Stand: 06.07.2015 09:23 Uhr

Fibromyalgie: Diagnose und Behandlung

Bild vergrößern
Vor allem Frauen leiden unter Fibromyalgie.

Schmerzen überall im Körper, die Gelenke fühlen sich steif und unbeweglich an, dazu ein Gefühl völliger Erschöpfung - die Fibromyalgie ist durch unspezifische Schmerzen gekennzeichnet. Die Symptome treten oft phasenweise mit Beschwerden in unterschiedlicher Intensität auf, die vor allem durch emotionalen Stress oder Schlafmangel beeinflusst werden. Die Erkrankung betrifft vor allem Frauen und ähnelt dem Rheuma. 

Ursache noch nicht geklärt

Zwar ist die Fibromyalgie ein anerkanntes Krankheitsbild, da aber bislang eindeutige Nachweise für die Ursachen dieser quälenden Schmerzerkrankung fehlen, werden viele Betroffene noch immer als Hypochonder oder psychisch krank abgestempelt.

Ursache der ständigen Beschwerden ist eine herabgesetzte Schmerzschwelle. Normalerweise werden bereits auf der Ebene des Rückenmarks unbedeutende Schmerzreize herausgefiltert, sodass nur die Schmerzreize, die eine Warnfunktion haben, zum Gehirn gelangen. Bei der Fibromyalgie scheint dieser Filter nicht mehr zu funktionieren, sodass viele Schmerzreize bis ins Gehirn gelangen und es überfluten. Dadurch entstehen diffuse Schmerzen im ganzen Körper.

Inzwischen gilt die Fibromyalgie als eigenständige Krankheit. In der entsprechenden Leitlinie wird empfohlen, bei der körperlichen Untersuchung auch die Schmerzempfindlichkeit der sogenannten Tenderpoints zu testen. Dabei handelt es sich um festgelegte Übergänge zwischen Muskeln und Sehnen, die über den ganzen Körper verteilt sind und auf ihre Druckempfindlichkeit hin untersucht werden. Spüren Betroffene hier an mindestens 11 von insgesamt 18 Punkten Schmerzen, gilt dies als wichtiger Hinweis auf Fibromyalgie. Um eine entzündliche rheumatische Erkrankungen als Schmerzursache ausschließen zu können, beinhaltet die Diagnostik der Fibromyalgie immer auch eine Blutuntersuchung.

Behandlung: Schmerzwahrnehmung beeinflussen

Bisher geht es bei der Behandlung der chronischen Krankheit darum, die gestörte Schmerzwahrnehmung der Betroffenen zu beeinflussen. Sie umfasst vor allem Bewegungstherapie mit einem individuell angepassten Ausdauer- und Krafttraining, aktivierende Psychotherapie (kognitive Verhaltenstherapie), medikamentöse Behandlung mit Opioiden, Cannabinoiden und niedrig dosierten Antidepressiva sowie Entspannungsübungen.

Links

Deutsche Fibromyalgie-Vereinigung

Umfangreiche Informationen zur Krankheit. extern

Fibromyalgie

Informationen der Deutschen Rheuma-Liga als PDF zum Herunterladen. extern

Unter Umständen kann eine mehrwöchige Therapie in einer psychosomatischen Klinik sinnvoll sein, die sich auf die Behandlung von Fibromyalgie spezialisiert hat. Auch teilstationäre Maßnahmen können helfen, wenn eine ambulante Therapie nicht ausreicht. Hilfreiche Tipps, Beratung und Kontakte bieten zahlreiche Selbsthilfegruppen.

Weitere Informationen

Fibromyalgie: "Eine psychosomatische Störung"

Gibt es Medikamente gegen Fibromyalgie? Wie finden Betroffene den richtigen Arzt? Diese und weitere Fragen hat Schmerztherapeut Dr. Matthias Apelt im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner

Im Studio und Beitrag:
Dr. Matthias Appelt
Facharzt für Innere Medizin, Schmerztherapie
Brügger Chaussee 23
24582 Wattenbek
Tel. (04322) 888 76 99
Fax: (04322) 69 26 44

Im Beitrag:

Dr. Pontus Harten, Rheumatologe und Internist
Rheumapraxis Kiel
Sophienblatt 1, 24103 Kiel
Tel. (0431) 600 50 07
Fax: (0431) 600 50 08
Internet: www.rheumapraxiskiel.de

Im Beitrag:

Dieses Thema im Programm:

Visite | 07.07.2015 | 20:15 Uhr