Stand: 02.05.2017 22:30 Uhr

Chat-Protokoll zum Thema Antidepressiva

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Prof. Dr. Henrik Walter ist Psychiater und Neurologe an der Charité-Universitätsmedizin in Berlin.

Antidepressiva sollten nicht leichtfertig einsetzt werden: Sie können Menschen mit schweren Depressionen helfen, sie können aber auch selbst Probleme verursachen. Daher beobachten Experten mit Sorge, dass seit 20 Jahren mehr und mehr Antidepressiva verordnet werden.

Der Psychiater und Neurologe Prof. Dr. Henrik Walter aus Berlin hat Fragen zum Thema im Visite Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Uschi: Ich habe schon 25 Jahre Depressionen und viele Antidepressiva eingenommen. Ich bin seit einiger Zeit bipolar und bekomme Lithium und Neuroleptika. Das hilft nur begrenzt. Ich habe Tagesschwankungen. Die sind sehr oft nervig und belastend für die Familie. Gibt es neue Medikamente, die besser helfen?

Prof. Dr. Henrik Walter: Bei bipolaren Störungen ist ein Absetzen noch viel schwieriger und wir raten davon in der Regel ab. Es gibt leider noch keine richtig neuen Medikamente dagegen. Ich würde Ihnen raten, zu einer Spezialsprechstunde für bipolare Störungen an einer Uniklinik zu gehen.

Astrid: Ich nehme seit 2002 25 Milligramm Amitriptylin. Ich habe 20 Kilogramm zugenommen und in den letzten Jahren versucht, davon wegzukommen - ohne Erfolg, die Depressionen und Angstzustände nahmen wieder zu. Was kann ich tun? Gibt es Alternativen? Verträgt es sich mit Prednisolon? Ich bin auch Rheuma-Patientin.

Walter: Die erste Frage wäre, warum Sie ein Antidepressivum nehmen - ich nehme an, nicht wegen Depressionen, weil Sie nur eine sehr geringe Dosis Amitriptylin nehmen. Wenn Ihre Gewichtszunahme wirklich aufgrund dieses Medikaments entstanden sein sollte, dann sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, wie Sie dieses absetzen und gegebenenfalls gegen ein neueres Medikament austauschen könnten, das nicht zur Gewichtszunahme führt. Möglicherweise hat die Gewichtszunahme auch mit dem Prednisolon zu tun. Auch kann Prednisolon zu depressiven Verstimmungen führen.

Lina: Ich nehme seit circa drei Jahren 50 Milligramm Opipramol. Ich nehme es abends und kann dadurch besser schlafen. Ich habe das zwei Mal für zwei bis drei Monate unterbrochen, aber die Schlafprobleme waren massiv. Meine Stimmung wurde auch schlechter, wobei ich nicht weiß, ob das an den Schlafproblemen lag. Ich fürchte nun, nicht mehr davon loszukommen. Was soll ich tun?

Walter: Medikamente gegen Schlafstörungen abzusetzen ist manchmal noch viel schwieriger als Antidepressiva abzusetzen. Opipramol ist außerdem weder ein Schlafmittel noch ein echtes Antidepressivum. Ich würde Ihnen daher raten, sich von einem fachkundigen Psychiater beraten zu lassen, wie Sie von diesem Medikament auf Dauer wegkommen. Stellen Sie sich auf eine längere Zeit ein!

Paulina: Können Absetzsymptome auch nach zwei Jahren noch da sein? Ich hatte nach dem Absetzen, über drei Jahre ausgeschlichen, Schmerzen im ganzen Körper - besonders in der Blase. Dazu Durchfall und Schwindel. Auch heute noch gibt es Tage, an denen mir schwindelig wird und die Schmerzen wiederkehren. Jedoch wird es Monat für Monat besser.

Walter: Heutzutage vermuten wir, dass es auch länger anhaltende Absetzsymptome gibt. Genaueres weiß man leider noch nicht, da die Forschung dazu noch fehlt. Wenn es Ihnen aber jetzt von Monat zu Monat besser geht, würde ich auf dem Weg bleiben, den Sie eingeschlagen haben - und würde Ihnen zusätzlich empfehlen, einen kompetenten Psychiater aufzusuchen, der Sie dabei begleitet und in der Lage ist, Absetzsymptome von Depressionen zu unterscheiden. Sprechen Sie ihn gleich am Anfang auf die Problematik an. Es gibt auch einen sehr guten Ratgeber: "Antidepressiva absetzen: Dein Wegbegleiter mit unseren Erfahrungen und wertvollsten Tipps" von Melanie Müller, die selbst betroffen ist und eine sehr vernünftige Position vertritt.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 02.05.2017 | 20:15 Uhr

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