Stand: 18.03.2011 12:00 Uhr

Herzinfarkt: Welcher Arzt hilft wann?

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Bei einem Herzinfarkt zählt jede Minute.

Bei Anzeichen von einem Herzinfarkt sollte man nicht zögern, sondern den Notarzt rufen. Hier zählt jede Minute. Welche Spezialisten in welchem Bereich helfen können - ein Überblick.

Die Liste kann Herz-Patienten zur ersten Orientierung dienen. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Facharztbezeichnungen sind angelehnt an die Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Niedersachsen mit dem Stand vom 1. Februar 2009. Die Weiterbildungsordnungen zum Erlangen verschiedener Facharztqualifikationen und damit die Einteilungen nach Fachgebieten, Zusätzen und Schwerpunkten können in den verschiedenen  Bundesländern abweichen.

Im Notfall

112 (Notarzt, Rettungsdienst, Feuerwehr)

Im Alltag

Hausarzt
Der Hausarzt ist der erste Ansprechpartner möglichst nah am Wohnort. Er sollte ihre individuelle Krankengeschichte, ihre Lebensumstände und Lebensgewohnheiten gut kennen. Einzelne Untersuchungsergebnisse von Fachärzten und Klinken trägt er zusammen und sollte in der Zusammenschau daraus ableiten, welche Medikamente und andere Behandlungen er vorschlägt. Viele Hausärzte sind Allgemeinmediziner oder Internisten.

Facharzt für Allgemeinmedizin (Allgemeinmediziner)
Dieser Mediziner hat meist große Erfahrung in der langfristigen und ganzheitlichen Betreuung seiner Patienten.

Facharzt für Innere Medizin (Internist)
Der Facharzt für Innere Medizin bringt durch seine Facharztausbildung spezielles Wissen mit, dass für die Behandlung von Herz-Patienten wichtig ist. Er kennt sich insbesondere mit allen Erkrankungen der inneren Organe, also auch mit den Gefäßen und dem Herzen, aus und versteht sich insbesondere auf die Behandlung mit Medikamenten.

Kardiologe (Herzmediziner)
Der Kardiologe ist Facharzt für Innere Medizin und zusätzlich Facharzt für Kardiologie, das heißt, er hat noch weiterführende Kenntnisse in der Behandlung von Herzerkrankungen und betreut Patienten mit Verkalkungen der Herzkrankgefäße, also mit der koronaren Herzkrankheit, Patienten mit Brustenge (Angina Pectoris), Herzinfarkt und seinen Folgen (Rhythmusstörungen und Herzschwäche). Viele Kardiologen bieten spezielle Untersuchungsverfahren an - wie EKG-Untersuchung bei sportlicher Belastung (Fahrradergometrie) und Herzultraschall (Herzecho) an. Ein interventionell arbeitender Kardiologe führt zusätzlich in einem Katheterlabor auch Herzkatheteruntersuchungen durch.  

Radiologie (Röntgenarzt)
Der Facharzt für Radiologie bietet verschiedene Möglichkeiten an, Herz und Gefäße überall im Körper durch verschiedene bildgebende Verfahren sichtbar zu machen. Im klassischen Röntgenbild des Brustkorbs (Röntgen-Thorax) können Hinweise auf eine Herzschwäche abgelesen werden. Die Darstellung von Gefäßen gelingt meist am besten durch Gabe von Kontrastmittel, das dem Patienten kurz vor oder während der Untersuchung gespritzt wird. Immer mehr moderne Verfahren der Tomographie, der Untersuchung "in der Röhre", ermöglichen heute eine aussagekräftige Darstellung von Gefäßen aller Körperregionen (zum Beispiel von, Nierenarterien, Becken- und Beinarterien). Bei der Darstellung der Herzkranzgefäße ist wichtig, dass das Gerät die Signale des schlagenden, sich bewegenden Herzens gut verarbeiten kann. Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT oder Kernspin) arbeitet ohne Strahlenbelastung nur durch starke Magnetkräfte. Die Computer-Tomographie (CT) arbeitet mit klassischen Röntgenstrahlen, die Strahlenbelastung bei neueren Geräten ist im Vergleich zu älteren deutlich gesunken. Ein interventionell arbeitender Radiologe behandelt die Adern auch mit Hilfe von Kathetereingriffen (Aufdehnung mit dem Ballon, Einsetzten von Stents). 

