Stand: 04.01.2016 09:47 Uhr

Weit gereist: Schnittblumen im Winter

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Mehr als eine Milliarde Rosen werden pro Jahr in Deutschland verkauft.

Längst haben wir uns daran gewöhnt, rund ums Jahr frische Schnittblumen zu kaufen. Besonders die beliebten Rosen sind stets in großer Auswahl verfügbar. Doch gerade im Winter haben die Pflanzen eine lange Reise hinter sich, bevor sie im Blumenladen ankommen. Wo genau sie angebaut wurden, lässt sich für Käufer kaum nachvollziehen, denn eine Pflicht zur Deklaration gibt es in Deutschland nicht. In der Bundesrepublik bauen rund 2.400 Unternehmen Schnittblumen an, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. Den Bedarf können sie aber längst nicht decken. Daher werden rund 80 Prozent der Blumen importiert.

Beispiel Rosen

Drei von vier Rosen, die nach Deutschland eingeführt werden, kommen aus den Niederlanden. Das heißt aber nicht, dass sie dort angebaut, sondern nur, dass sie dort gehandelt wurden. Auf dem zweiten Platz der Rosen-Importe steht mit rund 15 Prozent das ostafrikanische Kenia. Insgesamt werden pro Jahr rund 1,2 Milliarden Rosen eingeführt, deutsche Kunden bezahlen dafür im Schnitt etwa einen Euro pro Stück. Solche Preise sind nur möglich, wenn die Pflanzen unter günstigen klimatischen Bedingungen in großen Mengen angebaut werden.

Kritik an Produktionsbedingungen

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Rosen aus Kenia

Eine Reportage über den Rosenanbau in Kenia auf tagesschau.de. extern

Die wichtigsten Export-Länder für Blumen sind neben Kenia die südamerikanischen Staaten Ecuador und Kolumbien. Immer wieder geraten Züchter in Übersee wegen der Arbeitsbedingungen und dem intensiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in die Kritik. Im Unterschied zu Obst und Gemüse gelten für Blumen keine Grenzwerte für Rückstände solcher Chemikalien - auch nicht in Deutschland. Die Umweltorganisation BUND hat 2012 Rosen aus den wichtigsten Export-Ländern untersuchen lassen. In acht von zehn Sträußen fanden sich Pestizidrückstände, darunter auch ein Stoff, der als krebserregend gilt. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam die Zeitschrift "Öko-Test" 2010. In den 22 geprüften Sträußen fanden sich 56 verschiedene Spritzmittel, bis zu 20 in einem Gebinde. Problematisch sind dabei nicht nur die Rückstände auf den Blumen, sondern auch die Bedingungen für Arbeiter, die solche Mittel versprühen. Die Umweltorganisation Greenpeace bemängelt allerdings auch, das auch in deutschen Gärtnereien vielfach Pestizide als Pilz- und Insektenvernichter eingesetzt würden.

Label können Orientierung bieten

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Das "Fairtrade"-Label steht nicht für Öko-Pflanzen, sondern für faire Anbau-Bedingungen.

Wer beim Blumenkauf auch die Umwelt im Blick behalten möchte, kann Label berücksichtigen, die für gute Sozial- und Umweltstandards in der Produktion stehen. Neben "Fairtrade" gilt das auch für "Fair Flowers Fair Plants" (FFP) aus den Niederlanden, das allerdings in Deutschland wenig verbreitet ist. Bei beiden liegt der Schwerpunkt der Kriterien allerdings auf den sozialen Bedingungen wie einem fairen Lohn für die Arbeiter, gewerkschaftlichen Aktivitäten und dem Verbot von Kinderarbeit. Das Label "Flower Label Programm" hat seine Aktivitäten eingestellt.

Tipp: Saisonale Blumen und Topfpflanzen

Die größte Chance umweltverträglich gewachsene Blumen in die Vase zu bekommen, haben Verbraucher, wenn sie im Sommer Pflanzen von heimischen Bio-Betrieben kaufen. Auswahl und zeitliche Verfügbarkeit sind dann freilich eingeschränkt. Im Winter können blühende Zimmerpflanzen wie Amaryllis, Weihnachtssterne oder Alpenveilchen eine Alternative sein. Bereits um den Jahreswechsel kommen dann Frühjahresblüher wie Tulpen und Narzissen auf den Markt, die überwiegend aus Gewächshäusern in den Niederlanden stammen.

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