Stand: 08.08.2017 11:18 Uhr

Das nackte Grauen: Schnecken im Garten

Im Schutz der Dunkelheit kriechen in vielen Gärten ganze Horden von Nacktschnecken aus ihren Verstecken und machen sich über Blumen und Gemüse her. Gerade bei feuchter Witterung sind sie in ihrem Drang zu fressen kaum zu stoppen. Für Freizeitgärtner bedeutet das am Morgen oft ein böses Erwachen: Die hungrigen Besucher haben nur noch ein Gerippe vom Blattwerk vieler Pflanzen übrig gelassen.

Spanische Wegschnecke fast ohne natürliche Feinde

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Kröten, Igel und Vögel, die sonst gerne Schnecken vertilgen, machen einen Bogen um die Spanische Wegschnecke.

Knapp 90 Prozent der Fraßschäden in Gemüsebeet und Blumenrabatte kann man der Spanischen Wegschnecke (Arion vulgaris) in die Schuhe schieben. Sie wurde in den 60er-Jahren nach Deutschland eingeschleppt und hat hier fast keine natürlichen Fraßfeinde. Kröten, Igel und Vögel, die sonst gerne Schnecken vertilgen, machen einen Bogen um den Kriecher. Die Tiere sondern nämlich so viel Schleim ab, dass die Nützlinge daran ersticken würden. Von der einheimischen Roten Wegschnecke (Arion rufus) ist sie äußerlich kaum zu unterscheiden.

Tigerschnegel frisst Eier

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Ein natürlicher Feind der Spanischen Wegschnecke: der Tigerschnegel.

Einen natürlichen Feind hat die Spanische Wegschnecke dennoch: den Tigerschnegel, eine 10 bis 20 Zentimeter lange Nacktschnecke aus der Familie der Schnegel. Dieser Nützling vertilgt nicht nur verwesende Pflanzenteile und tote Tiere, sondern auch die Eier der Spanischen Wegschnecke. Er soll die Tiere sogar angreifen. Tigerschnegel sollten also auf keinen Fall bekämpft werden. Das gilt beispielsweise auch für die geschützten Weinbergschnecken und Bänderschnecken.

Schneckeneier im Spätsommer und Herbst aufspüren

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So sehen Schneckeneier aus, ein Tier kann bis zu 400 Eier legen.

Im Herbst sollten Gartenbesitzer schon Vorsorge für das nächste Jahr treffen, denn die Schnecken sorgen im Spätsommer und Herbst für ihren Nachwuchs. Jede Schnecke legt bis zu 400 Eier. Die Gelege sollten deshalb aufgespürt und die Eier entfernt werden. Für die Eiablage bevorzugen Schnecken bestimmte Plätze: Unter Pflanzkübeln, der Regentonne, in Ritzen und Spalten im Gartenboden, in Erdlöchern oder auch am Wegesrand unter lockeren Steinen sind oft Eier zu finden. Die milchig-weißen Eier können im Müll entsorgt werden. Wer will, kann sie aber auch einfach freilegen. Dann vertrocknen sie in der Sonne oder werden von Vögeln aufgepickt. Nach einigen Tagen lohnt sich ein erneuter Blick in die Verstecke, weil Schnecken gern an ihren Lieblingsstellen mehrmals Eier ablegen.

Nacktschnecken mögen manche Pflanzen nicht

Wer sich den Ärger von Anfang an ersparen möchte, achtet schon beim Planen der Blumenbeete darauf, Pflanzen auszuwählen, die nicht unbedingt auf dem Speiseplan der Nacktschnecken stehen. Glücklicherweise gibt es eine ganze Reihe von schönen Pflanzen, die Schnecken in der Regel meiden oder sogar abwehren. Dazu zählen intensiv riechende Kräuter wie Rosmarin und Thymian, giftige Schönheiten wie Eisenhut und Fingerhut sowie Gräser und Farne. Auch dickfleischige Pflanzen wie Hauswurz und Fetthenne sind nicht beliebt bei Nacktschnecken.

Um diese Pflanzen machen Schnecken einen Bogen

Unbeliebtes Gemüse: Auswahl ist begrenzt

Bei Gemüse sind die Möglichkeiten deutlich begrenzter, die Schnecken fressen fast alles, ganz besonders gern grünen Salat. Verschmäht werden meistens beispielsweise Radieschen, Rettich, Spinat, Rote Bete, Tomaten, Sellerie, Schnittlauch, Zwiebeln, Petersilie und Endivien. Tipp: Ein Hochbeet erschwert Schnecken zumindest den Zugang zum Gemüse.

Rechtzeitig Vorsorge treffen

Am besten ist es natürlich, wenn die Schnecken erst gar nicht an die Gartenpflanzen gelangen. Bewährt hat sich die Kombination folgender Methoden:

  • Blumentöpfe und Beetumrandungen mit einem speziellen Lack einstreichen, damit der Untergrund zu glatt für Nacktschnecken ist
  • Gemüsebeeten grundsätzlich einen offenen, sonnigen Platz im Garten geben
  • Versteckmöglichkeiten wie hohes Gras in der Nähe gefährdeter Beete beseitigen
  • Nur den Wurzelbereich der Pflanzen gießen und den Boden feinkrümelig und trocken halten
  • Schneckenzaun (erhältlich im Fachhandel) um besonders gefährdete Beete ziehen
  • Natürliche Hemmschwellen um Beete ausbringen: Kalk, Sägespäne, Rindenmulch und Kaffeesatz mögen Nacktschnecken nicht

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