel, Edeltanne, Estragon, Ingwer, Kampfer, Kiefer, Latschenkiefer, Lavendel, Lorbeer, Minze, Pampelmuse, Rosmarin, Thymian oder Wacholder fördern die Durchblutung, ebenso wie Einreibungen mit Franzbranntwein oder Pferdesalbe.

Auch über die Ernährung lässt sich einiges gegen kalte Füße ausrichten: Scharfe Speisen mit Chili, Knoblauch, Ingwer, Senf oder Tabasco bringen Hitze in den Körper und regen die Durchblutung an.

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Interviewpartner:

Im Studio:
Prof. Dr. Sigrid Nikol
Chefärztin
Klinische und Interventionelle Angiologie
Asklepios Klinik St. Georg
Lohmühlenstraße 5
20099 Hamburg
Tel. (040) 18 18 85 24 01
Fax (040) 18 18 85 39 80
Internet: www.asklepios.com/sanktgeorg

Im Beitrag:
Dr. Jürgen Wernecke
Chefarzt
Klinik für Diabetologie und Medizinisch-Geriatrische Klinik
Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg gGmbH
Hohe Weide 17
20259 Hamburg
Tel (040) 790 20 26 00
Fax (040) 790 20 27 09
Internet: www.d-k-h.de/Medizinisch-Geriatri.1087.0.html

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Visite | 03.11.2015 | 20:15 Uhr

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