Stand: 29.09.2015 14:50 Uhr  | Archiv

Grippeschutzimpfung sinnvoll für alle

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Eine Grippe ist durch einen plötzlichen und heftigen Beginn gekennzeichnet.

Mit dem Ende des Sommers beginnt wieder die Grippezeit. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Grippe insbesondere Menschen über 60 Jahren, chronisch Kranken und allen, die beruflich viel mit anderen Personen Kontakt haben. Die Beschwerden bei Grippe und Erkältung sind anfangs ähnlich. Unterschiedlich sind Verlauf und Schwere der Erkrankung. Während bei einer Erkältung die Symptome - Halskratzen, verstopfte Nase und Husten - nacheinander auftreten, ist eine echte Virusgrippe oder Influenza durch einen plötzlichen und heftigen Beginn gekennzeichnet.

Hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie trockener Husten treten dann oft gleichzeitig auf. Auch Luftnot und massive Erschöpfung können zum Krankheitsbild gehören. Im vergangen Jahr gab es besonders viele und besonders schwere Grippe-Fälle. Vielen ging es so schlecht, dass sie sogar auf der Intensivstation behandelt werden mussten.

Grippeviren sind sehr variabel und können sich rasant verändern

Es gibt keine Medikamente gegen die Grippe, die Ärzte können nur die Symptome lindern. Schutz bietet allein die Impfung. Doch das Grippevirus verändert sich ständig. Jedes Jahr versuchen Wissenschaftler vorherzusagen, welche Virenstämme sich verbreiten werden. Gegen diese Virenstämme wird dann ein Impfstoff hergestellt. Doch ob sie richtig liegen, ist auch Glückssache. Grippeviren sind sehr variabel und können sich rasant verändern und verbreiten. Darum schaut man sich am Anfang des Jahres an, welche Viren auf der anderen Seite der Erde, zum Beispiel in Australien,  gerade aktiv sind. Und gegen diese Viren werden Impfstoffe produziert, in der Hoffnung, dass man gegen die richtigen Virenstämme impft.

Der Impfstoff wird in Hühnereiern produziert. Das dauert sechs bis acht Monate - je nach Impfstoff ist er gegen drei bis vier verschiedene Virenstämme wirksam. Wenn sich die Virenstämme "draußen" in der Zeit verändern, kann man den Impfstoff nicht mehr anpassen. Die Impfstoffe zur Grippesaison passen dann nicht mehr zu den Viren. Das ist auch im vergangenen Jahr passiert: Der Impfstoff sollte gegen drei Virenstämme wirken, aber gegen einen hat er versagt. Das Virus war zu stark mutiert. Darum schützt die Grippeimpfung nur zu 30 Prozent - eigentlich sollte ein 50 bis 60 prozentigen Schutz gegeben sein.

Jeder Geimpfte ist eine Hürde für das Virus

Der in Deutschland von den Kassen bezahlte Impfstoff wirkt gegen drei Virenstämme. Es gibt aber auch Impfstoffe, die gegen vier Virenstämme wirken, doch die muss man selbst bezahlen. Experten bemängeln, dass dadurch bewusst auf einen breiteren Schutz verzichtet wird. An einigen Kliniken wird deshalb ausschließlich der vierfache Impfstoff verwendet. Trotzdem raten die Experten, sich impfen zu lassen - egal mit welchem Impfstoff. Ein geringer Schutz ist auf jeden Fall besser als gar keiner.

Je mehr Menschen sich impfen lassen, desto besser. Jeder Geimpfte ist eine Hürde für das Virus, das versucht sich auszubreiten. Damit schützt man sich und auch andere.  Denn Grippeviren breiten sich rasend schnell über Tröpfcheninfektion aus. Wichtig ist daher regelmäßiges Händewaschen - mindestens 30 Sekunden und mit Seife.

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Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Stefan Schmiedel
Leiter Sektion Klinische Infektiologie,
Sektion Tropenmedizin, Bernhard-Nocht-Klinik
Ambulanzzentrum des UKE GmbH
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: www.uke.de

Prof. Dr. Jörg Braun
Facharzt für Innere Medizin, Lungen- und  Bronchialheilkunde, Allergologe, Infektiologie, Intensivmedizin
Chefarzt Innere Medizin
Parkklinik Manhagen
Sieker Landstraße 19
22927 Großhansdorf
Tel. (04102) 60 50
Fax (04102) 60 51 90
Internet: www.manhagen.de

Joachim Kurzbach
Facharzt für Innere Medizin
Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin & hausärztliche Versorgung
Dr. Vogt & Kurzbach
Rahlstedter Bahnhofstraße 25
22143 Hamburg
Tel. (040) 677 32 29
Fax (040) 677 27 26
Internet: www.praxis-rahlstedt.de

PD Dr. Dominic Wichmann
Facharzt für Innere Medizin - Infektiologie, Spezielle Internistische Intensivmedizin
Oberarzt Klinik für Intensivmedizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: www.uke.de

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