Stand: 07.04.2015 14:52 Uhr  | Archiv

Chronische Wunden richtig behandeln

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Problemwunden können viele Ursachen haben.

Will die Haut bei hartnäckigen offenen Stellen an Fuß, Knöchel oder Unterschenkel trotz moderner Wundverbände nicht heilen, liegt das oft an einer falschen Diagnose. Problemwunden können viele Ursachen haben: Durchblutungsstörungen durch Arterienverkalkung, alte Blutgerinnsel in den Venen, Nervenschäden durch Diabetes oder weißer Hautkrebs. Eine Chance auf Heilung gibt es nur, wenn die richtige Ursache gefunden und gezielt behandelt wird. Fehldiagnosen bei chronischen Wunden haben dramatische Auswirkungen für die Patienten: jahrelanges Leid, ständige Infektionen, Operationen und am Ende womöglich sogar eine Amputation.

Wann sollten Betroffene handeln?

Grundsätzlich muss man hellhörig werden, wenn bei einer Wunde innerhalb von acht bis höchstens zwölf Wochen keine deutliche Verbesserung erkennbar ist oder immer noch Schmerzen, Entzündungen und Sekretfluss bestehen. Kommt der behandelnde Arzt nicht weiter, sollte sich der Patient in einem Wund-Spezialzentrum vorstellen. Durchschnittlich 80 Prozent aller chronischen Wunden können geheilt werden, sagen Experten. Heilt eine Wunde über einen längeren Zeitraum nicht, kann auch eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Wunde Aufschluss bringen. Ist weißer Hautkrebs die Ursache, muss dieser operativ entfernt werden. Damit die Wunde danach zuheilen kann, wird ein Transplantat aus einem Stück Haut, zum Beispiel aus dem Oberschenkel, verpflanzt.

Problem diabetische Wunden

Diabetische Wunden entstehen meist an Stellen mit großer Druckbelastung, zum Beispiel an den Zehen oder am Ballen. Das liegt daran, dass bei einer Diabetes-Erkrankung die kleinen Gefäße mit der Zeit porös werden und das Gewebe deshalb schlechter durchblutet ist. Auch die Nerven nehmen beim Diabetes Schaden, sodass der Patient Verletzungen nicht mehr wahrnimmt. Das Gewebe wird mürbe und weich - es hält dem Druck beim Gehen nicht mehr Stand.

Tipps für Menschen mit Diabetes:

- Mindestens einmal im Jahr die Füße von Hausarzt oder Diabetologen untersuchen lassen
- Immer geeignetes Schuhwerk tragen
- Scharfe Gegenstände wie Scheren sind für die Füße tabu
- Hitze (zum Beispiel Wärmflasche) vermeiden
- Wenn eine Wunde nicht innerhalb von zwei Wochen abheilt, sofort einen Arzt aufsuchen
- Nie barfuß oder auf Socken laufen
- Beim Arzt erfragen, welche Sport sinnvoll ist
Quelle: Aktion "Amputation verhindern"

Eine Wunde am Fuß kann zwar winzig aussehen, aber sehr tief gehen, weil das Gewebe von innen fault. Oft bleibt dann nur die Amputation des Fußes. In einer Spezialambulanz kann der Fuß operativ ausgeschält werden und danach langsam zuheilen. Diabetiker sollten ihre Gliedmaßen regelmäßig auf Stellen untersuchen und zur professionellen Fußpflege gehen.

Häufig Gefäßprobleme der Auslöser

Bei 60 Prozent der chronischen Wunden sind Gefäßprobleme der Auslöser. Besonders oft beginnt es am Unterschenkel, direkt über dem Innenknöchel. Gesunde Venen transportieren das verbrauchte Blut nach oben in Richtung Herz, doch nach einem Venenverschluss, einer Thrombose oder bei schwachen tiefen Venen ist dieser Blutfluss behindert. Aus den gestauten Venen wird Flüssigkeit ins Gewebe gepresst, es schwillt an, der Knöchel wird dick, die Haut verfärbt sich und wird dünner und verletzlich. Schließlich entwickeln sich aus den Druckstellen Wunden. Bleibt der Dauerdruck im Gewebe bestehen, hat das Bein keine Chance zu heilen - die Wunde wächst sogar weiter.

Links

Wundzentrum Hamburg

Fragen und Antworten, Patientenbroschüren, aktuelle Informationen. extern

Initiative Chronische Wunden

Informationen für Betroffene und Angehörige. extern

Kompressionsverbände können die Venen entlasten, damit die Wunde heilen kann. Nur mit Ultraschall lässt sich eine Venenschwäche zweifelfrei erkennen, denn gefährlich sind nicht die äußeren, sondern die inneren Krampfadern. Betroffene müssen möglichst viel laufen und dabei immer Kompressionsstrümpfe tragen, damit keine neuen Wunden entstehen. Bei Venenschwäche gilt das Motto: Stehen und sitzen sind schlecht - lieber liegen oder laufen. Patienten mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) in den Beinen sollten Gefäßtraining machen und ihren Blutdruck senken, raten Experten.

Auch kleinste Wunden müssen immer ernst genommen werden: Eine Hausapotheke sollte zur Wundversorgung Desinfektionsspray, Pflaster, Panthenol- und Jodsalbe enthalten. Eine frische Wunde muss zuerst von groben Bestandteilen gereinigt und dann sofort mit Spray desinfiziert werden. Panthenol kann die Heilung fördern. Jede Wunde sollte mit einem Pflaster abgedeckt werden. Bei eiternden Wunden wird Jodsalbe aufgetragen. Generell gilt: Eine Wunde muss feucht gehalten werden. Moderne Pflaster helfen dabei, denn sie sind entsprechend beschichtet. Und ganz wichtig: den Tetanus-Schutz prüfen und gegebenenfalls auffrischen lassen.

Weitere Informationen

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Interviewpartner:

Im Studio:
PD Dr. Katharina Herberger D.A.L.M.
Fachärztin für Dermatologie und Venerologie
Oberärztin Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 54 28
Fax (040) 741 05 53 48
Internet: www.uke.de

Im Beitrag:

Prof. Dr. Matthias Augustin
Direktor
Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 54 28
Fax (040) 741 05 53 48
Internet: www.uke.de

Dr. Karl-Christian Münter
Allgemeinmediziner, Phlebologe
Bramfelder Chaussee 200, 22177 Hamburg
Tel. (040) 641 78 68
Fax (040) 642 41 00
Internet: www.gemeinschaftspraxis-bramfeld.de

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