Stand: 05.04.2016 13:14 Uhr

Braunes Fett - Energiefresser im Körper

Bild vergrößern
An Schlüsselbeinen, Hals und Rücken fanden Forscher beim Erwachsenen braunes Fett.

Fett ist nicht gleich Fett. Im menschlichen Körper gibt es zwei verschiedene Arten von Fettgewebe: weißes und braunes. Das weiße Fettgewebe stellt dabei den mit Abstand größten Anteil dar. Es dient in erster Linie der Speicherung von überschüssiger Energie und ist damit für die Entwicklung von Übergewicht verantwortlich. Braunes Fettgewebe dagegen kann überschüssige Energiereserven in Wärme umwandeln. Dies geschieht durch die Oxidation von Fettsäuren in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen. Sie sind auch für die bräunliche Färbung des Gewebes verantwortlich.

Prof. Wouter v Marken Lichtenbelt

Braunes Körperfett erhöht Kalorienverbrauch

Visite -

Forscher haben entdeckt, dass jeder Mensch zwei Sorten Fett hat: dick machendes weißes Fett und schlank machendes braunes Fett. Die braunen Fettzellen verbrauchen Energie.

Alle neugeborenen Säugetiere, bis auf Ferkel, besitzen braunes Fettgewebe. Aufgrund ihrer großen Körperoberfläche im Vergleich zum Körpervolumen verlieren Neugeborene mehr Wärme und sind stärker von Auskühlung bedroht. Außerdem sind die Mechanismen der Thermoregulation wie Kältezittern und das isolierende weiße Fettgewebe bei ihnen noch nicht vollständig ausgebildet. Nage- und winterschlafhaltende Tiere besitzen auch im erwachsenen Alter noch größere Mengen an braunem Fettgewebe. Bei Bedarf können sie sogar weißes in braunes Fettgewebe umwandeln, um anhaltende Kältephasen zu überstehen.

Wissenschaftler finden braune Fettzellen bei Erwachsenen

Auch bei menschlichen Säuglingen findet sich braunes Fettgewebe vor allem am Hals und der Brust. Lange Zeit wurde angenommen, dass Erwachsene nicht mehr über aktive braune Fettzellen verfügen. Bis Wissenschaftler vor vier Jahren geringe Mengen (wenige Gramm) an aktiven braunen Fettzellen im Bereich der Schlüsselbeine, des Halses und entlang des Rückens bei Erwachsenen entdeckten.

Die Menge ist individuell sehr verschieden. Die Aktivität des Gewebes ist stark von äußeren Bedingungen wie etwa der Temperatur und der Ernährung abhängig. Forscher suchen nun nach Wegen, das braune Fettgewebe gezielt dazu einzusetzen, um überschüssige Energie, die sonst in weißen Fettzellen gespeichert werden würde, zu verbrennen.

Dem braunen Fett auf der Spur

Wissenschaftler aus Holland konnten zeigen, dass sich der Anteil und die Aktivität des braunen Fettes durch regelmäßige Kälte erhöhen lässt: Dafür wurden 17 Studienteilnehmer in einem Zeitraum von zehn Tagen jeweils sechs Stunden am Tag Temperaturen von 16 Grad Celsius ausgesetzt. Nach zehn Tagen hat sich bei manchen von ihnen der Anteil der braunen Fettzellen verdoppelt. Allerdings konnten die Forscher nicht zeigen, dass die Studienteilnehmer dadurch auch dünner wurden. Dies gelang einer japanischen Forschungsgruppe, die den Versuch über einen Zeitraum von sechs Wochen durchgeführt hat. Sie konnte zeigen, dass sich auch das Gewicht der Studien-Teilnehmer verringerte.

Die Suche nach einem Medikament

Wissenschaftler der Universität in Bonn arbeiten daran, das braune Fettgewebe mithilfe von Medikamenten gezielt zur Fettverbrennung anzuregen. Im Tierversuch an Mäusen konnten sie braune Fettzellen mithilfe des körpereigenen Stressbotenstoffes Adenosin aktivieren. Bindet das Adenosin an spezielle Rezeptoren der braunen Fettzellen, wird die Fettverbrennung stark stimuliert. Mäuse, die den Botenstoff verabreicht bekamen, nahmen nicht so schnell zu wie die Vergleichsmäuse, die das Adenosin nicht erhielten. Der Unterschied im Körpergewicht betrug 15 Prozent.

Weiße Fettzellen werden umprogrammiert

Allerdings hat das Adenosin auch unerwünschte Nebenwirkungen, da die Rezeptoren für den Botenstoff auch an anderen Organen vorkommen. Durch ihre Aktivierung kommt es zu Störungen des Herzfunktion, der Blutdruckregulation und des Schlafverhaltens. Daher versuchen die Forscher diesen Wirkmechanismus direkt in das weiße Fettgewebe zu verlagern. Dazu programmieren sie die weißen in braune Fettzellen um. Weiße Fettzellen lassen sich normalerweise nicht dazu anregen, Fettsäuren in Wärme umzuwandeln. Dazu fehlt ihnen die spezielle Bindungsstelle für den Botenstoff Adenosin. Wird das Gen für diesen Rezeptor allerdings aus den braunen auf die weißen Fettzellen übertragen, verhalten sich die weißen Fettzellen wie die braunen. Die Fettverbrennung kann dann mithilfe von Adenosin angekurbelt werden.

Im Tierversuch konnte gezeigt werden, dass die Mäuse so tatsächlich abnehmen. Die Idee ist vielversprechend, allerdings werden wohl noch viele Jahre vergehen, bis dieser Therapieansatz tatsächlich für den Menschen auf den Markt kommt.

Interviewpartner:

Prof. Wouter van Marken Lichtenbelt
NUTRIM School of Nutrition and Translational Research in Metabolism
Maastricht Maastricht University Medical Centre
Department of Human Biology
Universiteitssingel 50
6229 ER Maastricht, Niederlande

Prof. Dr. Alexander Pfeifer
Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie
Universitätsklinikum Bonn, Biomedizinsches Zentrum
Sigmund-Freud-Straße 25
53127 Bonn
Tel. (0228) 28 75 13 00
Fax: (0228) 28 75 13 01
E-Mail: alexander.pfeifer@uni-bonn.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 05.04.2016 | 20:15 Uhr

"Omega 3" - das gute Fett

Zu schön, um wahr zu sein? Von einer Sorte Fett essen wir tatsächlich zu wenig. Omega-3-Fettsäuren - vor allem in Fisch enthalten - sollen vor Krankheiten schützen. mehr