Sendedatum: 11.03.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Gefährlicher Vitamin-D-Mangel im Norden

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Für die Bildung von Vitamin D braucht der Mensch Sonne.

Gutes Wetter hat nicht nur Einfluss auf unsere Laune, sondern auch auf unsere Gesundheit. Nur durch ausreichend Sonneneinstrahlung kann der Mensch über die Haut genügend Vitamin D bilden. Ein Mangel an dem Vitamin steht im Zusammenhang mit einem erhöhten Osteoporoserisiko, Knochenerweichung (Osteomalazie) und daraus folgenden Knochenbrüchen.

Die Universität in Lübeck hat in einer aktuellen Studie 100.000 Blutproben untersucht und ist zu einem erschreckenden Ergebnis gekommen: 80 Prozent der Norddeutschen leiden an einem Vitamin-D-Mangel, 50 bis 60 Prozent sogar an einem starken Mangel. Besonders betroffen sind männliche Jugendliche und ältere Erwachsene.

Vitamin D steuert Aufnahme von Kalzium und Phosphat

Mithilfe von UVB-Strahlung synthetisiert der Körper die Vorstufen des Vitamins in der Haut, sodass es eigentlich als Hormon bezeichnet werden müsste. In Leber und Niere erfolgt schließlich die Umwandlung der Vorstufen in das wirksame Hormon. Die Hauptaufgabe des Vitamin D-Hormons liegt in der Steuerung der Aufnahme von Kalzium und Phosphat aus dem Darm, um es für die Knochenhärtung zur Verfügung zu stellen.

Fehlt es an Vitamin D, sinkt der Kalziumspiegel. Die Knochen geben Kalzium frei, damit das Herz und die Muskeln keinen Mangel erleiden. Durch fehlende Mineralisation beziehungsweise Härtung des Knochenäußeren wird der Neuaufbau des Knocheninneren verhindert. Die Knochen altern frühzeitig und brechen daher schneller.

Belegt ist, dass ein optimaler Vitamin-D-Spiegel das Frakturrisiko nach Stürzen um 23 Prozent verringert. Eindeutige Beweise für den Zusammenhang mit Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes stehen noch aus.

Um Vitamin D zu bilden, braucht der Körper Sonnenlicht. Im Winter reicht die Intensität der Sonnenstrahlen in Norddeutschland dafür allerdings nicht aus. Mit zunehmendem Alter nimmt die Eigensyntheseleistung der Haut außerdem deutlich ab. Auch die Verwendung von Sonnenschutzmitteln hat einen Einfluss auf die Vitaminproduktion. Die Zufuhr durch Vitamin-D-reiche Nahrungsmittel spielt zudem mit einem Anteil von etwa zehn Prozent nur eine untergeordnete Rolle.

Vitamin-D-Präparate in Absprache mit Hausarzt nehmen

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Künstliche Vitamin-D-Zufuhr sollte mit dem Hausarzt abgesprochen werden.

Experten raten bei einem Mangel 800 bis 1.000 Einheiten künstlicher Vitamin-D-Präparate am Tag einzunehmen. Dies sollte allerdings in Rücksprache mit dem Hausarzt geschehen. Präparate, die zum Beispiel in Drogerien oder Lebensmittelläden angeboten werden, haben 200 Einheiten. Besteht kein Verdacht auf eine Erkrankung, die im Zusammenhang mit Vitamin-D-Mangel stehen könnte, müssen die Kosten in Höhe von bis zu 50 Euro für die Vitamin-D-Bestimmung selbst getragen werden.

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Interviewpartner:

PD Dr. Florian Barvencik
Facharzt für Orthopädie,
Unfallchirurgie, Sportmedizin und Osteologie

Dr. rer. medic. Björn Busse
Leiter Emmy-Noether-
Forschungsgruppe

Institut für Osteologie und Biomechanik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Lottestraße 59
22529 Hamburg
Tel. (040) 741 05 63 73
Fax: (040) 741 05 80 10
E-Mail: osteologie(at)uke.de

PD Dr. med. J. Aberle
Facharzt für Innere Medizin
Endokrinologie und Diabetologie
Ambulanzzentrum Endokrinologie, Diabetologie,
Adipositas und Lipide
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 00

PD Dr. med. Jan Kramer
Universitätsklinik Schleswig-Holstein,
Campus Lübeck
Medizinische Klinik I
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Tel. (0451) 50 00

Dr. med. Jan Kramer
Labor LADR
Lauenburger Straße 67
21502 Geesthacht
Tel. (04152) 80 30
Fax: (04152) 80 33 69
E-Mail: info(at)ladr.de

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Visite | 11.03.2014 | 20:15 Uhr