Stand: 31.01.2017 14:53 Uhr

Depressionen: Ursachen, Symptome, Behandlung

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An einer Depression können Menschen in jedem Lebensalter erkranken.

Eine Depression ist eine Störung der Gemütslage, eine sogenannte affektive Störung. Betroffene fühlen sich niedergeschlagen. Oft ist es ihnen unmöglich, ihre alltäglichen Aufgaben zu bewältigen. Alles erscheint ihnen hoffnungslos. Einige verlieren sogar den Lebenswillen. Eine Depression ist eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung, die professionell behandelt werden muss.

Weit verbreitete psychische Erkrankung

An einer Depression können Menschen in jedem Lebensalter erkranken - von der Kindheit bis ins hohe Alter. In Deutschland sind circa drei Millionen Menschen betroffen. Damit gehört die Depression zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Betroffenen nehmen sich das Leben.

Frauen häufiger betroffen als Männer

Frauen sind etwa doppelt so häufig von einer Depression betroffen wie Männer. Es wird vermutet, dass Frauen wegen hormoneller Schwankungen anfälliger für die Erkrankung sind. Allerdings werden Depressionen bei Männern seltener entdeckt: Oft scheuen sie sich, Schwäche zu zeigen und Hilfe zu suchen. Sie zeigen außerdem andere Symptome als Frauen, zum Beispiel aggressives und exzessives Verhalten.

Symptome einer Depression

Laut Klassifizierungssystem ICD-10 deuten folgende Symptome auf eine Depression hin:

  • Fast ununterbrochene depressive Stimmung in starkem Ausmaß, die nicht von außen beeinflussbar ist und mindestens zwei Wochen anhält
  • Verlust von Freude und Interessen
  • Antriebslosigkeit oder Müdigkeit

Betroffene fühlen sich über viele Tage hinweg ununterbrochen niedergeschlagen. Selbst positive Erlebnisse können ihre Stimmung nicht verbessern.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen von Depressionen sind noch nicht vollständig geklärt. Eine Depression kann aber auch plötzlich - quasi über Nacht kommen - sie kann jeden treffen, genau wie jede andere Krankheit. Offenbar spielen bei der Entstehung innere und äußere Faktoren zusammen, zum Beispiel biologische, genetische und psychosoziale Faktoren.

  • Genetisch: Das Risiko, an einer Depression zu erkranken, ist erhöht, wenn die Erkrankung bereits in der Familie aufgetreten ist.
  • Gestörter Hirnstoffwechsel: Einige Experten glauben, dass ein niedriger Noradrenalin- oder Serotoninspiegel mitverantwortlich für eine Depression ist. Der gestörte Austausch zwischen Nervenzellen kann zu Antriebslosigkeit, Appetitmangel und Schlaflosigkeit führen.
  • Fehlregulierte Stresshormone: Depressive Menschen haben in einigen Fällen erhöhte Werte des Stresshormons Cortisol, das in der Nebennierenrinde produziert wird. Eine hohe Cortisolausschüttung kann das Gehirn schädigen
  • Stress: Psychosoziale Belastungen spielen bei der Entstehung von Depressionen eine entscheidende Rolle. Oft gehen negative Lebensereignisse mit Stress einher, zum Beispiel der Tod eines nahestehenden Menschen, Trennung, Jobverlust oder eine schwere Krankheit. Doch auch positive Ereignisse wie die Geburt eines Kindes, Hochzeit oder Beförderung erzeugen Stress und lassen die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken, steigen. Das Risiko, an einer Depression zu erkranken, steigt außerdem in Lebensphasen mit verstärktem Stress, zum Beispiel Pubertät oder Rentenbeginn.
  • Verletzlichkeit: Ein besonders hohes Depressionsrisiko haben Menschen, die bereits in der Kindheit traumatische Erlebnisse wie Missbrauch oder Vernachlässigung erlitten haben. Ihnen kann es schwerfallen, mit belastenden Situationen umzugehen.
  • Lebenseinstellung: Menschen, die schlecht von sich, über die Welt und die Zukunft denken, haben ein höheres Risiko. Ein positives Selbstwertgefühl und Optimismus können hingegen vor Depressionen schützen.
  • Körperliche Erkrankungen: Erkrankungen des Gehirns und Hormonstörungen wie eine Schilddrüsenunter- oder -überfunktion beeinflussen die Gefühlswelt. Auch Menschen, die an schweren Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes leiden, entwickeln häufiger Depressionen.
  • Medikamente: Herz-Kreislauf-Medikamente (Betablocker), Kortison, hormonelle Verhütungsmittel und einige neurologische Medikamente wie Antiepileptika und Anti-Parkinson-Mittel können Depressionen begünstigen.

