Sendedatum: 19.11.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Depression im Alter häufig nicht erkannt

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Häufig ist die Altersdepression eine Begleiterkrankung.

Nach Schätzungen von Experten leidet rund ein Viertel aller Menschen über 70 Jahre an Depressionen. Frauen sind häufiger von der Altersdepression betroffen als Männer. Da sich die Depressionen im Alter eher durch körperliche Beschwerden als durch psychische Auffälligkeiten ausdrücken können, wird das Leiden der Betroffenen oft gar nicht oder erst spät erkannt.

Neben Traurigkeit sowie dem Gefühl des Energieverlustes und vermehrter Müdigkeit, verstecken sich die Depressionen bei alten Menschen oft hinter diffusen körperlichen Beschwerden wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Verstopfung. Auch ein reduzierter Appetit mit einem zunehmenden Gewichtsverlust, Schlafstörungen, eine verminderte Konzentrations- und Entscheidungsfähigkeit sowie eine psychomotorische Verlangsamung sind typisch.

Veränderungen im Alltag können Auslöser sein

Depressionen älterer Menschen haben oft altersspezifische Auslöser. Der Eintritt ins Rentenalter mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses geht mit vielen Umstellungen im Bereich der Tagesstruktur, Beschäftigung und vor allem auch der eigenen Wertschätzung einher. Auch der zunehmende Verlust an körperlicher und sozialer Selbständigkeit kann die Stimmung negativ beeinflussen. Wenn zum Beispiel langjährigen Hobbies nicht mehr nachgegangen werden kann und die reduzierte Mobilität den Bewegungsradius zunehmend einschränkt, droht die soziale Isolation der Betroffenen.

Der Verlust des Partners oder gleichaltriger Verwandter, von Freunden und Bekannten geht nicht selten mit einer starken seelischen Belastung einher. Die Verluste hinterlassen in vielen Fällen ein ausgeprägtes Gefühl an Traurig- und Trostlosigkeit. Nicht selten werden andere Wunden und Traumata wie Kriegserlebnisse oder andere körperliche und seelische Verletzungen reaktiviert.

Diagnose häufig schwierig

Die Diagnose Altersdepression ist oft schwierig, da sie auch als Begleiterscheinungen anderer Grunderkrankungen auftreten kann. Insbesondere bei neurologischen Erkrankungen wie dem Morbus Parkinson und Demenzerkrankungen treten gehäuft begleitende depressive Störungen auf. Aber auch im Rahmen von Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes können Depressionen auftreten.

Medikamentöse Therapie oft schwierig

Auch Medikamente können eine Altersdepression auslösen, zum Beispiel Betablocker, Kortisonpräpaarte oder - recht selten - einige Antibiotika. Selbst die oft unüberschaubaren Wechselwirkungen zwischen den vielen verschiedenen Medikamenten, die im Alter eingenommen und verschrieben werden, können das Auftreten von Depressionen begünstigen. Daher ist die medikamentöse Therapie von Depressionen im Alter eine Herausforderung.

Aufgrund möglicher zusätzlicher Erkrankungen, insbesondere des Herzens gelten einige herkömmliche Substanzen, die sich bei jungen Menschen gut zur Behandlung depressiver Störungen eignen, für Senioren als ungeeignet. So scheinen sogenannte (Selektive Serotonin Wiederaufnahmehemmer (SSRI) im Vergleich zu trizyklischen Antidepressiva hinsichtlich ihres Nebenwirkungsprofil für ältere Menschen vorteilhafter zu sein.

Zur Behandlung stehen neben Medikamenten weitere wirksame Psychotherapieansätze zur Verfügung. Das gemeinsame Ziel aller Methoden ist, die Förderung der Fähigkeit mit sich selbst und mit anderen Menschen angenehm umgehen zu können. Dabei wird einerseits nach den Hintergründen des aktuellen Leidens im Leben der Patienten gefragt, andererseits aber auch frühere Bewältigungsmöglichkeiten aufgespürt und die Erfahrung einer haltgebenden und förderlichen Beziehung vermittelt.

Wo findet man Hilfe?

Psychotherapien können sowohl ambulant in der Praxis eines Psychotherapeuten oder stationär in psychosomatischen und auch in psychiatrischen Kliniken wahrgenommen werden. Der erste Kontakt zu einem Psychotherapeuten oder einer entsprechenden Einrichtung kann über den Hausarzt erfolgen.

Psychiatrische und Psychosomatische  Kliniken, aber auch Ausbildungsinstitute für Psychotherapeuten (zum Beispiel in Kiel, Lübeck, Hamburg, Bremen, Hannover und Göttingen) bieten ambulante Vorgespräche an, um die Form der Psychotherapie anhand der individuellen Bedürfnisse der Patienten auszuwählen.

Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Hans-Peter Unger, Psychiater und Psychotherapeut
Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Zentrum für Seelische Gesundheit
Asklepios Klinik Hamburg-Harburg
Eißendorfer Pferdeweg 52
21075 Hamburg
Tel. (0 40) 18 18 86 32 54
Fax: (040) 18 18 86 39 96
E-Mail h.unger(at)asklepios.com

Im Beitrag:
PD Dr. Reinhard Lindner
Oberarzt für Gerontopsychosomatik und Alterspsychotherapie an der Medizinisch-Geriatrischen Klinik Albertinen-Haus
Sellhopsweg 18-22
22459 Hamburg
Tel. (040) 558 10
Fax: (040) 55 81 12 06

Prof. Rudolf Friedrich Töpper
Facharzt für Neurologie
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Zentrum für Seelische Gesundheit
Asklepios Klinik Hamburg-Harburg
Eißendorfer Pferdeweg 52
21075 Hamburg
Tel. (040) 18 18 86 26 45

Dieses Thema im Programm:

Visite | 19.11.2013 | 20:15 Uhr

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