Stand: 12.08.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Ebola: Wie weit ist die Forschung?

Das gefährliche Ebola-Virus existiert schon seit Jahrhunderten, doch noch immer gibt es keine Therapie gegen den Erreger. In den vergangenen Wochen starben bei dem bisher stärksten Ausbruch mehr als 1.000 Menschen in Afrika. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den "Internationalen Gesundheitsnotstand" ausgerufen - damit kann die WHO nun weltweit verbindliche Vorschriften erlassen, um die Ebola-Epidemie zu bekämpfen.

Ohne wirksame Medikamente gegen das Virus können die Ärzte nicht mehr tun, als zu versuchen, eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Die Ansteckung mit dem Ebola-Virus erfolgt über Körperflüssigkeiten wie Speichel, Urin, Blut oder Schweiß. Die Viren können lange überleben, zum Beispiel auf Tischplatten. Bei Raumtemperatur bleibt das Virus mehrere Tage infektiös.

Erreger in Afrika sehr aggressiv

Der in Westafrika grassierende Erreger gilt als besonders aggressiv, bis zu 90 Prozent der Infizierten sterben daran. Einmal in den Körper gelangt, hemmt das Virus das Immunsystem. Das Virus verbreitet sich rasend schnell. Erst in der Lunge, dann dringt es in die anderen Organe ein. Es kommt zu Blutungen, worauf die Blutgerinnung aktiviert wird. Dadurch verstopfen die kleinen Blutgefäße. Die Organe bekommen nicht mehr genug Sauerstoff und versagen. Es kommt zu grippeähnlichen Symptomen mit starkem Fieber, im weiteren Verlauf auch zu Erbrechen, Durchfall und schweren Hautausschlägen.

Bislang gibt es weder ein zugelassenes antivirales Medikament noch einen Impfstoff gegen Ebola. Weltweit suchen Wissenschaftler nach geeigneten Wirkstoffen, auch am Hamburger Tropeninstitut. Dort prüfen Forscher derzeit ein Grippemittel im Tierversuch.

Verschiedene Ansätze zur Behandlung

Die Infektiologen auf der ganzen Welt verfolgen weitere Ansätze im Kampf gegen Ebola. Das Medikament ZMapp, das bei zwei infizierten US-Amerikanern eingesetzt wurde, besteht aus drei verschiedenen Antikörpern. Sie docken an bestimmten Eiweißstrukturen in der Zellwand des Virus an und sollen so verhindern, dass sie weitere Zellen anstecken. Wenn das gelingt, könnte das Immunsystem infizierte Zellen vernichten.

Von einem Durchbruch im Kampf gegen Ebola wollen Experten noch nicht sprechen, denn die Gabe dieses Medikaments verlief rein experimentell. Mögliche Nebenwirkungen sind noch nicht einzuschätzen, da das US-Militär dieses Mittel zuvor nur an Affen getestet hatte.

Wirkstoffe bisher nicht zugelassen

Ein andere Idee sind sogenannte RNA-Interferenz-Medikamente. Sie sollen die Weitergabe genetischer Informationen der Ebola-Viren verhindern. Dadurch sollen die Viren sich nicht mehr vermehren können.

Bereits 2009 behandelte ein Hamburger Forscher eine Kollegin vorsorglich mit einem Impfstoff, der nur an Affen erprobt wurde. Sie hatte sich versehentlich mit einer Nadel gestochen, die Ebola-Viren enthielt. Doch dieser Wirkstoff ist bisher nicht zugelassen.

Ärzte in Afrika können nur unterstützend behandeln

In Westafrika gab es bislang keine solchen experimentellen Heilversuche. Auf den Isolierstationen können die Ärzte nur unterstützend behandeln, mit Infusionen und Medikamenten den Kreislauf stabilisieren. Eine intensivmedizinische Behandlung mit künstlicher Beatmung, Dialyse und Blutersatz, die die Sterblichkeit auf bis zu 40 Prozent senken könnte, ist dort nicht möglich.

Die Experten sind sich sicher, dass sich ein eingeschlepptes Ebola-Virus in Deutschland nicht verbreiten würde, da hier die Isolierung der Erkrankten aufgrund der hohen medizinischen und hygienischen Standards deutlich effektiver wäre.

Weitere Informationen

Ebola-Patient in Spanien ist tot

Der erste Europäer ist durch das Ebola-Virus gestorben. Ein spanischer Priester, der zur Behandlung nach Madrid geflogen worden war, erlag der Infektion. Mehr auf tagesschau.de. extern

Ebola wird globaler Notfall

Die Weltgesundheitsorganisation kann ab sofort weltweit Vorschriften erlassen, um die Ebola-Epidemie in Westafrika zu bekämpfen. Mehr auf tagesschau.de. extern

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Jonas Schmidt-Chanasit
Leiter Virusdiagnostik
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Bernhard-Nocht-Straße 74
20359 Hamburg
Internet: www.bnitm.de

Dr. Stefan Schmiedel
Leiter Klinische Infektiologie
Sektion Tropenmedizin, Bernhard-Nocht-Klinik
I. Medizinische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: http://www.uke.de/kliniken/medizinische-klinik-1/index.php

Dr. Maximilian Gertler
Internist
Vorstandsmitglied Ärzte ohne Grenzen e. V.
Am Köllnischen Park 1
10179 Berlin
Tel. (030) 700 130-130
Internet: www.aerzte-ohne-grenzen.de/dr-maximilian-gertler

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