Stand: 17.02.2015 14:44 Uhr  | Archiv

Implantate beschichten gegen Infektionen

Die Implantation von Gelenk- und Zahnprothesen, Herzschrittmachern und künstlichen Herzklappen ist aus dem medizinischen Alltag nicht mehr wegzudenken. Eine gefürchtete Komplikation ist dabei die sogenannte Implantat-assoziierte Infektion: Die Besiedelung des Implantates mit Bakterien führt zu einer Entzündungsreaktion, die zu einer Zerstörung des umgebenden Gewebes führt und letztendlich auch zum Funktionsverlust des Implantates.

Nicht selten muss nach einer Infektion das Implantat ausgewechselt werden. Das wiederum verursacht zum einen hohe Kosten und zum anderen eine große Belastung für den Patienten. Daher arbeiten Wissenschaftler und Ärzte an der Entwicklung neuer Implantatoberflächen, um das Risiko derartiger Infektionen zu reduzieren. Ziel ist es, Oberflächen zu entwickeln, die Bakterien abwehren, aber körpereigene Zellen schnell anwachsen lassen.

Drei verschiedene Strategien

Die Wissenschaftler verfolgen dazu drei verschiedene Strategien: Zum einen entwickeln sie Prothesen mit einer speziellen Oberflächenstruktur, die das Einwachsen von körpereigenen Zellen begünstigen, die Anlagerung von Bakterien dagegen erschweren. Auch der Einsatz von Kunststoff-Nanobeschichtungen scheint vielversprechend. Körpereigene Zellen können sich hier problemlos andocken, Bakterien aber nicht. Die dritte Strategie ist die Beschichtung von Implantaten mit Silbernanopartikeln: Diese setzen Silberionen frei, die die Bakterien zerstören.

Antibiotika kontrovers diskutiert

Es hat sich gezeigt, dass Bakterien so über einen Zeitraum von mehreren Wochen vollständig in ihrem Wachstum behindert werden, ohne dass die menschlichen Zellen negativ beeinflusst werden. Die Beschichtung der Implantatoberflächen mit Antibiotika wird kontrovers diskutiert, da sie nur eine gewisse Zeit wirksam sind und die Entwicklung von Resistenzen fördern. Bis zur Zulassung der neuen Prothesen für den routinemäßigen klinischen Einsatz werden noch etwa fünf bis zehn Jahre vergehen.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. med. Henning Windhagen
Ärztlicher Direktor des Diakoniekrankenhaus Annastift
Orthopädische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover
Anna-von-Borries-Str. 1-7
30625 Hannover
Tel: (0511) 5354 0

Prof. Dr. Meike Stiesch
Direktorin der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde 
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Tel: (0511) 532 47 73
Fax: (0511) 532 47 90

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Visite | 17.02.2015 | 20:15 Uhr

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