Stand: 09.08.2017 09:33 Uhr

Was tun bei einem Wespennest?

von Hedwig Ahrens

Im Sommer essen viele Menschen gerne draußen und locken dabei oft ungebetene Besucher an: Wespen. Der Ärger ist programmiert, denn viele haben Angst vor den Tieren und schlagen nach ihnen. Dabei sind die schwarz-gelben Flieger ungefährlicher als gemeinhin bekannt. Für Aufklärung sorgen Wespenberater, die es in allen norddeutschen Bundesländern gibt.

Ein Wespenberater im Einsatz

In Niedersachsen sind in fast jedem Landkreis ehrenamtliche Berater unterwegs. "Besonders viele gibt es in den Landkreisen Stade, Osnabrück und im Emsland", sagt Insektenexperte Rolf Witt aus Oldenburg. Der Biologe erklärt, dass es in Deutschland und den Nachbarländern mehr als 600 Wespenarten gibt. Sie sind meist harmlos. Trotzdem versetzen sie Hausbewohner in Angst und Schrecken, wenn sie Nester in Menschennähe bauen.

Wespenberater geben Tipps

Wie finde ich einen Wespenberater?

Niedersachsen:
Der NABU Niedersachsen vermittelt Berater, Tel. (0511) 91 10 50.

Schleswig-Holstein:
Das Natur-, Umwelt- und Abfallzentrum des NABU in Lütjenburg hat eine Beraterliste zusammengestellt. Das Zentrum ist unter Tel. (04381) 97 53 zu erreichen.

Hamburg:
Die Umweltbehörde vermittelt unter Tel. (040) 428 40 - 2156 Experten und hat eine Informationsbroschüre herausgegeben.

Mecklenburg-Vorpommern:
Der NABU Mecklenburg-Vorpommern vermittelt Berater und gibt Tipps unter Tel. (0385) 477 33 744.

Der Hobbyimker Rudi Jansen ist seit zehn Jahren Wespenberater im Landkreis Emsland. Zu Spitzenzeiten rückt er 80 Mal pro Saison aus, um Hummel-, Hornissen- oder Wespennester zu begutachten. Im Schuppen von Cornelia Thesing in Walchum soll er ein faustgroßes Wespennest entfernen. Die Tiere verhalten sich dort besonders aggressiv, weil sie direkt neben einer Eingangstür leben. "Das Knallen der Tür, die Erschütterungen beim Öffnen und Schließen mögen die Wespen nicht", weiß Jansen. Deshalb holt er das Nest mit einem Kehrblech vorsichtig von der Decke. Danach legt er das filigrane Gebilde in einen Eimer mit Luftlöchern. "Die Wespen kommen zu mir in meinen Holzschuppen. Da haben die es besser", sagt der Fachmann.

Nur die Ruhe bewahren

Im Regelfall können die Insektennester an Ort und Stelle bleiben. Das Bewusstsein der Menschen habe sich verändert - sie seien naturbewusster geworden. Dass Insekten beim Bestäuben der Pflanzen dringend gebraucht werden, sei gemeinhin bekannt.

Berater wie Jansen versuchen zudem, Ängste abzubauen. Sie geben in der Grillsaison Tipps zum Umgang mit den Hautflüglern. Hornissen etwa sind keine Fleischfresser und stellen somit keine Gefahr am Gartentisch dar. Wespen können mit einfachen Mitteln von der Tafel weggelockt werden. "Einfach Weintrauben aufschneiden und etwas entfernt von der Grillgesellschaft hinstellen. Das lockt die Insekten weg." Zudem gehen nur zwei der sechs heimischen Wespenarten laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) auf Süßspeisen. Wer ihre Flugbahn meidet und sie nicht bedroht, kann Stiche vermeiden.

Erhalten statt töten

Im Emsland wurden im vergangenen Jahr 65 Prozent der Wespennester nach einer Beratung erhalten. Bei den Hornissen waren es sogar 73 Prozent. Laut NABU vertilgt ein ausgewachsenes Hornissenvolk pro Tag 500 Gramm anderer Insekten - zum Beispiel Mücken. Wer trotzdem darauf besteht, Nester entfernen zu lassen, muss dafür beim Landkreis Emsland 40 Euro zahlen.

Fünf Tipps zum Umgang mit Wespen

  • Nicht nach den Tieren schlagen oder sie anpusten, das macht Wespen aggressiv.
  • Lebensmittel im Freien abdecken und nach der Mahlzeit nach drinnen bringen.
  • Getränke nicht direkt aus Glas oder Flasche, sondern mit einem Strohhalm trinken.
  • Den Tieren eine sogenannte Ablenkfütterung anbieten, das heißt abseits vom Tisch einen Teller mit Essen hinstellen. Am besten eignen sich dafür reife Trauben.
  • Bunte Kleidung sowie Parfüm oder parfümierte Cremes vermeiden, davon fühlen sich die Tiere angezogen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Schleswig-Holstein Magazin | 08.08.2017 | 19:30 Uhr

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