Stand: 29.02.2016 12:40 Uhr

Arthrose im Knie: Arthroskopie ist nutzlos

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Eine der häufigsten Operationen in Deutschland: die Arthroskopie.

Bei Arthrose im Kniegelenk war die Kniespiegelung bei Ärzten bislang sehr beliebt - sowohl zur Diagnose, als auch zur Therapie. Allein in Deutschland wird sie jedes Jahr über 400.000 Mal durchgeführt. Dies sei viel zu viel, sagen Kritiker, und obendrein könne sie häufig mehr Schaden als Nutzen anrichten.

Eine Knieathroskopie.

Knieathroskopie bei Arthrose sinnlos

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Die Arthroskopie ist eine der häufigsten Operationen in Deutschland. Neue Studien zeigen: Der Eingriff ist bei Arthrose im Knie überflüssig. Deshalb werden die Kosten nicht mehr übernommen.

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Risiken größer als Nutzen

Tatsächlich steht die Methode bei der Behandlung von Arthrose bereits seit mehreren Jahren im Verdacht, nicht die gewünschten Erfolge zu bringen und häufig sogar überflüssig oder schädlich zu sein. Eine neue Analyse gleich mehrerer Studien bestätigt jetzt: Die therapeutische Kniespiegelung ist bei Arthrose so gut wie wirkungslos. So sollen Schmerzen im Knie nach dem Eingriff oft nicht weniger werden, Besserungen hielten häufig nur ein paar Monate vor und die Beweglichkeit würde nicht gesteigert. Für die Patienten ergibt sich unterm Strich also keine Verbesserung der Lebensqualität. Schlimmer noch: In den meisten Fällen ist damit das Risiko des Eingriffs größer, als der eigentliche Nutzen.

Bei einer Arthroskopie wegen Arthrose werden Knorpel- und Gelenkflächen zunächst geglättet sowie das Kniegelenk mit einer Salzlösung gespült (Lavage). Doch neben dem erhöhten Infektionsrisiko durch die Spülung gehören in wenigen Fällen auch Thrombosen und Lungenembolien zu den Komplikationen.

Videos
03:39 min

Knieathroskopie: Interview

01.03.2016 20:15 Uhr
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Was sollen Menschen tun, die unter ihren Arthroseschmerzen im Knie sehr stark leiden? Prof. Oliver Dierk im Interview mit Moderatorin Vera Cordes. Video (03:39 min)

Alarmiert von den aktuellen Studienergebnissen hat der Gemeinsame Bundesausschuss beschlossen: Ab April 2016 sollen nur noch die Kosten für Kniespiegelungen bei Gelenkblockaden und traumatischen Verletzungen, wie zum Beispiel am Meniskus oder Kreuzband, getragen werden. Hier rechtfertigen die Vorteile des schonenden "Schlüsselloch-Eingriffs" auch weiterhin die Anwendung der Arthroskopie als erprobtes Mittel der Wahl.

Für Arthrose-Patienten hingegen kann künftig auf die klassischen Therapieformen zurückgegriffen werden. Zu diesen konservativen Maßnahmen zählen neben der Physiotherapie und den Bandagierungen vor allem auch Muskelaufbau durch Bewegung und die Gewichtsreduktion. Diese Anwendungen haben zudem den Vorteil, dass sie erwiesenermaßen effektiv sind und die Risiken einer Operation ausschließen.

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Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Oliver Dierk
Chefarzt des Fachzentrums Orthopädie und Endoprothetik
Schön Klinik Hamburg Eilbek
Dehnhaide 120
22081 Hamburg
Tel. (040) 209 20
Fax. (040) 20 92 30 15
Internet: www.schoen-kliniken.de/ptp/kkh/eil/faz/orthopaedie/

Im Beitrag:
Prof. Dr. Karl-Heinz Frosch
Leitender Arzt Chirurgisch-Traumatologisches Zentrum
Asklepios Klinik St. Georg
Lohmühlenstraße 5
20099 Hamburg
Tel. (040) 18 18 85 22 87
Fax. (040) 18 18 85 37 70
Internet: www.asklepios.de/hamburg/sankt-georg/experten/chirurgisch-traumatologisches-zentrum/

Dieses Thema im Programm:

Visite | 01.03.2016 | 20:15 Uhr