Untersuchungen und Diagnose

Schon beim Verdacht auf eine Depression sollten Betroffene einen Arzt, Psychiater oder Psychotherapeuten aufsuchen. Je früher eine Depression erkannt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Folgende Fragen könnte der Arzt stellen:

  • War Ihre Stimmung in den letzten Wochen oft niedergeschlagen oder gedrückt?
  • Waren Sie in letzter Zeit häufig antriebslos und müde?
  • Hatten Sie in letzter Zeit gehäuft Selbstzweifel, Schuldgefühle oder negative Gedanken?
  • Leiden Sie unter Schlafstörungen?
  • Hatten Sie in letzter Zeit Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren?
  • Hat sich in letzter Zeit Ihr Appetit verändert?

Körperliche Untersuchungen sind für die Diagnose ebenfalls wichtig. Dazu gehören eine Blutuntersuchung und eventuell eine Computertomografie (CT) des Gehirns. Denn auch ein niedriger Blutzuckerspiegel, Vitamin-B12-Mangel, eine Demenz, Schilddrüsenprobleme (meist Unterfunktion) und Veränderungen des Gehirns können Ursache depressiver Symptome sein.

Bestätigt sich der Verdacht auf eine Depression, wird der Betroffene an eine spezialisierte Klinik oder einen ambulanten Psychiater oder Psychotherapeuten weitergeleitet. Diese können einen individuell angepassten Behandlungsplan für den Patienten erstellen.

Verschiedene Formen der Depression

Je nach Schweregrad und Verlauf unterscheiden Ärzte verschiedene Formen der Depression:

  • Eine depressive Episode liegt vor, wenn die Symptome mindestens zwei Wochen lang auftreten. Eher selten kommt es im Laufe eines Lebens nur zu einer einzigen depressiven Episode. 75 Prozent der Betroffenen erleiden innerhalb von zehn Jahren einen Rückfall. Je früher eine depressive Episode behandelt wird, desto geringer ist das Rückfallrisiko.
  • Bei einer rezidivierenden depressiven Störung erleben Betroffene immer wieder depressive Episoden. Sie ist die häufigste Form der Depression. Das Leben ist stark eingeschränkt. Viele Betroffene können ihren Beruf nicht mehr ausüben, soziale Beziehungen können zerbrechen.
  • Bei einer chronischen Depression (Dysthymie) leiden Betroffene ununterbrochen an depressiven Symptomen. Diese sind jedoch in der Regel schwächer ausgeprägt. Diese Form wird häufig nicht erkannt. Viele Betroffene halten ihre niedergedrückte Stimmung für normal. Doch auch eine chronische Depression beeinträchtigt die Lebensqualität, die Leistungsfähigkeit und soziale Beziehungen.
  • Von einer bipolaren Störung sprechen Ärzte, wenn sich Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit mit Selbstüberschätzung, extremer Euphorie und übertriebenem Aktionismus abwechseln. Früher wurde diese Form manisch-depressive Störung genannt.

Nebenerkrankungen einer Depression

Depressionen treten häufig zusammen mit anderen psychischen Störungen auf: zum Beispiel Angst- oder Panikstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Suchterkrankungen, Essstörungen oder Demenzerkrankungen. Eine Therapie kann nur dann erfolgreich sein, wenn auch die anderen seelischen Probleme behandelt werden.

Depressionen frühzeitig behandeln

Den meisten Betroffenen kann mit einer konsequenten Behandlung gut geholfen werden. Eine Therapie durchbricht depressive Episoden oder lässt sie vollkommen abklingen. Unbehandelt ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass eine Depression über Monate oder Jahre bestehen bleibt. Je früher die Behandlung beginnt, umso besser sind Depressionen heilbar.

  • In leichteren bis mittelschweren Fällen kann bereits eine kognitive Verhaltenstherapie helfen.
  • Oft werden Medikamente (Antidepressiva) eingesetzt, vor allem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Sie lassen den Serotoninspiegel ansteigen und können die Symptome verbessern. Allerdings dauert es meist Wochen, bis die Medikamente wirken.
  • Für die Behandlung von chronischen und wiederkehrenden Depressionen hat sich die Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie bewährt.
  • Bei einer schweren Depression empfiehlt sich ein stationärer Aufenthalt in einer Klinik. Die Behandlung mit Medikamenten, psychotherapeutische Therapieangebote und eine intensive Betreuung helfen Betroffenen, zu einem strukturierten Tagesablauf zurückzukehren. Besteht ein hohes Suizidrisiko, können depressive Menschen auch gegen ihren Willen in eine Klinik eingewiesen werden.
  • Haben Psychotherapie und Medikamente nicht die erhoffte Wirkung und verlieren Betroffene zunehmend den Lebenswillen, kann eine Elektrokrampftherapie hilfreich sein.

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