Stand: 22.02.2016 09:33 Uhr

Allergisch gegen Implantate - was tun?

Allergien treten immer häufiger gegen zahlreiche Stoffe auf, mit denen wir im Alltag konfrontiert sind. Dazu zählen auch Metalle wie Nickel, Chrom oder Kobalt. Und dieses Problem beschränkt sich nicht auf Modeschmuck oder berufliche Belastungen: Benötigt ein Betroffener ein Metall-Implantat, zum Beispiel ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk, kann das verheerende Folgen haben. Durch die Bewegung entsteht ein ultrafeiner Abrieb - nicht ungewöhnlich bei Gelenkprothesen und normalerweise kein Problem für den Körper, es sei denn, es besteht einen Allergie.

Ein künstliches Gelenk in seinem Aufbau.

Metallunverträglichkeit bei einem neuen Gelenk

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Durch neue Knie- oder Hüftgelenke können viele Menschen wieder ein weitgehend schmerzfreies Leben führen. Wird das Implantat aber nicht vertragen, muss oft erneut operiert werden.

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Aber: Auch Patienten, die vorher keine Allergie hatten, können auf ein Implantat allergisch reagieren. Experten sprechen dabei von einer sogenannten Kontaktallergie, die sich langsam entwickelt und deshalb oft lange nicht erkannt wird.

Verschiedene Test decken Implantatallergie auf

Die betroffenen Patienten leiden - nicht selten Jahre nach der Operation - unter Schwellungen, Nervenreizungen, Schmerzen, seltener auch unter Hautekzemen oder -rötungen. Bei diesen Symptomen sollten zunächst häufigere Ursachen dieser Beschwerden, wie zum Beispiel eine schwelende Infektion oder eine schlecht sitzende Prothese, ausgeschlossen werden.

Metallallergie-Häufigkeit in Deutschland:

Nickel: 13,2 Prozent
Kobalt: 3 Prozent
Chrom: 1 Prozent
(Quelle: Orthopädische Gelenk-Klinik Gundelfingen)

Der erste diagnostische Schritt ist der Epikutantest. Dabei wird ein spezielles Hautpflaster mit verschiedenen Allergieauslösern auf den Rücken des Patienten geklebt. Eine deutliche Hautreaktion ist ein Indiz für eine Allergie. Anschließend wird eine Blutprobe im Labor auf allergische Reaktionen gegen die im Implantat verwendeten Metalle untersucht. Und schließlich entnehmen die Ärzte aus dem betroffenen Gelenk Gewebeproben, die ebenfalls im Labor untersucht werden, um eine Infektion eindeutig auszuschließen. Ist tatsächlich eine Allergie für die Beschwerden verantwortlich, kann eine Kortisontherapie die Symptome lindern.

Titan statt Nickel

Manchmal lässt der Schmerz im Laufe der Zeit nach, sodass der Betroffene damit leben kann. Aber spätestens, wenn die Gefahr besteht, dass sich die Prothese lockert, muss sie gegen ein Implantat aus einem anderen Werkstoff ausgetauscht werden, gegen den der Patient nicht allergisch ist. So lassen sich die wegen ihrer Haltbarkeit beliebten Nickel-Chrom-Kobalt-Prothesen gegen Titan-Implantate auswechseln. Die sogenannten anti-allergischen Multilayerprothesen nutzen zwar schneller ab und sind deutlich teurer, lösen dafür aber seltener Allergien aus.

Langzeiterfahrungen bei anti-allergischen Prothesen fehlen

Ganz ausschließen lässt sich aber auch hier die Entwicklung einer Implantatallergie nicht. Und: Bei diesen speziellen Prothesen fehlen Langzeiterfahrungen, weil sie noch nicht so lange auf dem Markt sind wie die schon seit vielen Jahren verwendeten Standardprothesen. Um das Komplikationsrisiko durch eine Allergie zu senken, sollte man dem Arzt vor der Operation unbedingt alle bestehenden Allergien nennen, vor allem Metallallergien oder Reaktionen auf künstliche Zähne.

Weitere Informationen
05:33 min

Interview zu Metallunverträglichkeit

23.02.2016 20:15 Uhr
Visite

Für wen ist welches Prothesen-Modell geeignet? Bei welchen Symptomen sollte man hellhörig werden? Prof Karl-Dieter Heller im Interview mit Moderatorin Vera Cordes. Video (05:33 min)

Chat-Protokoll zum Thema Implantatallergie

Wie häufig kommt eine allergische Reaktion vor? Wer sollte einen Allergie-Test durchführen? Diese und weitere Fragen hat Prof. Karl-Dieter Heller im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Karl-Dieter Heller
Chefarzt der Orthopädischen Klinik
Herzogin Elisabeth Hospital
Leipziger Straße 24
38124 Braunschweig
Tel. (0531) 699 20 01
Fax: (0531) 699 20 90
E-Mail: kd.heller@heh-bs.de
Internet: www.heh-bs.de

Im Beitrag:
Prof. Dr. Marc N. Thomsen
Chefarzt
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Klinikum Mittelbaden Baden-Baden Annaberg
Lilienmattstraße 5
76530 Baden-Baden
Tel. (07221) 35 82 19
Fax (07221) 35 83 85
E-Mail: m.weinstock@klinikum-mittelbaden.de (Sekretariat)
Internet: www.klinikum-mittelbaden.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 23.02.2016 | 20:15 Uhr