Stand: 19.09.2017 22:01 Uhr

Chat-Protokoll zum Thema Herzinfarkt

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Dr. Melanie Hümmelgen hat im Chat Fragen zum Thema Herzinfarkt beantwortet.

Bei einem Herzinfarkt kommt es zum plötzlichen und vollständigen Verschluss eines Herzkranzgefäßes. Teile des Herzmuskels werden dann nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, Muskelgewebe stirbt ab. Einen Herzinfarkt erleiden in Deutschland jeden Tag rund 800 Menschen. Er bedeutet immer Lebensgefahr. Bei einem Verdacht sollte man daher nicht zögern, sofort den Rettungsdienst zu alarmieren (Telefon: 112).

Die Kardiologin Dr. Melanie Hümmelgen vom RehaCentrum Hamburg hat Fragen zum Thema im Visite Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Susi: Ich bin 68 Jahre, weiblich, und habe vor zehn Monaten einen Vorderwandinfarkt gehabt. Meine Herzleistung ist noch etwas über 40. Ich habe jetzt eine Mitralklappeninsuffizienz zweiten Grades. Wann sollte ich das operieren lassen? Und in welche Klinik gehe ich dann am besten? Mein Puls ist abends oft unter 50. Ich nehme Metroprolol 47,5 mg, zwei Tabletten Brilique 90 mg, Simvastatin 40 mg und Ass 100 Protect.

Dr. Melanie Hümmelgen: Die geschilderte verminderte Pumpleistung ist eine typische Folge eines Herzinfarktes. Eine Mitralklappeninsuffizienz zweiten Grades ist in der Regel kein Grund für eine OP. Eine engmaschige Kontrolle bei einem Kardiologen/einer Kardiologin ist erforderlich, um u. a. auch die medikamentöse Therapie zu optimieren.

Steffi: Mein Vater hatte 2009 einen Infarkt, ist nun vor zwei Wochen mit 61 plötzlich verstorben. Vermutlich wieder HI ... Meine Mama hatte einen mit 52. Ich habe Angst um sie und mich ... Kann ich mich schützen? Ist es vererbbar?

Hümmelgen: Die Gene sind ein großer Risikofaktor für die Entstehung von Herzinfarkten. Da Ihre beiden Eltern unter 55 Jahre alt waren, haben Sie in der Tat prinzipiell ein erhöhtes Risiko. Deshalb ist es insbesondere wichtig, dass Sie die in der Sendung genannten Hinweise zur Lebensführung (nicht rauchen, Sport treiben, gesunde Ernährung, Normgewichtigkeit) beachten. Sie sollten sich zunächst bei Ihrem Hausarzt untersuchen lassen.

Kathi: Bei tiefem Ein- uns Ausatmen gelegentlich Schmerzen in der Brust. Auch Anzeichen?

Hümmelgen: Der atemabhängige Schmerz deutet eher auf andere Probleme hin, aber nichts ist ausgeschlossen. Lassen Sie sich im Zweifel untersuchen.

Lavendel: Kann eine Herzentzündung bzw. Endokarditis einen Herzinfarkt auslösen? Und wenn ja, was kann man dagegen tun?

Hümmelgen: In der Tat kann durch eine Endokarditis auch einmal (Verschleppung entzündlichen Materials) ein Herzinfarkt ausgelöst werden. Meistens stecken aber Verkalkungen der Herzkranzgefäße hinter den Ursachen von Herzinfarkten.

Jakob: Ich bin 32 Jahre (männlich) und hatte vor einigen Jahren extremes Brennen in der Brust. Bisher war mein Sodbrennen immer im Rachen angesiedelt und zwar sau-unangenehm, aber niemals so schlimm. Wie Sie gerade sagten: Es war anders! Ich bin erst am nächsten Tag zum Arzt gegangen. Dieser hat ein EKG gemacht und mir gesagt, dass es kein Infarkt gewesen sein kann. Das alles ist ca. fünf Jahre her. Meine Frage: Ist es möglich, dass so ein Infarkt nicht erkannt wurde und ich nun mit einer Herzschwäche lebe, die sich evtl. irgendwann rächt?

Hümmelgen: Sofern Sie keine Leistungseinschränkung im Alltag oder im Sport oder bei körperlicher Belastung haben, klingt es für mich nicht so, als ob Sie eine relevante Herzschwäche hätten.

Unbekannt: Kann ich zur Vorbeugung eines Herzinfarktes oder Schlaganfall das Medikament ASS 100 nehmen oder raten Sie ab?

Hümmelgen: Die prophylaktische Einnahme von ASS ist nicht anzuraten, sofern nicht bestimmte Risikofaktoren oder Erkrankungen bestehen.

Unbekannt: Ich hatte in diesem Jahr eine Katheterablation. Leider hat sie nicht ganz funktioniert. Ich nehme Blutverdünner. Da ich weiter Vorhofflimmern habe, soll ich durch die Blutverdünner gegen einen Herzinfarkt geschützt sein. Stimmt das?

Hümmelgen: Das blutverdünnende Medikament schützt Sie bei Vorhofflimmern vor einem Schlaganfall. Das Risiko beim Vorhofflimmern besteht vor allem darin, dass sich Blutgerinnsel im Vorhof bilden und dann über Hirnschlagadern ins Gehirn gelangen können.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 19.09.2017 | 20:15 Uhr

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