Stand: 31.01.2017 23:15 Uhr

Chat-Protokoll zum Thema Depression

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Prof. Dr. Here Folkerts hat Fragen zum Thema Depression beantwortet.

Wenn psychotherapeutische und medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, kann eine Therapie mit kontrollierten Stromstößen Patienten aus einer schweren Depression heraushelfen. Das künstlich herbeigeführte Gewitter im Gehirn verläuft schonend unter Narkose und dauert nur wenige Sekunden.

Der Psychiater Prof. Dr. Here Folkerts hat Fragen zum Thema im Visite Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Clara: Ist es möglich, dass Antidepressiva Depressionen sogar verstärken - quasi paradox wirken?

Prof. Dr. Here Folkerts: Antidepressiva lösen keine Depressionen aus, eine paradoxe Reaktion auf Antidepressiva gibt es nicht. Sogenannte paradoxe Reaktionen kann es aber auf Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine geben.

Sabine 30: Wie stelle ich eine Depression bei mir fest? Ich habe verschiedene Vorerkrankungen: eine somatoforme Schmerzstörung, eine Traumafolgestörung, eine Sozialphobie. Aktuell steht eine Persönlichkeitsstörung im Raum. Könnten Depressionen dahinterstehen?

Folkerts: Die wichtigsten Symptome einer Depression sind gedrückte Stimmung, reduzierter Antrieb, Schlafstörungen. Es gibt im Internet zahlreiche Selbsttests, die zumindest gute Hinweise liefern können und dann mit dem behandelnden Arzt erörtert werden könnten.

Anna: Kann eine Depression von alleine verschwinden? Ohne dass man dafür irgendetwas getan hat?

Folkerts: Ja, das kann tatsächlich passieren. Es gibt sogenannte Spontanremissionen. Bei schwereren Depressionen kommt das aber leider nicht häufig vor.

Horst: Ich habe gehört, Botox in der Stirn soll gegen Depressionen helfen. Stimmt das?

Folkerts: Ja, es gibt erste Studien darüber, dass Botox mithelfen kann, Depressionen zu behandeln.

Daniela: Was kostet eine Elektrokrampftherapie und wird sie von der Krankenkasse übernommen?

Folkerts: Die Elektrokrampftherapie wird von der gesetzlichen Krankenversicherung gezahlt.

Johanna: Wie oft kann man eine EKT durchführen lassen? Sind dadurch Schädigungen zu befürchten? Was kann man noch tun, wenn auch EKT bei Depressionen nicht mehr hilft?

Folkerts: Man kann EKT auch über längere Zeit im Sinne einer Erhaltungsbehandlung durchführen. In aller Regel wird dies hervorragend vertragen. Falls EKT nicht hilft, gibt es weitere Möglichkeiten: Infrage kommen die rTMS, die Vagusnervstimulation und auch die Ketamin-Behandlung.

Unbekannt: Woher weiß der Patient, wann die Antidepressiva wirken? Kann eine Schilddrüsenunterfunktion die Ursache einer Depression sein?

Folkerts: Die Schilddrüse wird bei einer Depressionsbehandlung regelhaft untersucht; es ist aber eine große Rarität, dass tatsächlich eine Schilddrüsenunterfunktion Ursache der Depression wäre.
Im Regelfall tritt eine Wirkung von Antidepressiva nach zwei bis drei Wochen ein. Entscheidend ist, wie der betroffene Patient sich selbst unter einer Behandlung fühlt. Entscheidend ist nicht, ob der Arzt oder die Angehörigen eine Besserung sehen, sondern entscheidend ist die Selbstwahrnehmung des Patienten. Sie werden es merken, wenn es besser wird.

Angelika: Kann die Wirkung von Antidepressiva nach jahrelanger Einnahme nachlassen?

Folkerts: Es gibt keinen Gewöhnungseffekt an Antidepressiva, aber es gibt Situationen, in denen früher erfolgreiche Medikamente nicht mehr ausreichend helfen.

Tulipan: Wie genau wird EKT angewendet und wird dies über die Krankenkassen abgerechnet? Ich leide unter chronischer Depression und bin austherapiert. Ich möchte unbedingt von den Antidepressiva runterkommen.

Folkerts: Ich rate Ihnen, mit einer Klinik Kontakt aufzunehmen, die EKT anwendet. Gerne können Sie auch in Wilhelmshaven anrufen. Die Behandlung wird vollständig von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 31.01.2017 | 20:15 Uhr

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