Stand: 08.02.2016 10:31 Uhr  | Archiv

Fruktose-Intoleranz erkennen und behandeln

Bauchgrummeln, Blähungen, Durchfall: Hinter diesen Symptomen kann eine Unverträglichkeit gegenüber Fruchtzucker stecken. Die sogenannte intestinale (das heißt, vom Darm herrührende) Fruktose-Intoleranz ist recht weit verbreitet, aber gar nicht so sehr bekannt. Sie wird irgendwann im Laufe des Lebens erworben - im Gegensatz zur äußerst seltenen angeborenen Form (hereditäre Fruktose-Intoleranz - HFI). Schätzungsweise 30 bis 40 Prozent der mitteleuropäischen Bevölkerung können Fruchtzucker über den Dünndarm nicht richtig aufnehmen, man nennt das Fruktose-Malabsorption. Kommt noch eine funktionelle Störung des Darms hinzu, dann treten Unverträglichkeitsreaktionen auf.

Bei den Ernährungs-Docs
14:46

Fruktose-Intoleranz: Nicht nur Obst vermeiden

Susanne W. verträgt keinen Fruchtzucker, ist zudem müde und gereizt. Die Beschwerden bessern sich erst, als die eine Auslassdiät macht und so einiges in ihrer Ernährung umstellt. Video (14:46 min)

Ursache

Im Unterschied zur Lebensmittelallergie ist bei einer Unverträglichkeit keine Abwehrreaktion des Immunsystems verantwortlich, sondern eine Stoffwechselstörung. Bei der Fruktose-Malabsorption ist die Aufnahme von Fruchtzucker aus dem Darm in die Blutbahn gestört. In der Dünndarmwand befinden sich Transporteiweiße, die die Nährstoffe aus dem Nahrungsbrei aufnehmen und durch die Wand hindurchbefördern. Die verschiedenen Transporter sind für unterschiedliche Nährstoffe zuständig, der Fruktose-Transporter zum Beispiel heißt GLUT-5. Sind von dem nicht ausreichend viele vorhanden oder sind sie defekt, dann bleibt Fruchtzucker im Nahrungsbrei und wandert weiter in den Dickdarm, der von Bakterien besiedelt ist. Die freuen sich über die süße Mahlzeit und produzieren daraus ihrerseits Gase wie Wasserstoff oder Methan sowie kurzkettige Fettsäuren, die den osmotischen Druck ansteigen lassen. So entstehen  Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl und Durchfälle.

Warum die Fruktose nicht vertragen wird

Die Fruktose-Aufnahme kann vorübergehend verschlechtert sein, etwa infolge einer gestörten Darmflora nach einer Magen-Darm-Infektion oder Antibiotika-Einnahme. Sie kann aber auch dauerhaft sein. Im Gegensatz zu der seltenen HFI vertragen Betroffene bei der erworbenen Fruktose-Intoleranz noch Restmengen von Fruchtzucker. Denn zum Teil kann die Fruktose auf dem Glukose-Transporter GLUT-2 "mitfahren". Bei der HFI dagegen nimmt der Körper die Fruktose zwar komplett auf, kann sie aber nicht weiter verstoffwechseln. HFI-Betroffene müssen deshalb lebenslang eine streng fruktosearme Diät einhalten.

Symptome

Nach dem Verzehr von fruktosehaltigen Lebensmitteln treten typische Beschwerden auf: Übelkeit, Völlegefühl, Bauchgeräusche und Blähungen, Unterbauchkrämpfe und Durchfälle.

Auch Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und psychische Veränderungen wie Depressionen gehen oft mit der Fruktose-Malabsorption einher. Denn wenn GLUT-5 nicht funktioniert, wird auch die essenzielle Aminosäure Tryptophan nicht richtig aufgenommen. Die aber ist eine Vorstufe für den körpereigenen Stimmungsaufheller Serotonin, der uns das Gefühl von Gelassenheit, innerer Ruhe und Zufriedenheit vermittelt.

Die Fruktose-Intoleranz kann sich zu einem Reizdarmsyndrom fortentwickeln. Relativ häufig haben Betroffene außerdem zugleich einen zu niedrigen Folsäure- und Zinkspiegel, was zu Mangelerscheinungen und Infektanfälligkeit führen kann.

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 08.02.2016 | 21:00 Uhr

Ernährungs-Therapie

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