Stand: 28.11.2016 17:27 Uhr

Neue Arterien durch Sport und Herzhose

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Bei einer Arteriosklerose verringert sich die Elastizität der Gefäße durch Ablagerungen.

Arteriosklerose ist die Verkalkung der Schlagadern (Arterien). An der Gefäßverengung leiden allein in Deutschland rund acht Millionen Menschen. Auslöser ist zum einen der natürliche Alterungsprozess, bei dem die Blutgefäße ihre Elastizität verlieren. Zum anderen begünstigen Risikofaktoren wie Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen und Bluthochdruck die Ablagerung von Blutfetten, Bindegewebe und Kalk in den Wänden der Blutgefäße, sodass ihre Steifigkeit zunimmt. Die Folgen sind insbesondere Herzinfarkt und Schlaganfall.

Ein Mann trägt eine sogenannte Herzhose

Neue Arterien durch Sport und Herzhose

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Arteriosklerose ist eine weitverbreitete Erkrankung der Gefäße. Bei verengten Schlagadern können Sport und das Tragen einer Herzhose das Wachstum neuer Blutgefäße anregen.

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Arterienverkalkung bleibt meist lange unerkannt

Bei einer Arteriosklerose lagern sich im Laufe der Jahre Fett, kleine Blutgerinnsel, Bindegewebe und Kalk in der Gefäßwand ab und führen dadurch zu einer chronischen Entzündung mit schleichender Verengung und Verhärtung der betroffenen Gefäße. Besonders häufig tritt Arteriosklerose in Gefäßabschnitten auf, in denen der Blutstrom durch eine Besonderheit wie eine Abzweigung oder Aufspaltung des Gefäßes gestört ist. Dazu gehören unter anderem die Halsschlagadern und auch die Leistenarterien, die sich in die Beinschlagadern verzweigen.

Schwere Folgeerkrankungen möglich

Nach Jahren oder Jahrzehnten ohne Beschwerden macht die Arterienverkalkung oft erst durch schwere Folgeerkrankungen auf sich aufmerksam:

  • Herzinfarkt
  • Herzenge (Angina pectoris)
  • Schlaganfall oder transitorische ischämische Attacke
  • Durchblutungsstörungen an den Beinen
  • Nierenversagen
  • Erektionsstörungen
  • Schaufensterkrankheit (periphere arterielle Verschlusskrankheit)

Um schwere Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist eine möglichst frühzeitige Diagnose der Arteriosklerose wichtig - per Ultraschall der Halsader oder Pulswellendiagnostik.

Diagnose: Halsschlagader per Ultraschall untersuchen

Die Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader ist die Standarduntersuchung in der Diagnostik der Arteriosklerose. Dabei überprüft der Arzt die Dicke der Wand der Halsschlagader. Liegen arteriosklerotische Veränderungen vor, sind in der Regel auch andere Gefäße betroffen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist erhöht. Die Kosten für die Untersuchung werden von der Krankenkasse übernommen.

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Diagnose: Geschwindigkeit der Pulswellen ermitteln

Eine weitere Methode ist die Pulswellendiagnostik. Das Tasten des Pulses und die Beurteilung der Pulsqualität zählen zu den ältesten medizinischen Untersuchungen überhaupt. Die chinesische Medizin nutzt diese seit Jahrtausenden. Durch Messung der Pulswellengeschwindigkeit lassen sich Rückschlüsse auf den Zustand der Blutgefäße schließen. Dabei wird die Geschwindigkeit gemessen, mit der sich die Pulswelle vom Herzen über die Hauptschlagader bis in die peripheren Blutgefäße ausbreitet.

Während die Pulswelle in gesunden Gefäßen langsam mit einer Geschwindigkeit von etwa vier bis fünf Metern pro Sekunde wandert, nimmt die Pulswellengeschwindigkeit mit zunehmender Verkalkung der Gefäßwände zu. Geschwindigkeiten von zehn Metern pro Sekunde gelten als kritisch und Hinweis auf ein deutlich erhöhtes Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch wenn ärztliche Fachgesellschaften seit Jahren die Messung und Analyse der Pulswellengeschwindigkeit empfehlen, ist sie bislang nicht flächendeckend etabliert, sodass die Kosten nicht von den Krankenkassen übernommen werden.

