Stand: 24.02.2015 12:01 Uhr  | Archiv

COPD: Was kann Linderung verschaffen?

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Bei einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung wird Lungengewebe unwiederbringlich zerstört.

Es ist eine der häufigsten Todesursachen überhaupt - häufiger noch als Herzinfarkt, aber kaum jemand kennt ihren Namen: COPD, die chronisch obstruktive Bronchitis. Zur häufigsten Ursache dieser Erkrankung zählt langjähriges Zigarettenrauchen. In den ersten Jahren bemerken die Patienten die Schäden oft nicht, die die COPD ihrer Lunge zugefügt. Doch einmal zerstörtes Lungengewebe kann sich nicht erholen. Das erste Symptom ist ein scheinbar harmloser Raucherhusten, aus dem sich eine chronische Bronchitis entwickelt.

Frische Atemluft kann kaum nachströmen

Schließlich verengt die dauerhafte Entzündung die Atemwege so stark, dass eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) entsteht. Das Atmen fällt mit der Zeit immer schwerer, die Atemzüge werden flacher. Durch die Verengungen in der Lunge bleibt die verbrauchte Luft gefangen, frische Atemluft kann kaum noch nachströmen, das empfindliche Lungengewebe verliert an Elastizität und wird überbläht. Die Folge: Ein Lungenemphysem entsteht. 

Entlüftung durch Ventile

Patienten können zwar gut einatmen, aber das Ausatmen fällt schwer. Die Lunge bläht sich immer weiter auf. Erleichterung verschaffen kann manchmal eine operative Verringerung des Lungenvolumens. Die bewährteste Methode sind dabei Ventile. Mit ihrer Hilfe können die kranken Lungenareale in vielen Fällen entlüftet werden. Die Ventile werden minimalinvasiv, mit einem Bronchoskop, in die Lunge eingebracht. An dem Ventil befindet sich vorne eine kleine Lippe - die Luft kann raus, aber beim Einatmen ist das Ventil verschlossen.

Coils können Spannkraft der Lunge zum Teil wiederherstellen

Wenn die Lungenlappen miteinander verbunden sind, eignen sich die Ventile nicht. In solchen Fällen kommen wenige Zentimeter kleine Titan-Spiralen in Frage - sogenannte Coils. Auch sie werden minimalinvasiv eingebracht, die Wirkung ist aber eine ganz andere: Mit den Coils kann die durch das Emphysem verlorengegangene Spannkraft der Lungen teilweise wiederhergestellt werden. Und weil sich das Gewebe mit dem Coil zusammenzieht, wird das Lungenvolumen reduziert. Das kann Patienten helfen, wieder besser zu atmen. Bei COPD-Patienten in fortgeschrittenem Zustand kann der Einsatz von Coils möglicherweise eine Lungentransplantation herauszögern und die Betroffenen für den schweren Eingriff fit machen. Erstickungsängste können verschwinden und der körperliche Zustand kann sich verbessern.

Für wen eignen sich Ventile und Coils?

Leider eignen sich Ventile und Coils nur für bestimmte Patienten mit "trockener" COPD - und selbst bei 20 Prozent dieser Betroffenen hilft die Therapie nicht. Sehr wichtig ist die physikalische Therapie: Dabei wird zum einen die richtige Ernährung erlernt, damit Übergewichtige abnehmen und Untergewichtige zulegen. Außerdem üben die Patienten beim Atemtraining das richtige Atmen, die Lippenbremse und das richtige Abhusten. Durch Dehnübungen und Lungensport können Anfälle vermieden werden. Viele COPD-Patienten leiden unter depressiven Zuständen und Erstickungsangst, darum sollte eine psychologische Betreuung fester Bestandteil der Behandlung sein. Ein- bis zweimal im Jahr sollten sich COPD-Patienten beim Lungenfacharzt untersuchen lassen.

Weitere Informationen

"Über 90 Prozent der COPD-Patienten sind Raucher"

Kann die chronische obstruktive Bronchitis auch zum Stillstand kommen? Für wen sind Ventile oder Coils geeignet? Dr. Christoph Petermann hat Fragen im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner:

Im Studio:
Dr. Christoph Petermann
Pneumologe
Ltd. Oberarzt Lungenheilkunde (Pneumologie) im Thoraxzentrum
Asklepios Klinik Harburg
Eißendorfer Pferdeweg 52
21075 Hamburg
Tel. (040) 18 18 86 22 41
Internet: www.asklepios.com

Im Beitrag:
Dr. Hans Klose
Oberarzt
Leiter der Sektion Pneumologie
Onkologisches Zentrum
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: www.uke.de/kliniken/medizinische-klinik-2

Dieses Thema im Programm:

Visite | 24.02.2015 | 20:15 Uhr

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