Sendedatum: 11.12.2012 20:15 Uhr

Kälte - Gefahr für Herz, Lunge und Gefäße

Trockener Hals, Schmerzen in der Brust: Die eiskalte Winteridylle vor unserer Haustür birgt weit mehr gesundheitliche Gefahren als Erkältung und Grippe: Ein Herz-Kreislauf-Versagen tritt jetzt 20 bis 50 Mal häufiger auf als in der warmen Jahreszeit.

Wer aus der warmen Wohnung hinaus in die Kälte geht und sich bei Sport oder Schneeschippen überanstrengt, gefährdet sein Herz. Durch die plötzliche Kälte ziehen sich die Arterien zusammen - das Herz gerät unter Stress, Sauerstoff fehlt. Viele Patienten mit einem bereits vorgeschädigten Herzen zeigen erst bei extremer Kälte Symptome, wenn ihr Blut plötzlich nicht mehr so viel Sauerstoff liefert wie der Körper braucht, weil sich ihre Arterien wegen der Kälte noch weiter verengen und ihr Blutdruck ansteigt. Wird eine bereits verengte Arterie so komplett verschlossen, kommt es zum Herzinfarkt.

Erhöhtes Thromboserisiko

Wer in der Kälte Schmerzen, Druck oder Brennen im Brustkorb verspürt, sollte deshalb umgehend einen Arzt aufsuchen. Der Kältestress wirkt sich aber nicht nur auf das Herz aus, sondern auch auf andere Gefäße. So können Thrombosen, zum Beispiel im Bein, bei Kälte besonders gefährlich werden. Nicht selten führen Thrombosen bei niedrigen Temperaturen zu einem schnellen Tod, denn in der Kälte verändert sich die Zusammensetzung des Blutes: Die Zahl der roten Blutkörperchen steigt, das Cholesterin und Fibrinogen im Blutplasma nehmen zu - alles Faktoren, die das Thromboserisiko erhöhen.

Belastungsasthma kann entstehen

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Die Lunge leidet unter Anstrengungen in der Kälte.

Auch die Lunge leidet unter Anstrengungen in der Kälte. Die kalte und trockene Atemluft ist Gift für das Bronchialsystem. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, aber auch wer fit und gesund erscheint, kann schnell chronisch krank werden, denn Sport bei arktischen Temperaturen hat seine Tücken. Je höher das Tempo, desto größer ist die Luftmenge, die eingeatmet wird. Wer durch den Mund atmet, läuft Gefahr, seine Bronchien auszukühlen oder sie chronisch zu entzünden und ein Belastungsasthma zu entwickeln.

Und das trifft nicht nur Freizeitsportler: In einer Studie wurden die schwedischen und norwegischen Ski-Nationalmannschaften untersucht - alle Sportler hatten ein Belastungsasthma entwickelt. Die hohe Belastung bei Kälte überfordert die Abwehrkräfte, denn je intensiver das Training ist, desto mehr Stresshormone werden produziert. Sie steigern die Leistung, senken aber auch die Zahl der Antikörper im Blut. Deshalb ist der Körper nach dem Training besonders anfällig für Infekte. Zwar sollte niemand im Winter grundsätzlich auf sportliche Aktivitäten verzichten, dennoch gilt es, bei Kälte nicht zu übertreiben.

Wärmeverlust über Kopf, Hände und Füße

Wichtig ist auch die richtige Kleidung: Am meisten Wärme verlieren wir über den Kopf, aber auch über Hände und Füße. Mütze und Handschuhe sind daher der effektivste Schutz vor Wärmeverlust. Zudem sollte man sich in der Kälte langsamer bewegen und gleichmäßig durch die Nase atmen. Wer auf Medikamente angewiesen ist, sollte bei der Kälte auf keinen Fall morgens aus dem Haus gehen, ohne vorher die Arzneimittel eingenommen zu haben.

So verlockend es auch sein mag: Der Versuch, sich mit Glühwein wieder aufzuwärmen, bewirkt tatsächlich das Gegenteil, denn der Alkohol weitet die Gefäße, der Körper verliert noch mehr Wärme und wir frieren umso mehr.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Martin Ehlers
Internist, Lungenfacharzt
Dorotheenstraße 174
22299 Hamburg
Tel. (040) 48 79 60
Fax (040) 48 96 65

Dr. Frank Mibach
Kardiologe
Kardiologische Praxis im Gesundheitszentrum Klosterforst
Beethovenstraße 6
25524 Itzehoe
Tel. (04821) 15 60 15
Fax (04821) 15 60 19

Autorin des Fernsehbeitrags:
Madlen Zeller

Dieses Thema im Programm:

Visite | 11.12.2012 | 20:15 Uhr