Stand: 18.09.2017 12:00 Uhr

Schönheits-OP: Warnung vor dubiosen Anbietern

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Bei jeder 100. Schönheits-OP kommt es zu Komplikationen.

Das Geschäft mit Schönheitsoperationen boomt. Auf der Wunschliste stehen oft größere Brüste, eine gerade Nase und schlanke Oberschenkel. Doch mit dem Ergebnis sind viele unzufrieden. Jeder 100. Betroffene leidet nach einer Schönheits-OP unter Schmerzen, lebenslangen Entstellungen, Narben oder Funktionsstörungen. In einigen Fällen werden ungeplante weitere Operationen erforderlich.

Wenn etwas schiefgeht, mangelt es häufig an den nötigen Voruntersuchungen, an der fachlichen Beratung und Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen. Viele Operateure sind für den gewünschten Eingriff nicht ausreichend ausgebildet. Das Problem: Der Begriff Schönheitschirurg oder Kosmetischer Chirurg ist nicht geschützt. Jeder Arzt darf also für die Schönheit zum Skalpell greifen - egal, ob Kieferchirurg, Gynäkologe, Haut- oder Augenarzt. Besonders groß ist das Risiko bei günstigen Anbietern, die massenhaft auf den Markt drängen.

Mehrere Zeitungsartikel über Schönheits-OPs.

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Seriösen Schönheitschirurgen finden

Wer sein Äußeres mit chirurgischer Hilfe verändern will, sollte einen Facharzt für Ästhetisch-Plastische Chirurgie wählen, zu erkennen an einer Mitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC). Der Begriff ist geschützt und garantiert, dass der Arzt für die gewünschte Operation qualifiziert ist. Vorsicht ist angebracht, wenn

  • es keinen direkten Ansprechpartner gibt
  • ein Arzt wenig Zeit hat
  • es  kein ausgiebiges Beratungsgespräch gibt
  • ein Arzt oberflächliche Aussagen macht, zum Beispiel das Narkose-Risiko verharmlost

Zu einer guten Aufklärung gehören:

  • ein detaillierter Kostenvoranschlag
  • rechtzeitige Beratung durch den Operateur, nicht erst am Vorabend des Eingriffs und nicht nur per Aufklärungsbogen
  • eine umfassende, genaue Erläuterung der Risiken

Wer unsicher ist, sollte sich vor der Entscheidung für oder gegen einen Eingriff eine zweite Meinung einholen.

Vorsicht bei günstigen Angeboten im Ausland

Auch bei günstigen Angeboten im Ausland sei oft Skepsis angebracht: Vor Ort könne der Preis plötzlich höher werden, außerdem könnten Probleme bei der Nachsorge und bei Haftungsfragen auftreten. Oft seien Hygienestandards schlechter als in Deutschland.

Diese Schönheits-OPs gehen häufig schief

Besonders oft kommt es bei Brustvergrößerungen, Nasen-OPs und Fettabsaugen zu Komplikationen. Bei Lidstraffungen kann es passieren, dass sich nach dem Eingriff ein Auge nicht mehr richtig schließen lässt. Viel Erfahrung erfordern Botox-Spritzen zur Faltenreduzierung, sonst kann es auch dort zu Komplikationen wie Lidschlussproblemen oder deformierten Gesichtszügen kommen.

Arzt haftet nur für Behandlungsfehler

Unzufriedenheit nach einer Schönheitsoperation begründet keinen Anspruch auf Schadenersatz. Denn der Arzt haftet nicht für das Ergebnis, wenn die Operation ordnungsgemäß ablief. Bei einem vermuteten Behandlungsfehler trägt der Betroffene die Beweislast. Bei Behandlungen im Ausland ist es für Betroffene meist noch schwieriger, einen Anspruch auf Schadenersatz durchzusetzen.

Diese Schönheitsoperationen zahlt die Krankenkasse

Hat eine Schönheitsoperation vorwiegend medizinische Gründe, zahlt die Krankenkasse den Eingriff unter bestimmten Bedingungen. Wichtig für die Kostenübernahme ist der Nachweis der medizinischen Notwendigkeit durch den Medizinischen Dienst der Kassen (MDK) vor der Operation.

Eine Erstattung der Kosten ist zum Beispiel in folgenden Fällen möglich:

  • Brustvergrößerung: bei extrem ungleich großen Brüsten, nach einer Tumorentfernung oder einer angeborenen Deformation der Brust
  • Brustverkleinerung: bei orthopädischen Beschwerden durch das Gewicht großer Brüste (Rückenprobleme), wenn mindestens 400 Gramm pro Brust entfernt werden müssen
  • Lidkorrektur (Oberlid): bei Beeinträchtigung des Sichtfeldes durch hängende Oberlider
  • Nasenkorrektur: bei Atmungsproblemen zum Beispiel durch eine extrem schiefe Nasenscheidewand oder nach einem Unfall
  • Fettabsaugen (Liposuktion): bei krankhaften Fettansammlungen an den Hüften und Oberschenkeln und Oberarmen (Lipödem)
  • Bauchdeckenstraffung: eventuell bei chronischen Entzündungen oder Ekzemen in den Hautfalten und bei Schmerzen

Krankenkasse zahlt nicht für Folge-OP

Sind nach einer missglückten Operation Folgeeingriffe nötig, übernehmen die Krankenkassen die Kosten dafür meist nicht. Ein seriöser Schönheitschirurg wird bei Reklamationen anbieten, auf Kulanz nachzuarbeiten. Sollte das nicht klappen, kann man sich zum Beispiel an die Schlichtungsstelle der Ärztekammer oder an die Verbraucherberatung wenden.

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Interviewpartner

Dr. Jan Pasel, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Praxisklinik Colonnaden
Colonnaden 9, 20354 Hamburg
Tel. (040) 34 24 39, Fax (040) 34 46 53
Internet: www.praxisklinik-colonnaden.de

Dr. Pejman Boorboor, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Parkklinik
Plastische Chirurgie Hannover
Hermann-Bahlsen-Allee 49, 30655 Hannover
Tel. (0511) 390 88 13
Kontakt: www.dr-boorboor.de

Weitere Informationen:
Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC)
Bergmannstraße 102, 10961 Berlin
Tel. (030) 887 102-200, Fax (030) 887 102-201
Internet: www.dgaepc.de

Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und
Ästhetischen Chirurgen e. V.
Luisenstraße 58-59, 10117 Berlin
Tel. (030) 28 00 44 50, Fax (030) 28 00 44 59
Internet: www.plastische-chirurgie.de

Dieses Thema im Programm:

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