Nachwachsen von Adern anregen

Engstellen oder Verschlüsse in Herzkranzgefäßen werden meist per Ballonkatheter geweitet und mit einem Stent offen gehalten oder mit einem Bypass überbrückt. Entwickeln sich die Engstellen langsam, kann der Körper natürliche Bypässe schaffen: Das Blut sucht sich neue Wege über winzige sogenannte Kollateralarterien. Sie sind von Geburt an vorhanden, verharren aber normalerweise in einer Art Ruhezustand. Britische Forscher haben zwölf Studien ausgewertet und kommen zu dem Schluss, dass Arteriosklerose-Kranke mit guten Kollateraladern ein um rund 40 Prozent geringeres Sterberisiko haben als Betroffene, die nur in geringem Umfang über biologische Bypässe verfügen.

Sport lässt Adern nachwachsen

Voraussetzung für einen natürlichen Bypass ist regelmäßige körperliche Bewegung, zum Beispiel in einer Herzsportgruppe. Dabei ist wichtig:

  • Trainiert werden sollten Ausdauer, Kraft, Koordination und Dehnung.
  • Idealerweise sollten Betroffene fünf Mal pro Woche 30 Minuten Sport mit hohem Ausdaueranteil treiben, mindestens jedoch zwei Mal.
  • Sie sollten ins Schwitzen geraten, aber dürfen das Herz nicht überlasten - vorher den Kardiologen fragen.
  • Wer an einer Erweiterung der Schlagader (Aneurysma) leidet, darf beim Sport keine Blutdruckwerte von mehr als 140 Millimeter-Quecksilbersäule (mmHg) haben. Bei einer Verengung der Herzkranzgefäße sollte der Blutdruck unter 160 mmHg bleiben.
  • Von Arteriosklerose Betroffene sollten im sogenannten grünen Bereich trainieren, also nicht - wie gesunde Sportler - an ihre Leistungsgrenze gehen.

Herzhose regt natürliche Bypässe an

Das Wachstum von Kollateralarterien lässt sich mit einer sogenannten Herzhose unterstützen. Sie besteht aus Manschetten, die für eine Stunde am Tag an Ober- und Unterschenkeln sowie an den Fußknöcheln angelegt werden. In der Phase des Herzschlags, in der sich die Herzkammern und die Herzkranzgefäße mit Blut füllen (Diastole), pumpen sich die Manschetten auf und drücken das Blut aus den Beinen zusätzlich bis zum Herzen. Dann strömt es auch durch die feinen Kollateralgefäße, weil die verengten großen Arterien nicht genug transportieren können.

Die Herzhose eignet sich zum Beispiel für Erkrankte, die wegen Übergewicht, Gelenkproblemen oder offenen Fußwunden nicht trainieren können. Bislang haben Forscher die Herzhose bei 150 Herzpatienten eingesetzt und die Wirkung über drei Jahre beobachtet. Tatsächlich brauchten die Studienteilnehmer weniger Medikamente und waren belastbarer. Künftig soll die Herzhose auch bei anderen Gefäßerkrankungen getestet werden - zum Beispiel bei Durchblutungsstörungen in den Beinen.

Wie kann man vorbeugen?

Wer an Arteriosklerose leidet, kann viel für seine Adern tun: Positive Auswirkungen haben Sport und Bewegung, eine gesunde Mittelmeerkost, Rauchstopp und die Verringerung des Bauchfettes. Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte müssen vom betreuenden Arzt gut eingestellt werden.

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Interviewpartner

Interviewpartner im Studio:
Prof. Dr. Uwe Tegtbur
Institut für Sportmedizin
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Tel. (0511) 532 54 99, Fax (0511) 532 81 99
Internet: www.mh-hannover.de/sportmedizin.html

Interviewpartner im Beitrag:
Univ.-Prof. Dr. Ivo Rainer Buschmann
Hochschulklinik für Angiologie im Zentrum für Innere Medizin I
Städtisches Klinikum Brandenburg GmbH
Hochschulklinikum der MHB Theodor Fontane
Hochstraße 29, 14770 Brandenburg an der Havel
Internet: www.klinikum-brandenburg.de/kliniken/innere-medizin-1
Internet: www.herzhose.de (Informationen zur Herzhose)

Prof. Dr. Norbert Frey
Klinik für Innere Medizin III – Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Arnold-Heller-Straße 3, 24105 Kiel
Tel. (0431) 500-22 800, Fax. (0431) 500-22 804
Internet: www.uksh.de/kardiologie-kiel

Weitere Informationen:
Deutsche Herzstiftung e. V.
Bockenheimer Landstraße 94-96, 60323 Frankfurt am Main
Tel. (069) 955128 0, Fax. (069) 955128 313
Internet: www.herzstiftung.de

Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V.
Friedrich-Ebert-Ring 38, 56068 Koblenz
Tel. (0261) 30 92 31, Fax (0261) 30 92 32
Internet: www.dgpr.de
Informationen über Herzsportgruppen bundesweit

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