Sendedatum: 04.03.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Gefährliche Phosphate in Lebensmitteln

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Durch Fast Food und anderen hochgradig verarbeiteten Fertiglebensmittel wird der Körper mit Phosphaten quasi überschwemmt.

Phosphate gehören zu den Allzweckwaffen der Lebensmittelindustrie: Sie konservieren und säuern Fleisch- und Wurstwaren, Fischkonserven und Backwaren, sie stabilisieren und verdicken Milchprodukte, stecken in Schmelzsalzen von Käse, bewahren die Farbe von Cola, verhindern das Verklumpen von Puddingpulver und Babybrei.

Dass phosphatreiche Lebensmittel für nierenkranke Patienten eine erhebliche Gefahr darstellen, ist schon lange bekannt und wird bei der Therapie berücksichtigt. Aktuelle Studien aber zeigen nun, dass zu viel Phosphat im Blut auch für gesunde Menschen ein schleichendes Gesundheitsrisiko darstellt.

Dabei geht es nicht um natürliches Phosphat, das in vielen Lebensmitteln, wie Fleisch, Hülsenfrüchten oder Nüssen enthalten ist, denn das wird nur zu knapp 60 Prozent ins Blut aufgenommen. Damit kommt der Körper in der Regel klar. Künstlich zugesetzte Phosphate aber sind meist frei löslich und werden daher fast vollständig aufgenommen. Mit dem zunehmenden Verzehr von Fast Food und anderen hochgradig verarbeiteten Fertiglebensmittel wird der Körper mit Phosphaten quasi überschwemmt. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich die Phosphataufnahme verdoppelt!

Kennzeichnung für Verbraucher unzureichend

Lebensmitteln zugesetzte Phosphate sind zulässig, sie müssen allerdings auf der Packung deklariert werden, z.B. als Schmelzsalze. Außerdem verbergen sich  Phosphate hinter den Codes E338, E339, E340, E341, E343, E450, E451, E452, E1410, E1412, E1413, E1414, E1442. Auf loser Ware, zum Beispiel beim Schlachter, kann auch lediglich ein Hinweisschild "Enthält Phosphat" angebracht sein. Doch mit all diesen Angaben kann  der Verbraucher kaum etwas anfangen, denn die tatsächlich zugesetzte Phosphatmenge geht aus den gesetzlich vorgeschriebenen Angaben leider nicht hervor.

Gefahr für Herzinfarkt, Schlaganfall und Osteoporose

Welche unsichtbaren und unbekannten Gefahren für die Gesundheit das mit sich bringt, zeigt die Forschung: Zuerst wurde bei Nierenpatienten erkannt, dass viel Phosphat im Blut das Sterberisiko erhöht. Doch laut der aktuellen Daten sind auch gesunde Menschen gefährdet, denn Phosphat verändert die Innenwände der Gefäße, Herzinfarkt und Schlaganfall drohen. Außerdem steigt das Osteoporose-Risiko: Kalzium wird aus den Knochen gelöst, sie werden brüchig. Auch die Alterung von Haut und Muskeln kann durch die Phosphate beschleunigt werden.

Spezielles Ernährungsprogramm für Nierenkranke

Für nierenkranke Dialysepatienten kann ein hoher Phosphatwert sogar lebensbedrohlich sein. Deshalb hat der Berliner Nierenexperte Prof. Kuhlmann für diese Patienten eine spezielle Diät entwickelt, das Phosphat-Einheiten-Programm.

Links

Phosphat-Einheiten-Programm

Nierenexperte Prof. Kuhlmann hat für nierenkranke Dialysepatienten eine spezielle Diät entwickelt (PDF zum Herunterladen). extern

Dabei schätzt der Patient mit Hilfe von Tabellen den Phosphatgehalt auf seinem Teller und nimmt nach dem Essen passend dazu Medikamente, die dafür sorgen, dass das Phosphat wieder ausgeschieden wird.

Experten raten Gesunden wie auch Nierenkranken, statt haltbar gemachter Lebensmittel oder Fertiggerichte viele frische Lebensmittel einzukaufen: Obst, Gemüse und mediterrane Kost. Alarmiert von den aktuellen Studiendaten fordern die Mediziner zudem eine verständliche Kennzeichnung von Phosphat in Lebensmitteln - vor allem eine Mengenangabe. Nur dann könnten Verbraucher einschätzen, wie viel Phosphat sie wirklich zu sich nehmen.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Matthias Riedl
Internist, Diabetologe, Ernährungsmediziner              
Diabetes Zentrum Berliner Tor
Medicum Hamburg GbR
Beim Strohhause 2
20097 Hamburg
Tel. (040) 807 97 90
Fax (040) 807 97 93 00

Prof. Dr. Martin K. Kuhlmann
Chefarzt
Klinik für Innere Medizin - Nephrologie
Vivantes Klinikum im Friedrichshain
Landsberger Allee 49
10249 Berlin

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Visite | 04.03.2014 | 20:15 Uhr