Sendedatum: 15.02.2011 20:25 Uhr  | Archiv

Hohe Fehlerquote bei Hüft-Operationen

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Die häufigsten Komplikationen sind Wundinfektionen und Infektionen im Gelenk.

Behandlungsfehler bei Hüftoperationen sind keine Einzelfälle - bei immerhin zwölf Prozent aller Patienten kommt es zu Komplikationen, oft ist eine Nachoperation nötig.

Komplikation nach einer Hüft-OP. © NDR

Hüft-OP: Hohe Fehlerquote

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Das Einpflanzen eines künstlichen Gelenkes ist eine Operation, die viel Erfahrung des Operateurs erfordert. Wie kann die Gefahr einer Komplikation minimiert werden?

Das Einpflanzen eines künstlichen Gelenkes ist eine komplizierte Operation, die exakte Planung, viel Geschick und Erfahrung des Operateurs erfordert, damit der Patient anschließend beschwerdefrei mit seiner Prothese leben kann. Das bestätigt eine neue Krankenkassenstudie, die extreme Unterschiede bei Komplikationsraten der Krankenhäuser aufzeigt. Haben die Ärzte in der Klinik wenig Routine, weil sie die Operation selten durchführen, kann es bei bis zu 20 Prozent der Patienten zu Komplikationen kommen, die eine Nachbehandlung erfordern.

Für die Krankenkassen bedeutet das zusätzliche Kosten von rund 8.700 Euro bei einer Wechsel-Operation. Die häufigsten Komplikationen sind Wundinfektionen und Infektionen im Gelenk, Schmerzen durch schiefen Einbau und sogar Brüche des Knochens und der Prothese.

Knieoperation: Mindestfallzahl eingeführt

Bei Knieoperationen war die Situation ähnlich, bis vor fünf Jahren eine Mindestfallzahl für Knieoperationen eingeführt wurde. Seitdem dürfen Krankenhäuser Knieprothesen nur einsetzen, wenn sie mehr als 50 dieser Operationen pro Jahr durchführen. Seitdem spezialisierten sich Ärzte in kleineren Krankenhäusern stärker auf solche Operationen, viele führen nun hunderte Knieoperationen pro Jahr durch und die Komplikationsrate sank drastisch.

Mindestfallzahl auch für Hüftoperationen gefordert

Die Krankenkasse KKH-Allianz, die die Studie in Auftrag gegeben hatte, fordert nach den alarmierenden Ergebnissen nun die Einführung einer Mindestfallzahl auch für Hüftoperationen. Auch Mediziner unterstützen diese Forderung. Ein anderer Lösungsansatz ist die Einrichtung spezialisierter Fachzentren für orthopädische Eingriffe, wie es sie zum Beispiel für die Behandlung von Brust-, Darm- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs bereits gibt. Damit könnte vielen Patienten großes Leid erspart werden.

Bis dahin sollten Patienten selbst vorsorgen und sich vor der Entscheidung für eine Klinik gründlich informieren, wie viele Hüftoperationen dort pro Jahr durchgeführt werden.  Auskunft geben die Krankenkassen. Auch im Internet gibt es eine Reihe von Portalen die die Daten der Kliniken verständlich und vergleichbar machen.

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Der Bundesverband Deutscher Privatkliniken e.V. und die Asklepios Kliniken GmbH informieren. extern

Interviewpartner im Beitrag:

Ingo Kailuweit
Vorstandsvorsitzender
KKH-Allianz
Karl-Wiechert-Allee 61
30625 Hannover
Tel. (0511) 280 20

Prof. Dr. Henning Windhagen
Direktor der Orthopädischen Klinik
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Orthopädie im Annastift
Anna-von-Borries-Straße 1-7
30625 Hannover
Tel. (0511) 535 40

Prof. Dr. Thorsten Gehrke
Ärztlicher Direktor
ENDO-Klinik Hamburg GmbH - ein Unternehmen der DAMP Gruppe
Holstenstraße 2
22767 Hamburg
Tel. (040) 31 97 12 25

Dr. Genio Bongaerts
Arthro Clinic Hamburg - Zentrum für spezielle Gelenkchirurgie und Sporttraumatologie
Rahlstädter Bahnhofstraße 7a
22143 Hamburg-Rahlstedt
Weidenbaumsweg 6
21029 Hamburg-Bergedorf
Tel. (040) 675 62 00
Fax (040) 675 29 20

Autorin des Fernsehbeitrags:
Antje Büll

Dieses Thema im Programm:

Visite | 15.02.2011 | 20:25 Uhr