Stand: 07.03.2017 14:11 Uhr

COPD: Neue Richtlinien für Behandlung

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Ein scheinbar harmloser Raucherhusten kann das erste Symptom von COPD sein.

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist weltweit eine der häufigsten Todesursachen - häufiger noch als Herzinfarkt. Die Ursache ist in den meisten Fällen langjähriges Zigarettenrauchen. In den ersten Jahren bemerken die Betroffenen die Schäden oft nicht. Doch einmal zerstörtes Lungengewebe kann sich nicht erholen. Die Krankheit ist nicht heilbar, doch für die Behandlung gibt es neue Richtlinien.

Ein Mann testet sein Atemvolumen.

COPD: Neue Richtlinien für Behandlung

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Bei einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) bekommen Betroffene immer schlechter Luft. Für die Behandlung gibt es neue Richtlinie - eine Heilung ist nicht möglich.

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Symptome: Bronchitis, Atemnot, Emphysem

Das erste Symptom ist ein scheinbar harmloser Raucherhusten, aus dem sich eine chronische Bronchitis entwickelt. Schließlich verengt die dauerhafte Entzündung die Atemwege so stark, dass eine COPD entsteht. Erkrankte bekommen immer schlechter Luft, die Atmung wird flacher. Frische Atemluft strömt kaum noch nach. Dadurch verliert das empfindliche Lungengewebe an Elastizität und wird überbläht - ein Lungenemphysem entsteht.

Diagnose: Lungenfunktion und Beschwerden

Wichtig für die Diagnose ist ein Lungenfunktionstest (Spiroergometrie). Dabei wird gemessen, wie viel Luft der Patient innerhalb einer Sekunde ausatmen kann. Anhand des Wertes wurde die Erkrankung bisher in vier Stadien eingeteilt - von einer milden COPD mit kaum spürbarer Atemnot bis zum Endstadium mit einer Ausatemkapazität von weniger als 30 Prozent des Normalwertes.

Die nach neuen Studien aktualisierten Behandlungsleitlinien messen dem Lungenfunktionstest bei der Einteilung der Schweregrade eine geringere Bedeutung zu. Vielmehr bestimmen die tatsächlichen Beschwerden die Therapie: Welche Symptome treten auf? Wie belastbar ist der Betroffene? Haben sich die Beschwerden akut verschlechtert?

Therapie: Medikamente und Bewegung

Je früher eine COPD diagnostiziert wird, umso eher lässt sich der Verlauf der Krankheit günstig beeinflussen. Die Therapie fußt auf drei Säulen: Medikamente, täglicher Sport und Verzicht auf Zigaretten.

  • Zu den eingesetzten Medikamenten gehören Betamimetika (erweitern die Bronchien) und Anticholinergika (blockieren verengende Mechanismen). Die Medikamente ermöglichen Bewegung, indem sie die Bronchien erweitern und so das Atmen erleichtern.
  • Körperliche Bewegung spielt nach den neuen Leitlinien eine wichtigere Rolle. Viele COPD-Patienten denken fälschlicherweise, sie müssten sich schonen, weil sie bei Belastung schnell außer Atem geraten. Dabei ist das Gegenteil richtig: Sie müssen ihre Muskulatur trainieren, damit die Luftnot nachlässt. Denn starke Muskeln verbrauchen weniger Sauerstoff.

Nach der neuen Behandlungsrichtlinie wird Kortison nur noch bei einer akuten Verschlechterung eingesetzt. Bisher dachten Ärzte, Kortison zum Inhalieren würde die Beschwerden lindern. Inzwischen haben aber große Studien gezeigt, dass eine Kombination von zwei bronchienerweiternden Medikamenten deutlich wirksamer ist.

