Stand: 14.02.2017 14:46 Uhr

Essen oder Fasten: Was hilft bei Infekten?

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Bei viralen Infekten kann Zucker hilfreich sein.

Bei Virusinfektionen verspüren viele Appetit, bei bakteriellen Infekten mit Fieber haben die meisten keinen Hunger. "Schnupfen sollst du füttern, Fieber aushungern", heißt es im Volksmund. Um den Einfluss der Ernährung auf den Verlauf von Infektionen und auf die Toleranz des Körpers gegenüber Krankheitserregern zu erforschen, hat der Immunologe Ruslan Medzhitov an der Yale-Universität (USA) Untersuchungen an Mäusen durchgeführt.

Eine kranke Person im Bett.

Essen oder Fasten: Was hilft bei Infekten?

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Bei Schnupfen essen, bei Fieber hungern: Die Ernährung beeinflusst den Verlauf von bakteriellen und viralen Infektionen. Worauf müssen Erkrankte achten?

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Tierversuch: Bakterielle und virale Infektion

Im Experiment wurden die Mäuse in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe haben die Forscher um Ruslan Medzhitov mit dem Bakterium Listeria monocytogenes infiziert, das bei Mäusen und Menschen eine Lebensmittelvergiftung auslöst. Die zweite Gruppe wurde mit Grippeviren infiziert. Beide Gruppen wurden gefüttert. Eine Kontrollgruppe erhielt nur eine Kochsalzlösung. Das Ergebnis war eindeutig:

  • Von den Mäusen mit der bakteriellen Lebensmittelvergiftung, die gefüttert wurden, starben 80 Prozent. In Gruppe ohne Futter wurde die Hälfte der Mäuse wieder gesund.
  • Von den Mäusen mit Grippeviren, die gefüttert wurden, erholten sich 80 Prozent von der Infektion. Alle Mäuse ohne Futter starben.

Zucker wirkt wie Gift oder Medizin

Die Forscher haben auch untersucht, welche Rolle die Nahrungsbausteine Zucker, Eiweiß und Fett spielen. Dabei stellte sich heraus, dass Zucker bei bakteriellen Infekten wie Gift wirkt, bei viralen Infekten dagegen wie ein Medikament. Die Ursachen müssen noch erforscht werden.

  • Bei bakteriellen Infektionen stellt der Körper möglicherweise aus Fettreserven eigenen Zucker (Ketonkörper) her, die bei der Abwehrreaktion entstehende Sauerstoffradikale unschädlich machen.
  • Bei viralen Infektion hat der Zucker in den Versuchstieren die "Selbstmordrate" (Apoptose) von Zellen minimiert. Der Zucker könnte also den "Stress" der Zellen im Rahmen der Virenabwehr reduzieren.

Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass jeder Infektionstyp - bakteriell oder viral - unterschiedliche Areale im Gehirn beeinflusst. Möglicherweise ist dies abhängig davon, welche Bereiche des Immunsystems die Krankheitserreger aktivieren.

Interviewpartner im Beitrag:

Ruslan M. Medzhitov, PhD
Professor für Immunbiologie
Yale School of Medicine, Department of Imunobiology
New Haven, Connecticut, USA
Internet: immunobiology.yale.edu

Dr. Geraldine de Heer, Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie, Spezielle Internistische Intensivmedizin
Stellvertretende Klinikdirektorin der Klinik für Intensivmedizin
Zentrum für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52, 20246 Hamburg
Tel. (040) 7410 57010
E-Mail: deheer@uke.de

Dr. Axel Nierhaus, Facharzt für Anästhesiologie, Spezielle Anästhesiologische Intensivmedizin
Geschäftsführender Oberarzt
Zentrum für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Klinik für Intensivmedizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52, 20246 Hamburg
Tel. (040) 7410 57010
E-Mail: nierhaus@uke.de

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