Stand: 14.12.2015 12:37 Uhr

Herzkatheter: Zugang über den Arm sicherer

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Die Herzkatheter-Untersuchung über das Handgelenk ist für die Patienten deutlich angenehmer.

Die erfolgreichste Therapie bei einem Herzinfarkt ist die Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes mit einem Herzkatheter. Mittlerweile ist der dünne Schlauch zur "Allzweckwaffe" der Kardiologen geworden, die in vielen Varianten zur Diagnostik und Therapie zahlreicher Herzkrankheiten verwendet wird. Am häufigsten wird der Herzkatheter aber eingesetzt, um mithilfe eines Kontrastmittels unter Röntgenkontrolle die Herzkranzgefäße sichtbar zu machen, Engstellen mit einem Ballon aufzudehnen und Gefäßstützen (Stents) einzubringen.

Animation einer Hand

Herzkatheter: Handgelenk statt Leiste

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Mit einem Herzkatheter werden erkrankte Arterien am Herzen behandelt. Bislang erfolgte die Untersuchung über die Leiste, nun wird der Arm als sicherer eingestuft. Warum?

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Zugang über den Arm weniger riskant

Bislang wurde der Herzkatheter in der Regel in die Leistenarterie eingeführt und von dort mithilfe eines Führungsdrahtes durch die Hauptschlagader ins Herz vorgeschoben. "Femoral" heißt dieser Zugang im Fachjargon. Nach dem Eingriff kann es dabei zu gefährlichen Nachblutungen aus der Einstichstelle ins Leistengewebe kommen. Diese Gefahr ist deutlich geringer, wenn der Katheter in die viel dünnere Arterie am Handgelenk "radial" eingesetzt und über den Arm zum Herzen geschoben wird. Das ist schwieriger für den Arzt, aber die Vorteile sind so eindeutig, dass internationale Leitlinien diesen Zugangsweg nun als Standard für die Herzkatheter-Untersuchung empfehlen.

Einstichstelle kann besser versorgt werden

Der Weg ist in etwa gleich lang, die eigentliche Behandlung am Herzen verläuft genau so wie beim Zugang über die Leiste. Nach dem Eingriff ist die Einstichstelle aber besser zu versorgen, denn das Handgelenk ist für einen Druckverband gut geeignet, sodass sich die Arterie schon mit einem kleinen Verband gut schließen lässt.

Videos
04:14 min

Interview zum Thema "Herzkatheter"

15.12.2015 20:15 Uhr
Visite

Wieso ist das Sterberisiko beim Eingriff über das Handgelenk kleiner als über die Leiste? Prof. Johannes Dahm im Interview mit Moderatorin Vera Cordes. Video (04:14 min)

Während Patienten nach der Leistenpunktion aufgrund des weichen Gewebes in der Leiste einen großen Druckverband benötigen und bis zu 24 Stunden stramm liegen müssen, damit sich das Loch in der Leistenarterie sicher schließt, können sie bei Verwendung der Armarterie gleich wieder aufstehen. Das vermeidet Komplikationen wie Thrombose, Lungenentzündung oder Harnwegsinfekt.

Sterberisiko geringer

Da bei schweren Nachblutungen wichtige Blutverdünner abgesetzt werden müssen, was wiederum das Infarktrisiko erhöht, ist bei dem radialen Zugang sogar das Sterberisiko niedriger als bei dem femoralen. Das Hauptrisiko besteht hier in einem Verschluss der Arterie am Handgelenk, der sich aber durch vermehrte Gabe des Gerinnungshemmers Heparin in der Regel problemlos auflösen lässt.

Spezielle Herzkatheter zur Verödung von Herzrhythmusstörungen oder zum Einsetzen künstlicher Herzklappen sind allerdings zu groß für die Handgelenksarterie - hier sind die Ärzte weiter auf den Zugang über die Leiste angewiesen.

Weitere Informationen

Chatprotokoll zum Thema "Herzdiagnostik"

Muss man für die Herzkatheter-Untersuchung im Krankenhaus bleiben? Kann man über die Armarterie einen Stent setzen? Kardiologe Prof. Johannes Dahm hat Fragen zum Thema im Chat beantwortet. mehr

Wann ersetzen MRT und CT einen Herzkatheter?

Aus der Herzdiagnostik sind Magnetresonanztomografie und Computertomografie nicht mehr wegzudenken. So kann in bestimmten Fällen der Eingriff per Herzkatheter vermieden werden. mehr

Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Johannes B. Dahm
Kardiologe, Angiologe, Sportmediziner
Herz- und Gefäßzentrum am Krankenhaus Neu-Bethlehem
Humboldtallee 6
37073 Göttingen
Tel. (0551) 48 87 00
Fax (0551) 446 82
Internet: www.hgz-goettingen.de

Im Beitrag:
Priv.-Doz. Dr. Claudius Jacobshagen
Leitender Oberarzt
Klinik für Kardiologie und Pneumologie
Herzzentrum Göttingen der Georg-August-Universität
Robert-Koch-Straße 40
37075 Göttingen
Internet: www.herzzentrum-goettingen.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 15.12.2015 | 20:15 Uhr