Stand: 01.06.2016 09:38 Uhr

Barocke Gartenpracht in Hannover-Herrenhausen

Hannover im Jahr 1638: Herzog Georg von Calenberg lässt bei "Höringehusen" einen Garten zur Versorgung des hannoverschen Hofes anlegen. Heute ist das ehemalige Dorf unter dem Namen Herrenhausen als Stadtteil Hannovers weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Der einstige Gemüsegarten hat sich zu einem gärtnerischen Schmuckstück entwickelt, das über Jahrhunderte beinahe unverändert erhalten geblieben ist. Im Mittelpunkt steht der Große Garten, eine rund 50 Hektar große Anlage im Stil barocker franzöischer Gartenkunst.

So schön ist der Große Garten

Seine heutige Form erhielt der Große Garten zwischen 1696 und 1714 unter Kurfürstin Sophie. Mit einer großen Fontäne, dem Irrgarten und dem Gartentheater gehört die Anlage zu den wenigen in ihrer Grundstruktur erhaltenen Barockgärten Europas. Jedes Jahr lockt sie Tausende Besucher aus aller Welt an. Zudem bildet der Große Garten die eindrucksvolle Kulisse für zahlreiche Kunst-, Musik- und Garten-Festivals. Seit 2013 gehört auch das Schloss wieder zum Garten-Ensemble. Das Gebäude war im Zweiten Weltkrieg zerstört, später abgerissen und nach rund 70 Jahren als Kongresszentrum und Museum wieder aufgebaut worden.

Barockgarten wächst unter Kurfürstin Sophie

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Mit dem Ausbau des Gartens unter Leitung von Kurfürstin Sophie von Hannover wurden auf dem Gelände auch neue Gebäude errichtet. Nachdem das Herrenhäuser Schloss bereits zuvor um eine große Kaskade und eine Grotte erweitert worden war, entstand in den Jahren 1720 bis 1723 die Orangerie. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Schloss und Orangerie unter Leitung des Hofbaumeisters Georg Ludwig Friedrich Laves umgestaltet. Die engen Verbindungen der hannoverschen Welfen mit England und die Verlegung des Regierungssitzes nach London ließen die Anlage in Herrenhausen ein wenig in Vergessenheit geraten. Entgegen dem damaligen Trend wurden die Herrenhäuser Gärten nicht zum Landschaftsgarten umgestaltet, sondern behielten ihre barocke Form. Stattdessen wurde im 19. Jahrhundert in direkter Nachbarschaft des Barockgartens der Georgengarten als Landschaftsgarten englischen Stils angelegt.

Landschaftsgärten: Welfen- und Georgengarten

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Der Georgengarten mit dem Leibniz-Tempel lädt als öffentlicher Park zum Spazieren ein.

Zum Georgengarten gehört das Georgenpalais. Es beherbergt heute das Museum Wilhelm Busch mit seiner Sammlung herausragender Karikaturen und kritischer Grafiken. Unweit davon steht auf einer Halbinsel der zu Ehren des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz errichtete Leibniz-Tempel. Leibniz hatte mit seiner Wasserkunst an der aufgestauten Leine 1696 für den Durchbruch bei der Wasserversorgung der Gärten und den Betrieb der bereits im 18. Jahrhundert bis zu 70 Meter hohen Fontäne gesorgt.

Östlich des Georgengartens liegt der Welfengarten mit dem als Welfenresidenz geplanten "Schloss Monbrillant", das heute das Hauptgebäude der Leibniz Universität Hannover ist. Noch vor Fertigstellung des Schlosses in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Hannover von Preußen annektiert und die Technische Hochschule zog 1879 in das Welfenschloss ein. Der dazugehörige Garten war zunächst als kleinere Kopie des Großen Gartens angelegt worden, wurde aber bereits Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Landschaftsgarten umgestaltet und dient heute wie auch der Georgengarten als öffentlicher Park.

Pflanzenvielfalt im Berggarten

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Im Berggarten wachsen zahlreiche verschiedene Pflanzen, darunter auch tropische.

Zur gleichen Zeit wie der Große Garten entstand bereits Ende des 17. Jahrhunderts nördlich des Herrenhäuser Schlosses der Berggarten. Auf einem abgetragenen Sandberg als Küchengarten für das Schloss angelegt, ist der Berggarten heute einer der ältesten botanischen Gärten Deutschlands. Die rund zwölf Hektar große Parkanlage präsentiert verschiedene thematische Sammlungen mit insgesamt rund 11.000 unterschiedlichen Pflanzen. Darüber hinaus beherbergt der Berggarten Schauhäuser mit Orchideen, Kakteen und tropischen Pflanzen, den Schmuckhof mit Sonnenuhr sowie das Mausoleum von Königin Friederike und König Ernst August.

Kulisse für Kultur und Lifestyle

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Beliebt beim Publikum: Künstler beim "Kleinen Fest im Großen Garten".

Die Herrenhäuser Gärten sind alljährlich Schauplatz vielfältiger kultureller Veranstaltungen. Seit 1986 erfreut sich das "Kleine Fest im Großen Garten" der Gunst des Publikums. Zahlreiche Bühnen mit internationalen Künstlern sind im Barockgarten verteilt und bieten den Besuchern Gelegenheit, sich bei ihrem Spaziergang durch den sommerlichen Garten ihr individuelles Kleinkunst-Programm zusammenzustellen. In seiner Geschichte war der Barockgarten immer wieder Schauplatz großer Feste, die nicht selten mit farbenprächtigen Feuerwerken gefeiert wurden. In dieser Tradition steht der Internationale Feuerwerkswettbewerb, der alljährlich unter den besten Pyrotechnikern der Welt in Herrenhausen ausgetragen wird.

Glaskunst in der Grotte

Ein beliebtes modernes Kunstwerk im Großen Garten stammt von der Künstlerin Niki de Saint Phalle. Von 2001 bis 2003 wurde nach ihren Plänen das Innere der historischen Grotte mit Mosaiken aus buntem Glas und Spiegeln verziert. In den Sommermonaten sind die Gartenanlagen wie auch die Orangerie und das Gartentheater zudem Bühne für Musik und Schauspiel. Im Frühjahr findet im Georgengarten ein großes Gartenfestival statt, bei dem zahlreiche Aussteller ihre Ideen und Produkte zum Thema Gartengestaltung und Lebensart präsentieren.

Karte: Herrenhäuser Gärten

Geschichte des Schlosses

Schloss Herrenhausen und der Große Garten gehen auf einen Wirtschaftshof aus dem Jahr 1638 zurück. In den Jahren 1819 bis 1821 gestaltete der damalige Hofbaumeister Georg Ludwig Friedrich Laves das ursprünglich barocke, in mehreren Bauabschnitten entstandene Schloss im klassizistischen Stil um. Es diente der Welfenfamilie als Sommerschloss.

1943 wurde das Schloss während des Zweiten Weltkriegs bombardiert und zerstört. Erhalten blieben nur die Grotte, die Große Kaskade und die Freitreppe des Schlosses, die später in den Großen Garten versetzt wurde. Nach dem Krieg verkauften die Welfen das zerbombte Schloss mit Grundstück an die Stadt Hannover, die es abreißen ließ.

2013 öffnete ein Schloss-Neubau. Hinter der historisch gestalteten Fassade verbirgt sich ein modernes Kongresszentrum sowie ein Museum zur Geschichte der Welfen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / NaturNah / 01.06.2016 / 13:00 Uhr