Stand: 30.11.2014 17:48 Uhr

Die Angst vorm Aids-Test überwinden

Die meisten Menschen haben mit dem Welt-Aids-Tag am 1. Dezember persönlich relativ wenig zu tun. Dabei leben alleine in Deutschland 14.000 Menschen, die das Virus in sich tragen - und nicht einmal davon wissen. Das Robert Koch-Institut hat Zahlen veröffentlicht, denen zufolge es immer noch sehr häufig vorkommt, dass sich Menschen erst sehr spät, manchmal erst nach vielen Jahren, testen lassen. Die Folgen können dramatisch sein.

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Doreen war Mitte zwanzig, als sie von der Infektion mit dem HI-Virus erfuhr. Sie lebt zusammen mit ihrem Freund "im Hier und Jetzt".

Noch im Jahr 2005 war die Vorstellung, an Aids zu erkranken, für die heute 34-jährige Doreen aus Braunschweig so weit weg wie für die meisten Menschen: "Ich kenne keinen, der es hat. Betrifft mich also nicht, dachte ich. Ich gehörte zu keiner Risikogruppe, ich konnte weder schwul sein noch drogenabhängig, noch hatte ich irgendwie ständig wechselnde Partner. Bei mir passte einfach rein gar nichts dazu." Und doch ging es ihr schlecht.

"Am Anfang habe ich mich selber total zurückgezogen"

Doreen verlor immer mehr an Gewicht, litt dann an einem inneren Pilz, dem ihre Abwehrkräfte nichts entgegenzusetzen hatten. Ein Arzt machte schließlich doch einen Test - und der war positiv. Die junge Frau, damals Mitte zwanzig, fiel nach dieser Nachricht regelrecht in ein Loch: "Weil es mir mittlerweile so schlecht ging, dachte ich, ich hätte nicht mehr lange zu leben. Nur noch ein halbes Jahr, mehr habe ich mir nicht eingerechnet. Dann war da diese Angst, meine ganzen Freunde, Familie, Bekannte, alle zu verlieren. Am Anfang habe ich mich selber total zurückgezogen."

Aufatmen nach bangen Momenten

Heute weiß Doreen, dass sie sich mit 17 bei ihrem ersten Freund angesteckt hat. Zuerst war sie wütend auf ihn. Aber dann dachte sie nur noch darüber nach, dass sie selbst fast neun Jahre lang unwissend infiziert war. "Daran hatte ich schon zu knabbern." Ihre Reaktion danach: Sie kontaktierte die Männer, mit denen sie Sex gehabt hatte. Und es stellte sich dann heraus, dass sich niemand von denen angesteckt hatte. "Ich war sehr froh drüber, aber diese Ungewissheit, diese Angst, dann vielleicht auch noch jemand anderen mit reingezogen zu haben, das war mit eine der schwierigsten Sachen", erinnert sie sich.

Aids-Hilfe will Angst vor Test nehmen

So erleichtert wie Doreen auch heute noch darüber ist, weiß sie, dass es auch anders hätte läufen können - und in vielen Fällen läuft es auch anders. Umso alarmierender ist es, dass sich immer noch so viele Menschen erst spät testen lassen, sagt auch Holger Wicht von der Deutschen Aids-Hilfe: "Es gibt Menschen, die heute schwer krank werden, vielleicht sogar in Lebensgefahr geraten, weil sie denken, wenn ich HIV-positiv bin, dann ist mein Leben zuende. Und aus dieser Angst heraus gehen sie nicht zum Test."

Damit geben sie dann dem Virus erst recht die Möglichkeit, jahrelang in ihrem Körper zu wüten. Umgekehrt kann der Ausbruch einer Aids-Erkrankung heute in den meisten Fällen verhindert werden, wenn das HI-Virus früh genug nachgewiesen wird: "Man hat heute, wenn man rechtzeitig eine Therapie beginnt, alle Chancen, mit HIV gut und lange zu leben. Es gibt eine fast normale Lebenserwartung. Man kann eine Familie gründen, man kann ganz normal arbeiten gehen, man kann auf natürlichem Wege Kinder zeugen, man kann sogar ohne Kondome Sex haben, weil die HIV-Therapien auch die Übertragung des Virus verhindern."

"Ich lebe im Hier und Jetzt"

Auch Doreen hat noch Glück gehabt. Obwohl sie von ihrer Infektion erst spät erfahren hat, haben die Medikamente das Virus in ihrem Körper inzwischen so weit zurückgedrängt, dass es ihr heute wieder gut geht. Sie arbeitet Vollzeit als Verkäuferin einer großen Kleiderkette, und sie hat sich frisch verliebt. Ihr Freund weiß von ihrer Erkrankung, und er weiß auch, wie er sich schützen kann. Beide gucken optimistisch in die Zukunft. "Jetzt versuchst Du nur noch das Beste aus Deinem Leben rauszuholen und ganz viel reinzustecken in die Zeit, die du hast. Mittlerweile mache ich mir gar keine Gedanken mehr, was noch kommen könnte, sondern lebe im Hier und Jetzt."

Informationen zum Welt-Aids-Tag

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Mit den roten Aids-Schleifen zeigen Menschen ihre Solidarität mit HIV-Infizierten und Aids-Kranken.

Zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember finden auch in zahlreichen norddeutschen Städten Informations- und Aktionsveranstaltungen statt. Unten auf dieser Seite präsentiert NDR.de eine Auswahl. Weitere Veranstaltungen, Kontakte und Infos gibt es auf den Internetseiten welt-aids-tag.de und aidshilfe.de.

  • Braunschweig

    11 bis 17 Uhr
    Aktionsstände: Kohlmarkt/Ecke Hutfiltern (gegenüber Esprit) und in der Burgpassage
    Infos im Netz: braunschweig.aidshilfe.de

  • Hannover

    11 bis 21 Uhr
    Informationsstand in der Kirchenbude auf dem Weihnachtsmarkt Lister Meile
    Infos im Netz: hannover.aidshilfe.de

  • Lübeck

    18 bis 19 Uhr
    Solidaritätsmarsch durch die Lübecker Innenstadt. Treffpunkt: Engelsgrube 16. Der Marsch endet in der Königstraße 18, wo um 19 Uhr die Welt-Aids-Tag-Andacht mit Pastor Matthias Liberman und Menschen aus dem Kreis der Lübecker Aids-Hilfe e.V. stattfindet.
    Infos im Netz: luebecker-aidshilfe.de

  • Hamburg

    19 bis 23 Uhr
    "Hamburg vereint gegen Aids"
    Veranstaltungen im Ernst-Deutsch-Theater und in der Hamburgischen Staatsoper
    Red-Ribbon-Aktion der Aids-Hilfe Hamburg
    Infos im Netz: aidshilfe-hamburg.de

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 01.12.2014 | 07:20 Uhr