Stand: 07.06.2017 10:44 Uhr

Den Garten richtig gießen und bewässern

von Helge Masch

Nur etwa 2,6 Prozent des Gesamtwasservorrates der Erde sind Süßwasser. Der größte Teil davon ist - glücklicherweise noch - im Polareis, Meereis, in Gletschern und Tiefengrundwasser gebunden. Das verbleibende Wasser steht Pflanzen, Tieren und uns Menschen zur Verfügung. Wir sollten mit diesem raren Gut verantwortungsbewusst umgehen und zum Beispiel Regenwasser in Tonnen oder Zisternen auffangen und es dann für die Gartenbewässerung verwenden, statt aufwendig gereinigtes Trinkwasser aus der Leitung zu nehmen. Übermäßiges Gießen ist ohnehin nicht sinnvoll - schließlich überleben Pflanzen in der freien Natur auch ohne menschliche Wassergaben. Und: Unkrautsamen keimen auf trockenem Boden schlechter - noch ein Grund, im Garten sparsam zu wässern.

Gießen und Bewässern - so geht's richtig

Pflanzen nicht mit Wasser verwöhnen

Wenn eine Pflanze im Boden erst einmal Fuß gefasst hat, wachsen die Wurzeln zum Wasser. Das bedeutet, mit dem Absinken des feuchten Horizontes im Boden wachsen die Wurzeln dem Wasser hinterher. Allerdings muss dies der Gärtner auch zulassen. Also: Schluss mit dem ständig oberflächlich feuchten Gartenboden, dies verwöhnt die Pflanzen und man kommt in wirklich heißen und trockenen Perioden nicht mit dem Gießen nach.

Schlappe Blätter: Wann muss gegossen werden?

Bild vergrößern
Schlappe Blätter sind ein Schutzmechanismus. Nicht immer müssen Pflanzen sofort gegossen werden.

Pflanzen haben wirkungsvolle Mechanismen entwickelt, sich vor großer Hitze, starker Sonneneinstrahlung und beginnendem Wassermangel im Boden zu schützen. Sie stellen die Verdunstung ein, indem sie Spaltöffnungen schließen. Gleichzeitig lassen sie die Blätter schlapp hängen, um die Oberfläche, die von der Sonne beschienen wird, zu verringern. So wird Wasser gespart. Kommt jetzt der Gärtner mit einer gut gemeinten "Erfrischung" und sprüht ein bisschen Wasser über die Pflanzen, nehmen die Blätter diese Erfrischung gern an und melden an die Wurzeln: "Es ist kühler geworden und regnet, wir können wieder in den 'Normalbetrieb' umstellen."

Doch die Wurzeln finden kein Wasser, das sie an die Blätter schicken können. Der Gärtner hat die Wassergabe längst eingestellt und das Wasser ist im warmen Boden schnell an der Oberfläche verdunstet. So kann man den Pflanzen das Leben in einer wasserarmen Zeit richtig schwer machen. Hätte der Gärtner nicht eingegriffen, hätten die Pflanzen mit Einbruch der Dunkelheit ihre Blätter wieder aufgerichtet.

Lässt die Pflanze auch am Morgen die Blätter noch hängen, hat sie offenbar mächtigen Durst, und die Wurzeln finden in ihrem Bereich kein Wasser mehr. Jetzt ist der Gärtner mit seinem Schlauch gefragt. Doch wie viel Wasser ist jetzt notwendig? Dies ist nun wiederum abhängig von der Bodenart und der Bepflanzung.

Weitere Informationen

Den Gartenboden bestimmen und verbessern

Wenn Pflanzen nicht kräftig wachsen, kann das an der Zusammensetzung des Gartenbodens und mangelndem Dünger liegen. Es gibt Möglichkeiten, den Boden nachhaltig zu verbessern. mehr

Flachwurzler müssen häufiger gewässert werden

Wenn man weiß, in welcher Tiefe sich die Wurzeln befinden, ist die Wassermenge etwas leichter abzuschätzen. Zu wenig Wasser veranlasst die Pflanze, die Wurzeln wieder weiter nach oben zu verlagern, und man muss häufiger gießen. Zu starke Wassergaben waschen wichtige Nährstoffe in das Grundwasser aus. Dies ist für die Umwelt, für die Pflanze und für den Geldbeutel nicht gut. Pflanzen mit einem flachen Wurzelsystem wie zum Beispiel Rhododendron oder Rasen müssen häufiger, aber nicht so durchdringend gewässert werden. Etablierter Rasen übersteht auch ohne Bewässerung den Sommer, wenn er vor Hitzeperioden nicht zu tief geschnitten wird.

Bewässerung mit Schlauch oder Sprenger ist optimal

Pflanzen mit tiefliegenden Wurzeln, wie Stauden, Sommerblumen und Gehölze, sollten maximal einmal pro Woche gewässert werden. Hierbei kommt es darauf an, dass das Wasser langsam in dem Boden einsickert und vom Boden gehalten werden kann. Eine Bewässerung mit (Perl-) Schlauch und Sprenger ist also dem Wasserschwall der Gießkanne vorzuziehen. Dies gilt insbesondere für lehmige Böden, die nur schlecht Wasser aufnehmen. Ein sandiger Boden kann Wasser nicht speichern. Er sollte mit weniger Wasser gegossen werden - wie bei den Flachwurzlern. Diese Böden sollten außerdem durch regelmäßige Kompostgaben verbessert werden.

Wurzeln von Kübelpflanzen dürfen nicht faulen

Bild vergrößern
Topfpflanzen müssen regelmäßg gegossen werden, dürfen aber nicht im Wasser stehen.

Pflanzen in Gefäßen können nicht "erzogen" werden wie die Gartenpflanzen. In den Gefäßen sollte die Erde nach dem Gießen vollständig abgetrocknet sein, bevor erneut gegossen wird. Man kann nicht auf Vorrat gießen. Wenn die Pflanzen dauerhaft zu nass stehen, beginnt die Erde zu riechen und Wurzeln verfaulen. Verfaulte Wurzeln können kein Wasser mehr aufnehmen und die Pflanze hängt schlapp - eine Rettung ist jetzt schwer.

Zunächst muss die Erde zügig trockengelegt werden. Hierfür immt man einen Stapel Zeitungspapier und stellt den Erdballen (ohne Topf) darauf. Dann ist die Pflanze gefragt, denn sie muss neue Wurzeln ausbilden. Erst jetzt kann wieder sehr vorsichtig gegossen werden. In dieser kritischen Phase darf nicht gedüngt werden. Die zarten Wurzeln würden sofort verbrennen.

Weitere Informationen

Was tun mit Pflanzen bei Starkregen und Sturm?

Lang anhaltender Starkregen sorgt für Pfützen in Beeten und auf dem Rasen. Doch viele Pflanzen kommen mit der Staunässe nicht klar. Was schützt vor zu viel Wasser im Boden? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Garten | 07.06.2017 | 20:00 Uhr

Blumentöpfe aus Zement selbst kreieren

Jetzt ist Schluss mit der Langeweile auf Balkon und Terrasse, weg mit den Standardtöpfen: So lassen sich aus Zement ausgefallene Blumenkübel ganz einfach selbst herstellen. mehr

Mehr Ratgeber

10:01
08:18

Emmerthal: Zu Gast im Museum für Landtechnik

18.09.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
08:11

Avocado-Salat mit Melone und Krabben

18.09.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag