Stand: 20.06.2017 13:07 Uhr

Ambrosia-Allergie: Pollen werden aggressiver

Ihre Pollen gehören zu den stärksten Allergieauslösern der Pflanzenwelt: Ambrosia - eine unscheinbare grüne Pflanze, die auf den ersten Blick harmlos wirkt. Ambrosia artemisiifolia oder Aufrechtes Traubenkraut wurde bereits 1860 mit Getreidelieferungen aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt. Inzwischen breitet sich die Ambrosia aufgrund des Klimawandel und durch Beimischung in Vogelfutter auch hierzulande zunehmend aus. Dabei sorgt sie immer mehr für gesundheitliche Probleme, denn in einer einzigen Staude stecken bis zu einer Milliarde Pollen. Diese können schon in sehr geringer Konzentration schwere Allergien und Asthma auslösen.

Ambrosia

Ambrosia-Allergie: Pollen werden aggressiver

Visite -

Die Ambrosia sieht unscheinbar aus, aber ihre Pollen gehören zu den stärksten Allergieauslösern der Pflanzenwelt. Autoabgase machen sie sogar noch aggressiver.

4,29 bei 7 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Pollen mit Widerhaken

Nur fünf bis zehn Pollen pro Kubikmeter Luft genügen, um eine allergische Reaktion hervorzurufen. Zum Vergleich: Bei Birkenpollen muss die Konzentration etwa zehn Mal so hoch sein. Die Hauptpollenzeit der Ambrosia reicht bis in den Oktober. Die Pollen haben Widerhaken, mit denen sie sich in den Schleimhäuten festsetzen. Ambrosia kann überall wachsen. Perfekte Bedingungen findet sie auf Sonnenblumenfeldern. Aber auch an Autobahngrünstreifen, auf Verkehrsinseln und Brachflächen sprießt das Kraut besonders gut.

Autoabgase machen Pollen noch aggressiver

Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Pollen durch Autoabgase noch aggressiver geworden sind. Sie gewannen aus den Pollen einen Extrakt, der alle Eiweiße und Biomoleküle enthält. Diesen Extrakt vermischten sie mit dem Blutserum von Allergikern - und stellten fest, dass die Reaktion auf Pollen, die Autoabgasen ausgesetzt waren, deutlich stärker ausfiel. Die Forscher fanden in diesen Pollen Eiweiße, die herkömmliche Ambrosiapflanzen nicht enthalten. Vermutlich handelt es sich dabei um Abwehrstoffe, die die Pflanze gegen die Abgase bildet. Und auf diese Eiweißmoleküle scheinen Allergiker zu reagieren. Die Wirkung der Pollen, die wir im Vorbeifahren einatmen, ist also besonders groß.

Weite Verteilung durch den Wind

Ärzte beobachten generell eine Zunahme von Allergien und Ekzemen bei Menschen über 70. Vermutlich werden auch andere Pollen durch Umwelteinflüsse wie Abgase und Ozon immer aggressiver. Auch weit entfernt von Ambrosiavorkommen finden sich Pollen, da sie mit dem Wind stark verteilt werden.

Kein einheitlicher Bekämpfungsplan

Weil aufgrund des Klimawandels die ersten Fröste immer später auftreten, hat die Ambrosia den ganzen Herbst über Zeit, sich auszubreiten. Zudem gibt es in Deutschland noch keinen einheitlichen Bekämpfungsplan gegen die Pflanze. Vor allem Teile Brandenburgs sind stark betroffen. Die Behörden versuchen, die unkontrollierte Ausbreitung der Ambrosia zu vermeiden, indem gemeldete Vorkommen vernichtet werden. Doch das ist gar nicht so einfach: Die Ambrosia wird leicht mit dem Gemeinen Beifuß verwechselt und beim Rausrupfen können Pollen in die Erde gelangen, wo die Keime 40 Jahre lang überleben. Experten rücken der tückischen Pflanze mit 1.000 Grad heißen Flammen zu Leibe. Um den Kampf zu unterstützen, sollten Haushalte darauf achten, extra gekennzeichnetes Vogelfutter ohne Ambrosia zu verwenden. Wer Ambrosia im Garten entdeckt, sollte sie vorsichtig mit Handschuhen aus der Erde rupfen und mit dem Müll entsorgen - keinesfalls auf dem Kompost!

Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Ulrike Frank
Institut für Biochemische Pflanzenpathologie
Helmholtz-Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für
Gesundheit und Umwelt (GmbH)
Ingolstaedter Landstraße 1, 85764 Oberschleißheim
Internet: www.helmholtz-muenchen.de

Dr. Andreas Kleinheinz, Hautarzt
Chefarzt und Ärztl. Direktor Klinik für Dermatologie
Elbe Kliniken Buxtehude
Am Krankenhaus 1, 21614 Buxtehude
Tel. (04161703-62 02
E-Mail: Andreas.kleinheinz@elbekliniken.de
Internet: www.elbekliniken.de

Prof. Dr. Uta Jappe, Allergologin            
Oberärztin und Forschungsgruppenleiterin am Forschungszentrum Borstel
Stellv. Direktorin des Programmbereichs Asthma und Allergie
Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften
Parkallee 35, 23845 Borstel in Schleswig-Holstein
Tel. (04537) 188-35 10
Internet: www.fz-borstel.de
und
Oberärztin und Leiterin der Interdisziplinären Allergieambulanz,
Medizinische Klinik III
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
Tel. (0451) 500-441 95
Internet: www.derma.uni-luebeck.de

Dr. Ulrike Sölter
Julius Kühn-Institut (JKI) – Bundesforschungszentrum für Kulturpflanzen
Messeweg 11/12, 38104 Braunschweig
Internet: www.julius-kuehn.de

Weitere Informationen:
Julius-Kühn-Institut
Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Internet: www.jki.bund.de
Ambrosia-Faltblatt zum Herunterladen aus dem Internet:
www.julius-kuehn.de/media/Veroeffentlichungen/Flyer/Ambrosia.pdf

Dieses Thema im Programm:

Visite | 20.06.2017 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

07:21

Weihnachtsbaum im Kleinformat

07.12.2017 16:20 Uhr
NDR Fernsehen
07:43

Elegante Mode zum Weihnachtsfest

07.12.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
01:02

Winter-Deko: Weidenzaun selbst flechten

07.12.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag