Stand: 17.05.2016 11:01 Uhr

Bettwanzen - gefährliche Urlaubsmitbringsel

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Bettwanzen sind mit dem bloßen Augen kaum zu erkennen.

Nach Reisen sind sie immer häufiger ein ungewolltes Mitbringsel: Bettwanzen. Sie verstecken sich in Koffern und Kleidung - und nisten sich dann in unseren Schlafzimmern ein. Es genügt, wenn ein weibliches Tier mit in die Wohnung gelangt, denn ein einzelnes Weibchen kann bis zu 300 Nachkommen in sich tragen. Oft werden die blutsaugenden Parasiten erst bemerkt, wenn sie sich schon vermehrt haben und die vielen Tiere dann jede Nacht zustechen.

Bettwanzen

Vorsicht Bettwanzen!

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In vielen Urlaubsländern verbreitet, werden sie unwissentlich von Touristen im Gepäck eingeschleppt. Wenn sie sich erst einmal eingenistet haben, wird man sie nur schwer wieder los.

Bettwanzen stechen den Menschen

Tagsüber sind sie mit bloßem Auge kaum zu entdecken, sie verstecken sich zum Beispiel hinter Tapeten und Heizungsrohren, in den Kanten der Matratzen oder hinter Lichtschaltern. Die nachtaktiven Bettwanzen kommen im Dunkeln aus ihren Verstecken. Im Unterschied zu einem Mückenstich spüren Menschen den einzelnen Stich einer Bettwanze nicht, Rötung und Juckreiz treten erst Tage später auf. Manche Menschen reagieren kaum, andere bekommen starke allergische Reaktionen. Typisch sind mehrere Stiche nebeneinander, weil ein Tier mehrfach zusticht. Die Stiche können quälend jucken. Meist klingen sie von alleine wieder ab. Bei einer heftigen Reaktion hilft Kortisonsalbe. Zwar übertragen Bettwanzen selbst keine Krankheiten, doch nicht selten kratzen Betroffene die juckenden Einstichstellen auf und riskieren damit eine Infektion.

Kotspuren geben Aufschluss

Ist eine Wohnung mit Bettwanzen befallen, müssen Schädlingsbekämpfungsprofis ran. Sie erkennen einen Bettwanzenbefall an Kotspuren. Die Wanzen auf eigene Faust mit doppelseitigem Klebeband zu fangen oder mit Insektiziden aus dem Baumarkt zu bekämpfen, bringt nichts. Je eher die Tiere professionell bekämpft werden, desto besser. Denn wird der Befall zu stark, müssen eventuell sogar Sofas oder Betten entsorgt werden. Gegen Bettwanzen helfen spezielle Chemikalien, Hitze über 55 Grad und Kälte unter 18 Grad. Alle Nester müssen besprüht werden und das Gift muss mehrere Stunden einwirken. Oft ist auch eine zweite und dritte Anwendung notwendig.

Resistenzen gegen Insektizide breiten sich aus

Am Umweltbundesamt in Berlin beobachten Forscher die dramatische Ausbreitung der Bettwanzen in ganz Europa mit Sorge. Sie haben festgestellt, dass immer mehr Bettwanzen Resistenzen gegen gängige Insektizide entwickelt haben. Das heißt, sie überleben auch den Besuch des Kammerjägers oder es muss sehr viel mehr und häufiger Gift eingesetzt werden als üblich. Die Forscher arbeiten an einem Schnelltest, damit Kammerjäger vor Ort sofort bestimmen können, mit welchen Chemikalien sie die Tiere gezielt vernichten können.

Bekämpfung mit Chemie und Wärme

Bis der Test zur Verfügung steht, muss eine Kombinationsbehandlung gegen die Plagegeister helfen: Chemie plus Wärme. Alles, was man in die Waschmaschine stecken kann, sollte direkt nach dem Urlaub bei 60 Grad gewaschen werden. Sind sperrige Dinge wie Koffer oder Sofakissen und Bettdecken befallen, muss der Kammerjäger ran: In einem Wärmezelt werden große Gegenstände nach ein paar Stunden garantiert wieder wanzenfrei. Wer eine Tiefkühltruhe hat, kann Koffer und Kissen auch einfach für zwei Tage dort deponieren. Kälte tötet die Wanzen nämlich genauso verlässlich. Doch egal wie: Alle Wanzen müssen vernichtet werden. Überlebt auch nur ein einzelnes Weibchen, geht das ganze Spiel von vorne los.

Links

Bettwanzenbefall in der Wohnung?

Das Umweltbundesamt informiert (PDF zum Herunterladen). extern

Interviewpartner im Beitrag:

Arlette Vander Pan
Biologin
Fachgebiet IV 1.4 Gesundheitsschädlinge und ihre Bekämpfung
Umweltbundesamt, Standort Berlin-Dahlem
Corrensplatz 1
14195 Berlin
Internet: www.umweltbundesamt.de

Dennis Kalff
Nico Jentzsch

Schädlingsbekämpfung Kalff GmbH
Barsbütteler Landstraße 58
22885 Hamburg-Barsbüttel
Tel. (040) 71 09 57 60
Fax (040) 71 09 57 61

Dieses Thema im Programm:

Visite | 17.05.2016 | 20:15 Uhr

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