Stand: 20.11.2015 16:10 Uhr  | Archiv

Tiere aus dem Ausland: Worauf sollte man achten?

von Sonja Schirmer

Viele Tierliebhaber entschließen sich dazu, einen Vierbeiner aus dem Ausland aufzunehmen. Leider leben in Süd- und Osteuropa viele Hunde und Katzen unter sehr schlechten Haltungsbedingungen. Einige sitzen außerdem in sogenannten Tötungsstationen. All dies führt oft dazu, dass Tiere aus Mitleid und dem "Wunsch zu Helfen" aufgenommen werden. Jedoch gibt es einiges zu beachten, damit die Freude über das neue Familienmitglied ungetrübt bleibt.

Besonderheiten im Verhalten

Generell sind Straßentiere darauf angewiesen, sich selbst zu versorgen. Sie meistern recht unabhängig und eigenständig Ihr Leben. Da sie nicht immer regelmäßig Futter zur Verfügung haben, fressen sie das "was sie finden" und plündern auch schon mal eine Mülltonne. Insbesondere ausgemusterte Jagdhunde aus Spanien haben einen stark ausgeprägten Jagdtrieb. Sie jagen in Ihren Heimatländern selbstständig in der Gruppe. Viele Tiere aus dem Ausland haben irgendwann in Ihrem Leben schlechte Erfahrungen mit dem Menschen gemacht- manche wurden sogar richtig mißhandelt. In Ihrer Jugend hatten einige nicht viele positive Kontakte zu Menschen und sind daher auch nicht so auf den Menschen geprägt, wie ein Welpe, der in einer Züchterfamilie aufwächst.

Diese Tiere sind also eher für Menschen mit Hundeerfahrung zu empfehlen. Wenn jedoch die Besonderheiten der Straßentiere beachtet werden, hat man einen sehr treuen und dankbaren vierbeinigen Begleiter, der sich flexibel anpasst.

Höhere Anfälligkeit für Krankheiten

Gerade wenn Tiere unter nicht so guten Bedingungen leben, sind sie besonders anfällig für Krankheiten. Hinzu kommt, dass es insbesondere in Südeuropa einige spezielle Krankheiten gibt, die in Deutschland nicht auftreten. Allgemein kommen bei Straßentieren vor allem folgende Krankheiten vor:

  • Hund: Würmer, Parasiten, Parvovirose, Staupe, Räude, Leishmaniose, Ehrlichose, Anaplasmose, Mikro- und Makrofilarien, Babesien
  • Katzen: Würmer, Parasiten, Katzenschnupfen, Panleukopenie, Leukose, Katzenaids

Seriöse Tierschutzorganisationen führen bereits vor der Ausreise erste Tests auf Reisekrankheiten durch, die in Deutschland wiederholt werden sollten.

Tierschutzorganisationen prüfen

Vor dem Hintergrund der Situation der Straßentiere gibt es in den Ländern oft unterschiedliche Organisationen, die versuchen zu helfen, Kastrationen durchzuführen und die Tiere nach Deutschland zu vermitteln. Viele Organisationen arbeiten ausschließlich mit Spenden und überwiegend ehrenamtlichen Helfern. Wichtig ist, auf Transparenz zu achten. Möchte man ein Tier aufnehmen, ist dieses in der Regel kastriert, geimpft, gechipt, entwurmt und auf Reisekrankheiten getestet. Diese Maßnahmen sollten auch belegt werden können.

Nachhaltiger Tierschutz

Natürlich können nicht alle Tiere aus dem Ausland in Deutschland aufgenommen werden. Es wäre nur ein "Tropfen" auf dem heißen Stein, wenn in den Heimatländern kein Umdenken stattfindet. Sinnvoll ist hier eine flächendeckenden Kastration, damit die Population nicht weiter wächst und alle Tiere genügend Ressourcen zur Verfügung haben. In den Heimatländern sollten Misshandlungen, tierschutzwidriges Verhalten und der Einsatz von Gift zur Populationskontrolle geandet werden. Jedoch ist hier der Weg noch sehr weit. Allerdings führen nicht alle Straßentiere im Ausland ein unwürdiges Leben. Einige haben "Futterstellen" und leben ein freies Leben in einer Umgebung, die sie kennen. Es darf nicht vergessen werden, dass auch in Deutschland viele Tiere in Tierheimen leben und auf Interessenten warten.

Weitere Informationen

Ihre Liebe gilt den Kleintieren: Sonja Schirmer

Mein Nachmittag

Tierärztin war schon immer ihr Traumberuf. Sonja Schirmer ist einmal monatlich freitags bei Mein Nachmittag und vermittelt tierisches Wissen und hilfreiche Tipps. mehr

Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 20.11.2015 | 16:10 Uhr

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