Stand: 25.11.2014 11:22 Uhr  | Archiv

Herz-OP: Austausch einer kranken Herzklappe

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Die Aortenklappe ist das Auslassventil der linken Herzkammer, durch das das Blut in den großen Körperkreislauf gepumpt wird.

Die Aortenklappe sitzt wie ein Ventil zwischen der linken Herzkammer und der Körperhauptschlagader (Aorta). Sie sorgt dafür, dass das Blut nur in eine Richtung fließt. Sie besteht aus drei halbmondförmigen Taschen, die an einem bindegewebigen Ring in der Herzmuskulatur verankert sind.

Verkalkung der Aortenklappe verringert Öffnungsfläche

Beim gesunden Menschen werden mit jedem Herzschlag etwa 70 bis 100 Milliliter Blut in den Körperkreislauf gepumpt. Dazu öffnen sich in der Auswurfphase die drei Taschen in Richtung der Aorta. Es entsteht so eine Öffnungsfläche von normalerweise etwa 2,5 bis 3,5 Quadratzentimetern. Danach schließt sich die Klappe, indem sich die drei Taschen auf die Ebene des Herzmuskels zurückziehen und aneinander legen. Sie verhindern so, dass das Blut zurück ins Herz fließt.  

Im Laufe des Lebens kommt es nicht selten zu einer Verkalkung der Aortenklappe. Natürlicher Verschleiß und Kalkeinlagerungen wie bei der Arteriosklerose führen dazu, dass sich die Öffnungsfläche der Herzklappe verkleinert und so die Auswurfleistung des Herzens abnimmt. Verschiedene Faktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen, aber auch genetische Faktoren begünstigen den Verschleißprozess. 

Welche Symptome sind typisch?

Die Symptome und Beschwerden der Betroffenen gehen mit der noch vorhandenen Klappenöffnungsfläche einher. Das heißt: Je kleiner die Öffnungsfläche, desto größer sind die Beschwerden. Leichtgradige Verengungen verlaufen nicht selten ohne körperliche Einschränkungen. Erst wenn sich die Klappenöffnungsfläche auf etwa ein Drittel der Norm reduziert hat, kommt es typischerweise zu einer Abnahme der allgemeinen Leistungsfähigkeit. Das Herz muss das Blut mit erhöhtem Druck durch die verengte Aortenklappe pumpen. Das bedeutet mehr Arbeit für das Herz.

Um diese Leistung zu erbringen, nimmt die Muskelmasse des linken Herzens zu. Auf Dauer gelingt es dem Herzen jedoch nicht, diesen Zustand auszugleichen, sodass zeitweise zu wenig Blut in den Körperkreislauf gelangt. Als eine der ersten Beschwerden tritt in der Regel Luftnot auf. Zunächst nur bei starker Belastung, im weiteren Verlauf dann aber auch schon bei leichter Belastung, wie zum Beispiel beim Schuhezubinden. Begleitend können Schmerzen oder ein Engegefühl in der Brust auftreten. Schwindel oder kurzfristige Bewusstseinsverluste können in Folge einer unzureichenden Durchblutung des Gehirns auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium können aufgrund einer allgemeinen Herzschwäche Schwellungen (Ödeme) der Beine auftreten.

Künstliche Aortenklappe kann eingesetzt werden

Abhilfe schafft eine neue Aortenklappe, deren Einsatz in einer offenen Operation ein seit vielen Jahren bewährtes und sicheres Verfahren ist. Doch nicht immer ist diese große Operation nötig, denn inzwischen gibt es schonendere Verfahren, bei dem der Chirurg nicht den ganzen Brustkorb öffnen muss. Durch eine kleine Öffnung wird die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, denn für den Austausch der Aortenklappe muss das Herz stillstehen.

Anders als bei der sonst bei älteren Patienten mit höherem Operationsrisiko oft eingesetzten Kathetertechnik, bei der die alte Klappe nur zur Seite geschoben werden kann, entfernt der Herzchirurg die defekte Aortenklappe. Anschließend entscheidet er, welche Art von Klappenersatz am besten passt. Zur Auswahl stehen verschiedene mechanische Herzklappen und sogenannte Bioklappen. Beide haben Vor- und Nachteile. Welche für wen die Beste ist, hängt von der individuellen Situation des Patienten ab.

Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Michael Schmoeckel
Chefarzt
Abteilung für Herzchirurgie
Asklepios Klinik St. Georg
Lohmühlenstraße 5
20099 Hamburg
Tel. (040) 18 18 85 41 50, Fax (040) 18 18 85 41 84
Internet: www.ak-stgeorg.de

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Visite | 25.11.2014 | 20:15 Uhr