Lungenemphysem: Überblähtes Gewebe entfernen

Bei einem fortgeschrittenen Lungenemphysem sind die Lungenbläschen so überbläht und schlaff, dass sie ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen können. Verlieren ganze Lungenabschnitte ihre Funktion, müssen sie meist in einer Operation entfernt werden, um intaktes Lungengewebe nicht einzuengen. Langfristig benötigen Betroffene oft dauerhaft Sauerstoff und ein Beatmungsgerät für die Nacht. Im Endstadium der Erkrankung bleibt als letzte Option nur noch die Lungentransplantation.

Ventile erleichtern das Ausatmen

Bei einem Teil der Erkrankten mit Lungenemphysem lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung durch eine minimalinvasive Verringerung des Lungenvolumens hinauszögern. Die Betroffenen können zwar gut einatmen, aber das Ausatmen fällt ihnen schwer. Die Lunge bläht sich immer weiter auf. Mithilfe kleiner Ventile aus Titan lassen sich die kranken Lungenareale in einigen Fällen entlüften. Die Ventile werden minimalinvasiv mit einem Bronchoskop in die Lunge eingebracht. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten. Anschließend sorgt das Ventil dafür, dass beim Einatmen keine weitere Luft in den überblähten Lungenabschnitt eindringt, während beim Ausatmen die darin enthaltene Luft ausströmen kann. Dadurch wird der funktionsuntüchtige Lungenabschnitt immer kleiner, der übrige gesunde Teil der Lunge kann sich wieder ausdehnen und mehr Luft aufnehmen.

Titan-Spiralen: Spannkraft für die Lunge

Nicht geeignet sind Ventile, wenn die Lungenlappen miteinander verbunden sind. In solchen Fällen kommen wenige Zentimeter große Titan-Spiralen (Coils) zum Einsatz. Sie werden ebenfalls minimalinvasiv eingebracht, funktionieren aber ganz anders: Mit den Coils lässt sich die verlorengegangene Spannkraft der Lungen teilweise wiederherstellen. Und weil sich das Gewebe mit dem Coil zusammenzieht, wird das Lungenvolumen reduziert. Bei Patienten mit fortgeschrittener COPD kann der Einsatz von Coils möglicherweise verhindern, dass eine Lungentransplantation nötig wird.

Ernährung, Übungen, Psychotherapie und Impfung

Im Rahmen der Therapie lernen Erkrankte die richtige Ernährung bei COPD. Außerdem üben sie das richtige Atmen, die sogenannte Lippenbremse und das richtige Abhusten. Dabei kann ein Lungentrainer, ein sogenanntes Cornet, helfen: Das Atemröhrchen löst durch Vibrationen und Druckschwankungen Schleim.

Durch Dehnübungen und Lungensport lassen sich Anfälle vermeiden. Viele COPD-Patienten leiden unter depressiven Zuständen und Erstickungsangst, deshalb sollte eine psychologische Betreuung fester Bestandteil der Behandlung sein. An COPD Erkrankte sollten sich gegen Influenza und Pneumokokken impfen lassen. Diese Infekte können noch mehr Lungengewebe zerstören. Um ein mögliches Fortschreiten der Erkrankung rechtzeitig zu erkennen, sollten sich Betroffene ein- bis zweimal im Jahr vom Lungenfacharzt untersuchen lassen.

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Interviewpartner:

Interviewpartnerin im Studio:
Dr. Regina Prenzel, Direktorin
Klinik für Innere Medizin, Pneumologie und Gastroenterologie
Pius-Hospital Oldenburg – Medizinischer Campus der Universität Oldenburg
Georgstraße 12, 26121 Oldenburg
Internet: www.pius-hospital.de

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Peter Hannemann, Chefarzt
Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin
Allgemeines Krankenhaus Celle
Siemensplatz 4, 29223 Celle
Internet: www.akh-celle.de

Weitere Informationen:
Deutsche Atemwegsliga e.V.
Raiffeisenstraße 38, 33175 Bad Lippspringe
Internet: www.atemwegsliga.de

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