Stand: 27.05.2014 20:15 Uhr

Wie gesundheitsschädlich ist Aluminium?

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Aluminiumsalze in Deos verkleben die Schweißdrüsen.

Getränkedosen, Medikamente, Kosmetikartikel: Sie alle enthalten Aluminium. Auch als Zusatz- oder Farbstoff, Stabilisator, Backtriebmittel oder Trennmittel in Fertigbackwaren, Süßigkeiten, Babynahrung und Käse wird Aluminium verwendet. Viele Studien belegen, dass das Leichtmetall für den Menschen giftig ist. Im Tierversuch wurden durch Aluminium Nervenzellen im Gehirn der Tiere gestört - warum ist noch nicht klar.  

Niere scheidet Leichtmetall aus, aber Reste bleiben im Körper

Als unbedenklich gilt maximal ein Milligramm Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht pro Woche. Über die Haut nehmen wir aber womöglich mehr Aluminium auf als bisher gedacht. Das fanden jetzt Experten des Bundesinstituts für Risikobewertung in Berlin (BfR) heraus. Bei täglicher Nutzung von Deos mit Aluminiumsalzen könnte man in der Woche doppelt so viel Aluminium aufnehmen, wie von der EU empfohlen. Aluminiumsalze in Schweißhemmern (Antitranspirantien) verkleben die Schweißdrüsen.

Zwar wird das meiste Aluminium über die Nieren ausgeschieden, doch ein gewisser Rest bleibt zurück und lagert sich in Knochen, Lungen und Gehirn ein. Darum warnt das BfR, dass die regelmäßige Verwendung eines aluminiumhaltigen Antitranspirants über Jahrzehnte hinweg die Aluminiumbelastung des Körpers erhöhen und später zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen beitragen könnte.

Ob Aluminium in Deos schwere Erkrankungen wie Brustkrebs oder Alzheimer begünstigt, ist heftig umstritten. Zwei aktuelle Studien zeigen, dass Aluminium in Brustzellen Entzündungen auslösen kann. Das ist zwar kein Beweis, dass Aluminium Brustkrebs begünstigt, aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass diese Mechanismen letztendlich zu Krebserkrankungen führen können, besteht laut Experten doch. Auch das BfR rät zur Vorsicht, obwohl es bisher keinen eindeutigen wissenschaftlichen Beweis sieht.

Kaffeekapseln können problematisch sein

Mögliche Gefahrenquellen lauern auch im Alltag: Vor allem Fertig-Backwaren, Backmischungen, gebleichtes Mehl, Fertigkuchenteig, Donuts, Waffeln, Laugenbrezeln, farbige Süßigkeiten, Vanillepulver, Kaffeeweißer, Käse und Tafelsalz sind häufig mit aluminiumhaltigen Zutaten belastet.

Zugesetztes Aluminium erkennt man an folgenden E-Nummern

Aluminium (E173) als Farbstoff
Aluminiumsulfat (E520) als Stabilisator
Aluminiumnatriumsulfat (E521)
Aluminiumammoniumsulfat (E523)
Natriumaluminiumsilikat (E554) als Trennmittel
Kaliumaluminiumsilikat (E555) als Trennmittel
Calciumaluminiumsilikat (E556) als Trennmittel
Calciumaluminat (E598)

Dosen setzen Aluminium frei, vor allem wenn sie kaputt sind und in Kontakt mit salzigen und sauren Lebensmitteln wie Tomatensoße, Zitronensaft und Salz kommen. Wickelt man einen Fisch in Alufolie ein und gibt ein wenig Zitrone drauf, kann sich Aluminium sehr schnell lösen. Fisch, saure Gurken und Erdbeeren sollte man nicht mit Alufolie abdecken, sondern besser in Frischhaltedosen füllen.

Problematisch könnten sogar Kaffeekapseln sein: Wenn die Kapseln in der Kaffeemaschine durchstoßen werden, gelangt aluminiumhaltiger Metallabrieb in den Kaffee. Ähnliches gilt für Teetrinker: Das Umweltbundesamt hat festgestellt, dass im Tee enthaltene Säuren das Aluminium in der Kanne freisetzen kann. Zudem ergaben Versuche, dass Teebeutel besonders viel Aluminium enthalten.

Weitere Informationen

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Interviewpartner im Beitrag:

Silke Schwartau
Ernährungsexpertin
Verbraucherzentrale Hamburg
Kirchenallee 22
20099 Hamburg
Tel. (040) 24 83 22 40
E-Mail: ernaehrung@vzhh.de
Internet: www.vzhh.de

Peter Jennrich, Facharzt für Allgemeinmedizin/ Naturheilverfahren
Klinischer Toxikologe für Schwermetalle (IBCMT)
Marienstraße 1
97070 Würzburg
Internet: www.tierversuchsfreie-medizin.de

Prof. Dr. med. Martin Göttlicher
Direktor Institut für Molekulare Toxikologie und Pharmakologie (TOXI)
Helmholtz Zentrum München
Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt GmbH
Ingolstädter Landstraße 1, 85764 Neuherberg
Internet:  www.helmholtz-muenchen.de/toxi/index.html

Prof. Dr. Bernd Schäfer
Bundesinstitut für Risikobewertung
Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Postfach 126942
10609 Berlin
Internet: www.bfr.bund.de

Prof. Dr. rer. physiol. Edmund Maser                                             
Direktor Institut für Toxikologie und Pharmakologie für Naturwissenschaftler
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Kiel
Brunswiker Straße 10
24105 Kiel
Internet: www.toxi.uni-kiel.de

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