Sendedatum: 18.03.2014 20:15 Uhr  | Archiv

"Endometriose kann definitiv geheilt werden"

Eine Endometriose ist eine häufige und chronische Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter wuchert. Die Frauen quälen sich oft jahrelang mit starken Unterleibsschmerzen, bis die wahre Ursache erkannt wird.

 

Bild vergrößern
"In Deutschland hat die Endometriose keine Lobby", sagt Dr. Ingo von Leffern.

Was passiert im Körper, welche Symptome sind typisch und wie wird die Erkrankung behandelt? Dr. Ingo von Leffern, Chefarzt der Gynäkologie im Albertinen-Krankenhaus in Hamburg, im Interview.

Was ist Endometriose und wo lagern sich die Herde an?

Dr. Ingo von Leffern: Eigentlich befindet sich die Schleimhaut in der Gebärmutterhöhle. Bei Endometriose-Patientinnen ist diese Schleimhaut aber in der Bauchhöhle, auf dem Bauchfell und kann an der Blase, am Darm, in den Eierstöcken, an den Eileitern sowie auf der Gebärmutter vorkommen. Das können auch manchmal nur sehr winzige, stecknadelkopfgroße Herde sein. Diese bluten auch jeden Monat und verursachen Schmerzen. Es findet eine permanente Entzündung statt. Deswegen helfen auch entzündungshemmende Medikamente manchmal ganz gut gegen die Schmerzen.

Im Blut befindet sich der Klebstoff Fibrin. Deshalb kann es bei Endometriose-Patientinnen auch zu Verklebungen der Organteile kommen - Eileiter, Eierstöcke und Darm können zusammenkleben. Das macht einen großen Teil dieser Erkrankung aus. Eine Folge kann sein, dass die Frauen nicht schwanger werden können, weil der Eileiter das Ei nicht richtig aufnehmen kann.

Was sind typische Symptome einer Endometriose?

Von Leffern: Wenn eine Frau drei Tage völlig ausgeschaltet ist oder massive Regelschmerzen hat, dann ist es ein Signal, das man nicht ignorieren sollte. Dann sollte man beim Arzt drauf drängen, dass das untersucht wird, denn das ist nicht mehr normal. Patientinnen berichten, dass sie beim Lagewechsel, Gehen, Stehen oder Liegen Schmerzen haben. Außerdem haben sie Schmerzen beim Sex. Häufig leiden die Frauen wöchentlich unter Schmerzen.

Am Anfang steht meist der wiederkehrende Monatsblutungsschmerz, der aber auch übergehen kann in einen permanenten Schmerz. Hier sind dann die Entzündungsvorgänge und die Verklebungen die Auslöser.

Kann so ein Endometrioseherd wieder abheilen und wie ist zu erklären, dass diese so groß werden können?

Von Leffern: Eine Endometriose kann ganz unterschiedlich verlaufen. Wir wissen auch noch nicht, wann eine Endometriose weiter wächst, in sich weiter wächst oder neue Herde entstehen. Wir wissen eigentlich noch nicht mal ganz genau, wie Endometriose überhaupt entsteht. Es gibt Herde, die ganz oberflächlich auf dem Bauchfell sind und starke Schmerzen verursachen. Es gibt aber auch Herde, die wachsen fast wie ein Krebs in das Gewebe rein. Das nennen wir eine tief infiltrierende Endometriose. Erstaunlich ist, dass die Beschwerden gar nicht von der Ausdehnung abhängen. Es können sehr kleine Herde sein, die starke Schmerzen auslösen, während große Herde manchmal gar keine Beschwerden auslösen.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 18.03.2014 | 20:15 Uhr