Herzchirurg
Der Facharzt für Herzchirurgie hat über die Ausbildung zum Chirurgen hinaus spezielle Kenntnisse für Herzoperationen erworben. Bei verkalkten Herzkranzgefäßen, also bei der koronaren Herzkrankheit, legt er während der Operation Umgehungsadern (Bypässe), die die verengten Abschnitte überbrücken. Dafür werden heute meistens die kräftigen Brustwand-Arterien des Patienten verwendet. Der Herzchirurg nimmt außerdem Herzklappen-Operationen vor, wenn sie in der Folge von Arteriosklerose geschädigt sind. Eine Erweiterung der Brustschlagader (ein sogenanntes thorakales Aortenaneurysma) wird meist in Abteilungen für Herz- und Thoraxchirurgie operiert.  

Spezialeinrichtungen

Brustschmerz-Ambulanz (Chest Pain Unit - CPU): Derzeit entstehen in Deutschland immer mehr Spezialambulanzen für Patienten mit unklaren Brustschmerzen. Dort soll schnellstmöglich die richtige Diagnose gefunden werden, um bei einem Herzinfarkt bis zur Behandlung keine wertvolle Zeit zu verlieren. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK) hat für diese Einrichtungen Qualitätsstandards festgelegt. Zum Beispiel müssen dort genügend Diagnose-, Überwachungs- und Therapiemöglichkeiten vorhanden sein. Das Personal ist speziell geschult und die Ambulanz rund um die Uhr besetzt. Brustschmerzen können viele Ursachen haben. Lebensbedrohliche Erkrankungen wie Herzinfarkt, Lungenembolie und Verletzungen der großen Schlagader müssen schnell von den weniger bedrohlichen Schmerzen am Bewegungsapparat (zum Beispiel Wirbelsäule oder Rippen). Wer keine Klinik mit ausgewiesener Brustschmerzambulanz in der Nähe hat, kann sich bei Beschwerden an jede Klinik mit Notaufnahme wenden, am bestem an eine Einrichtung mit einem Herzkatheterlabor.

Herzzentren: Hier kooperieren Kardiologen und Herzchirurgen. Herzpatienten werden von Internisten und Chirurgen gemeinsam betreut, sodass gemeinsam entschieden wird, welches die individuell beste Therapie ist. Behandelt werden zum Beispiel Patienten mit Herzenge (Angina Pectoris), Herzinfarkt, chronischer koronarer Herzkrankheit (verengten Herzkranzgefäßen), aber auch mit Herzleiden, die in Folge der Arteriosklerose entstanden sind (Herzklappenerkrankungen oder Herzschwäche).

Rehaklinken: Reha-Kliniken betreuen Patienten nach einem Herzinfarkt oder nach einer Herzoperation (Bypassoperation), wenn der Aufenthalt in der Akut-Klinik abgeschlossen ist (AHB, Anschluss-Heil-Behandlung). In der Reha können Patienten unter ärztlicher Kontrolle erfahren, welche Belastung ihnen und ihrem Herzen jetzt gut tun, damit sie im weiteren Verlauf auch das richtige Maß an Sport und Bewegung wählen. Hier können sie beginnen, die meist sehr plötzlich aufgetretene schwere Erkrankung auch psychisch zu verarbeiten. Im Mittelpunkt steht, die individuellen Risikofaktoren angemessen zu behandeln, um einen zweiten Infarkt zu vermeiden. Hier erfahren Patienten, wie Bewegung, Rauchentwöhnung, Blutdruck- und Gewichtskontrolle sowie Ernährung ihr persönliches Risiko für einen erneuten Infarkt senken können. Die Reha kann der Anstoß zu einer nachhaltigen Lebensstiländerung sein.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 27.02.2007 | 20:15 Uhr

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